
Russlands Luftkrieg funktioniert derzeit nach folgender Strategie: Hunderte Drohnen sollen die Radarsysteme der Ukraine überlasten. Die entscheidenden Luftschläge erfolgen über Marschflugkörper oder ballistische Raketen; beide sind nur schwer abzuwehren. Russland greift nach eigener Darstellung vor allem militärische Ziele an, die Ukraine wirft Russland Terrorismus vor, da das Militär zivile Ziele angreife.
Die politische Führung in Kiew beklagt derzeit einen Mangel an Flugabwehrraketen. Konkret geht es um die US-amerikanischen Patriot-Systeme PAC 2 und PAC 3. Experten zufolge sind vor allem diese Systeme in der Lage, ballistische Raketen aus Russland zu zerstören. Allerdings kosten sie auch viel Geld und sind zuletzt knapp geworden.
Der Sprecher der ukrainischen Luftabwehr erklärte am Montag laut ukrainischen Medien, keine ballistische Rakete sei abgefangen worden. Er wies auf dezimierte Bestände seines Landes an Abfangraketen hin. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aussagen nicht, allerdings deuten Indizien darauf hin.
Weltweit Mangel an Patriot-Abwehrraketen
Laut der Osteuropa-Expertin des Deutschlandfunks, Gesine Dornblüth, gibt es rein rechnerisch zu wenig Patriot-Abwehrraketen, nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit. So setze Russland im Monat durchschnittlich rund 60 ballistische Raketen ein. Das seien mehr als die Produktion von neuen Patriot-Raketen.
Mit der Abwehr russischer Langstreckendrohnen kommt das ukrainische Militär inzwischen offenbar besser zurecht. Das legen Erkenntnisse des "Monitor Luftkrieg Ukraine" nahe, ein monatlicher Newsletter der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Was fordert Kiew?
Präsident Selenskyj forderte die Verbündeten auf, Flugabwehrraketen aus ihren Depots bereitzustellen. Selenskyj deutete auch an, dass die Ukraine selbst Patriot-Raketen herstellen könne - sie bräuchte dafür aber die Lizenzen und Zustimmung der USA.
Im April hatte die deutsche Bundesregierung bekanntgegeben, dass Deutschland einen Vertrag der Ukraine mit dem Rüstungsunternehmen Raytheon über die Lieferung von mehreren hundert Patriot-Raketen finanzieren wird. Ferner sei mit dem Unternehmen Diehl Defence die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden. Großbritannien sagte der Ukraine 120.000 Drohnen für den Abwehrkrieg gegen Russland zu.
Gibt es Alternativen zu den Patriots?
Das neue französisch-italienische Flugabwehrsystem SAMP/T, das die Ukraine laut Präsident Selenskyj noch in diesem Jahr zu Testzwecken erhalten soll, ist für die Abwehr ballistischer Raketen konzipiert und stellt eine Alternative zum amerikanischen Patriot-System dar. Laut der Nachrichtenagentur AFP ist das SAMP/T der neuen Generation darauf ausgelegt, manövrierfähige ballistische Raketen und Hyperschallraketen zu zerstören.
Diese Nachricht wurde am 06.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
