Donnerstag, 19. Mai 2022


"Wir brauchen dringend einen quantitativen Ausbau"

Dr. Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie FIBS in Berlin

08.10.2008

Das Eine ist, wir brauchen dringend einen quantitativen Ausbau, der Kita-Bereich und der Hochschulbereich insbesondere sind ausbaubedürftig. Im Hochschulbereich kommen verschiedene Faktoren zusammen, die dazu führen, dass wir bis zu 100.000 zusätzliche Studienplätze benötigen, um den Studienberechtigtenberg in den kommenden Jahren zu bewältigen.

Das Zweite ist, hängt damit aber unmittelbar damit zusammen, ein qualitativer Ausbau, der sich durchs gesamte Bildungssystem eigentlich ziehen müsste, von der Kita über die Schule in die Hochschule. Ein Kernelement in diesem Kontext ist für mich eine Reform der Erzieherin- und Lehrerausbildung, die konsequent dual von Anfang an sein sollte. Der zweite, größere Punkt ist, dass wir ganz gezielt und dringend uns um Kinder aus benachteiligten Familien kümmern müssen. Wir schaffen es bisher nur völlig unzureichend, gerade Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien anzusprechen.

Hier sind einerseits kleinere Klassen für diese Zielgruppen nötig, diagnostische Kompetenz bei den Lehrkräften, aber auch zielgruppenorientierter Unterricht, der diese Gruppen besser anspricht. Dritter Punkt ist eher an die Politik in soweit gerichtet, als dass es meines Erachtens gemeinsamer Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen bedarf, und ich würde mich ausgesprochen freuen, wenn wir hier zu einer Kommunikation kommen würden, die sagt: Wir wollen das gemeinsam erreichen, anstatt dieser permanenten Diskussionen, wer denn nun gerade zuständig ist, wer finanzieren darf, wer nicht finanzieren darf etc. Ich glaube, das bringt uns an der Stelle nicht weiter.