Dienstag, 29. November 2022

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"Wir in Berlin trauern, weil wir unseren besten Freund verloren haben"

23. November 1963: Nach dem Attentat auf US-Präsident Kennedy. Das "Deutschlandecho" berichtet aus Berlin.

16.04.2012

    Gerhard Nagel: Als die Nachricht von der Ermordung des amerikanischen Präsidenten gestern Abend in Westberlin bekannt wurde, zeigte sich tiefes Entsetzen auf den Gesichtern aller in den Straßen der Stadt. Wildfremde Menschen riefen sich die Todesnachricht zu. Schon in den frühen Morgenstunden und in den Nachtstunden hatten sich die ersten Berliner hier am Rathaus Schöneberg gemeldet und zahlreiche Blumen und Kränze auf die Rathaustreppe gelegt.

    Passantin: Ich habe es gestern Abend kurz vor zehn Uhr erfahren. Ich war fassungslos.

    Passant: Das wird wohl der Mehrzahl des deutschen Volkes so gehen, dass sie diesen Schlag so leicht nicht verwinden werden.

    Passant: Wir haben die ganze Nacht nicht schlafen können.

    Passantin: Entsetzlich.

    Passant: Wir waren wie erschlagen. Mein Kind hat geweint, meine Frau hat geweint.

    Passantin: Also ich habe geglaubt, ich kriege einen Herzschlag, als ich das hörte.

    Nagel: Seit wenigen Minuten stehen in den Fenstern der Häuser Westberlins Kerzen des Gedenkens an Präsident Kennedy. Die Westberliner Bevölkerung ist dem Appell ihres regierenden Bürgermeisters zu dieser Kerzenaktion gefolgt, den Willy Brandt heute Morgen um ein Uhr auf dem Rudolf-Wilde-Platz erneut ausgesprochen hatte.

    Willy Brandt: Hier über uns, auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses, stand ende Juni – ein halbes Jahr ist es her – John F. Kennedy und sagte so, dass es uns allen unvergesslich geblieben ist und bleiben wird: Ich bin ein Berliner. Gerade wir in Berlin trauern, weil wir unseren besten Freund verloren haben.

    Sendezeichen aus 50 Jahren DLF
    50 Jahre Deutschlandfunk