Dienstag, 17. Mai 2022

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WM-Neuling Dang Qiu
"Ich mag es mehr, wie die Chinesen spielen"

Bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft in Budapest sind aus deutscher Sicht bekannte Herren dabei: Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska. Dang Qiu dagegen spielt seine erste WM. Der 22-Jährige ist allerdings im positiven Sinne familiär vorbelastet.

Dang Qiu im Gespräch mit Bastian Rudde | 21.04.2019

Dang Qiu bei einem Bundesligaspiel für Düsseldorf
Dang Qiu bei einem Bundesligaspiel für Düsseldorf (picture alliance/Revierfoto/dpa)
Für Dang Qiu ist die Qualifikation zur Weltmeisterschaft schon ein großer Erfolg. Hinter den gesetzten Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska blieben nur zwei Plätze für sechs weitere Nationalspieler. Qiu setzte sich durch, sagt aber im Dlf, dass jeder der sechs Kandidaten die Qualifikation hätte schaffen können.
Dass Qiu ein hochkarätiger Tischtennisspieler ist, kann aufgrund seiner Veranlagung nicht verwundern: Vater Jianxin Qiu und Mutter Hong Chen waren chinesische Nationalspieler und spielten in der deutschen Bundesliga, die Familie betreibt eine Tischtennisschule in Nürtingen.
"Timo Boll ist ein Unikat"
So erstaunt es wenig, dass Qiu auf die Frage nach Spielern, von denen er sich etwas abgeschaut habe, zunächst ins Heimatland seiner Eltern schaut: "Um ganz ehrlich zu sein, ein bisschen mehr von den Chinesen. Weil ich mag es mehr, wie die Chinesen spielen. Timo Boll habe ich einen unfassbaren Respekt gegenüber, er spielt fantastisches Tischtennis. Aber ich glaube, das ist wirklich ein Unikat, das kann man nicht kopieren - so wie er spielt, so viel Talent und Gefühl, wie er hat, auch die Übersicht im Spiel. Ich glaube, da konnte ich mir selbst von den Chinesen ein bisschen mehr abgucken - auch was Technik, Beinarbeit oder auch Spielzüge angeht."

Qiu benutzt als einziger deutscher Nationalspieler die hierzulande ungewöhnliche Penholder-Technik. Dabei liegen Daumen und Zeigefinger ringförmig um den Schlägergriff. Die meisten europäischen Spieler greifen im Shakehands-Stil, der dem Griff anderer Schlägersportarten ähnelt. Das habe allerdings nichts mit der Herkunft seiner Eltern zu tun, erklärte Qiu. Er habe als junger Spieler mit der Shakehand-Haltung lediglich keine gute Rückhand gespielt und sei deshalb umgestiegen.
Timo Boll bei den Deutschen Meisterschaften in Wetzlar
Timo Boll bei den Deutschen Meisterschaften in Wetzlar (picture alliance/Revierfoto/dpa)
Sonderlich nervös erscheint Qiu vor seinem ersten WM-Turnier nicht. Die Intensität des Trainings sei etwas geringer, die Trainer sprächen mehr mit ihm, ansonsten sei alles wie vor anderen Spielen. Die Vorfreude ist aber groß: "Ich bin überzeugt, dass die Halle sehr groß sein wird, viele Zuschauer werden da sein und dann schau ich mal, wie die Atmosphäre dort ist."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.