Donnerstag, 26. Mai 2022

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WM-Skandal
Ein Jahr Sommermärchen-Affäre

Genau ein Jahr, nachdem Schwarzgeldzahlungen bei der Bewerbung des DFB für die WM 2006 öffentlich wurden. Die DFB-Spitze musste gehen, aber viele Fragen sind noch immer offen. Unter anderem, wofür das Geld überhaupt bestimmt war. Ein Gespräch über den Stand der Ermittlungen.

Anno Hecker, Johannes Aumüller und Rafael Buschmann im Gespräch mit Philipp May | 16.10.2016

Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM, während des Eröffnungsspiels in München am 09.06.2006. Im Hintergrund ist das Spielfeld zu sehen, am linken Bildrand erkennt man Franz Beckenbauer im Profil.
Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 (picture alliance / dpa / Guido Bergmann)
6,7 Millionen Euro zahlte der DFB über Umwege an den einflussreichen Katari Mohammed bin Hammam. Rafael Buschmann vom Spiegel ist sich ein Jahr nach dem ersten Spiegel-Artikel noch sicherer: die 6,7 Millionen Euro hatten direkt mit der WM 2006 zu tun.
Sauber war die Zahlung auf keinen Fall, sagt Anno Hecker, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Entweder Schmiergeld, oder eine Provisionszahlung.
Auch Johannes Aumüller von der Süddeutschen Zeitung glaubt der Begründung des DFB nicht, dass die Zahlung eine Provision war, um später einen Zuschuss der FIFA zu bekommen. Er ist sich sicher, dass die WM auf jeden Fall gekauft war. Selbst, wenn die Zahlung nicht konkret für eine Bestechung bestimmt war. Denn deutsche Politik, Wirtschaft und Fußball hätten nachgewiesenermaßen international Geld verteilt, um die WM nach Deutschland zu holen.
Rafael Buschmann wagt auch eine Prognose in Sachen Fußballskandale. Nach der FIFA seien mittlerweile auch die nationalen Verbände wie der DFB ins Zwielicht geraten. Bald werde es auch noch einzelne Vereine, Spieler und Berater treffen.