
Es wird von vielen weiteren Todesopfern unter den Schlammmassen ausgegangen, denn es gibt auf beiden Seiten eine sehr hohe Zahl an Vermissten: Die nepalesischen Behörden geben sie mit 910 an. Die chinesischen Behörden sprechen von 558 Vermissten in Tibet, darunter 260 Ausländer. Gesucht wird unter anderem nach zahlreichen Personen aus Indien, die sich auf einer Pilgerreise befanden. Acht Vermisste sollen laut unbestätigten Berichten Deutsche sein. Das US-Außenministerium in Washington teilte mit, auch das Schicksal von 90 US-Staatsangehörigen sei unklar.
Warnungen vor weiteren Überflutungen
Die Arbeit der mehreren tausend Rettungskräfte in den Katastrophengebieten wird dadurch erschwert, dass die Schlammmassen vielerorts die Straßen für schweres Gerät unpassierbar gemacht haben und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen ließen. Die Behörden in China warnten heute angesichts anhaltender Regenfälle vor weiteren Fluten.
Inzwischen läuft die internationale Hilfe an. Die Weltgesundheitsorganisation WHO entsandte medizinisches Material zur Versorgung von 10.000 Menschen. Die UNO stellte zwei Millionen Dollar für medizinische Nothilfe, Trinkwasser und Unterkünfte bereit. Die USA sagten 500.000 Dollar Katastrophenhilfe zu. Indien schickte Zelte, Medikamente und Lebensmittel, die mit Hubschraubern über den betroffenen Gebieten abgeworfen wurden.
Dramatische Bilder der Zerstörung
Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya lassen das Ausmaß der Zerstörung erahnen. Die Flut riss Brücken, Autobahnen und Straßen mit sich, beschädigte Staudämme und ließ Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken. Auch Wasserkraftwerke und Solaranlagen wurden zerstört.
Laut der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde weisen Satellitendaten darauf hin, dass eine Gletscherlawine zunächst einen Fluss blockierte, wodurch sich ein See bildete. Als dieser schließlich überlief, löste das eine Sturzflut aus Eis, Geröll und Wasser aus.
Frühere Angaben zu möglichem Erdbeben zurückgezogen
Der kanadische Geomorphologe Shugar von University of Calgary in Kanada stützte im "Spiegel" die These des Gletscherabbruchs. Aktuelle Satellitenbilder der Region zeigten aus seiner Sicht, dass ein Gletscher an einem Flusstal östlich des Grenzübergangs Gyirong kollabiert sei. Der Gletscher liege in 5.200 Meter Höhe, wo er sich über eine Felskante schiebe. Dort sei er offenbar abgebrochen und mehr als einen Kilometer weit zum Talboden gestürzt.
Zunächst war ein Erdbeben als Unglücksursache angenommen worden. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte in der Grenzregion zu Tibet Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, "dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde", teilte die USGS mit.
Beliebte Wander- und Pilgerregion
Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und ist zugleich Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen. Bereits vor einem Jahr hatte eine schwere Flut in dem Gebiet Menschen getötet und eine Brücke zerstört. Laut nepalesischen Medien hatte sich damals im Juli 2025 am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi-Fluss ergossen.
Diese Nachricht wurde am 28.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
