Zum Tod des Schriftstellers Doğan AkhanlıLebensziel Versöhnung

Der Schriftsteller Doğan Akhanlı ist im Alter von 63 Jahren in Berlin gestorben. Wegen seines Einsatzes für Menschenrechte und Meinungsfreiheit war er in der Türkei mehrfach inhaftiert und gefoltert worden. Einen stillen, besonnenen Mann nannte ihn sein Freund und Kollege Osman Okkan im Deutschlandfunk.

Osman Okkan im Gespräch mit Michael Köhler | 31.10.2021

Ein älterer Mann mit Brille schaut in die Kamera.
Versöhner zwischen den Kulturen: Der Schriftsteller Doğan Akhanlı ist im Alter von 63 Jahren gestorben (imago-images / Jürgen Heinrich)
Im Alter von 18 Jahren war Doğan Akhanlı in der Türkei zum ersten Mal festgenommen worden – weil er eine linksgerichtete Zeitung gekauft hatte. Fünf Jahre später, nach dem Militärputsch in seiner damaligen Heimat, ging er als Kommunist in den Untergrund, wurde mit seiner Frau und dem 16 Monate alten Sohn erneut festgenommen und während einer zweieinhalbjährigen Haftzeit in einem Militärgefängnis auch gefoltert.

Exil in Deutschland

Das letzte Mal versuchten die türkischen Behörden seiner 2017 im Urlaub in Granada habhaft zu werden: Die spanischen Behörden folgten willfährig einem entsprechenden Ersuchen der türkischen Behörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzte sich damals erfolgreich dafür ein, dass der internationale Haftbefehl gegen den Menschenrechtler außer Kraft gesetzt wurde. Doğan Akhanlı lebte damals schon 22 Jahre in Deutschland im Exil und engagierte sich in Köln im unabhängigen Kulturforum Türkei-Deutschland.
Dogan Akhanli sitzt hinter einer Reihe von Mikrofonen.
Schriftsteller Akhanli - "Erdogans Machtgier treibt die Türkei in die Katastrophe"
Die Inhaftierung und Freilassung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel zeige, dass in der Türkei absolute Willkür herrsche, sagte der in Deutschland im politischen Asyl lebende türkische Schriftsteller Dogan Akhanli im Dlf. Seit mehr als 100 Jahren verfolge und töte das Land seine Bürger.
Trotz allem sei Akhanlı still und besonnen geblieben, sagte sein Freund, der Journalist Osman Okkan, im Deutschlandfunk: "Er war ein weiser, früh gereifter junger Mensch, als er nach seiner Flucht 1991 aus der Türkei nach Köln kam. Auch deshalb genoss er hier ein so hohes Ansehen, dass er 2019 sogar mit der Goethe-Medaille geehrt wurde."

Einsatz für Erinnerungskultur

Dass angebliche Zeugen, die Akhanlı in der Türkei belastet hatten, später zugaben, dass sie zu ihren Aussagen gezwungen worden waren, habe diesen sehr erleichtert, so Okkan: "Ohne die unberechtigten Gefängnisaufenthalte wäre es ihm aber sicher auch gesundheitlich besser gegangen", und ohne sie wäre er wohl nicht so früh verstorben.
Doğan Akhanlı bei der Einweihung des Denkmals für den Genozid an der armenischen Bevölkerung in Köln.
Der Schriftsteller Doğan Akhanlı - "Ich flüchte mich ins Schreiben"
Er wurde vier Mal verhaftet und in den 80er-Jahren im Gefängnis auch schwer gefoltert. Er floh mit seiner Familie nach Deutschland. Bis dahin hatte er seinen Lebensunterhalt als Fischer und Instrumentenbauer verdient. Im Exil begann Doğan Akhanlı zu schreiben, um sich seiner Geschichte zu stellen.
"Seine Lebensziele waren das Aufrechterhalten einer Erinnerungskultur und die Versöhnung zwischen Türken, Armeniern, Kurden, Griechen und Deutschen", sagte Okkan weiter. Deshalb sei es Akhanlı so wichtig gewesen, dass seine Werke auch ins Deutsche übersetzt wurden. Später schrieb er auch in der Sprache des Landes, das sein Heimat geworden war.