• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 20:10 Uhr Hörspiel
StartseiteCampus & Karriere2,5 Millionen aus privater Hand02.08.2007

2,5 Millionen aus privater Hand

Hausse im Stiftungswesen

Cornelia Kliment, Vorsitzende des Deutschen Fundraising Verbandes, glaubt, dass der gordische Knoten beim Fundraising im Bildungsbereich gelöst sei. Die Universitäten würden bereits sehr gute Ergebnisse erzielen, die Fachhochschulen müssten in den kommenden Jahren noch aufholen, indem sie ihre Zielpersonen für sich gewönnen.

Moderation: Ulrike Burgwinkel

Immer mehr Geld für den Bildungsbereich kommt von Privatpersonen oder Unternehmen.  (Stock.XCHNG / Marja Flick-Buijs)
Immer mehr Geld für den Bildungsbereich kommt von Privatpersonen oder Unternehmen. (Stock.XCHNG / Marja Flick-Buijs)

Ulrike Burgwinkel: 2,5 Millionen Euro. So viel wie nie zuvor in Deutschland. 2,5 Millionen Euro im Durchschnitt erhielten die Hochschulen von privaten Spendern, wie eine heute veröffentlichte Studie des Zentrums für Hochschulentwicklung der Wochenzeitung "Die Zeit" und des Deutschen Fundraising Verbandes belegt. Cornelia Kliment ist Vorsitzende in Letzterem zuständig für Bildungsfinanzierung und seit 1990 schon aktiv mit Fundraising befasst. Guten Tag, Frau Kliment.

Cornelia Kliment: Guten Tag, Frau Burgwinkel.

Burgwinkel: Frau Kliment, haben Sie eigentlich eine Erklärung für diese Spendenfreudigkeit?

Kliment: Ja. Meine Erklärung ist folgende: Ich glaube, das Bildungsfundraising hat in den letzten 15 bis 20 Jahren in Deutschland ein bisschen einen Dornröschenschlaf gehabt und wurde erst peu à peu in eine Größenordnung hineinbewegt, die wir in anderen Fundraisingbereichen gewohnt sind. Und hinzu kommt noch, dass es sich hier um ein Face-to-face-fundraising handelt. Wir reden ja nicht wie bei Spendenorganisationen wie Greenpeace von kleinen Beträgen von 80 bis 100 Euro, sondern es geht hier um große Beträge. Und da muss man erst Vertrauen gewinnen, und die großen Institutionen wie Witten/Herdecke oder WHU mussten da viel Vorarbeit leisten, dass jetzt der gordische Knoten gelöst ist und die großen Spenden kommen.

Burgwinkel: Das Problem bei diesen sehr großen Spenden, auch 200 Millionen für diese Bremer Jacobs-Uni jetzt, verdeckt vielleicht den Tatbestand, dass die kleinen Unis nur sehr wenig Geld erwarten können von Sponsoren.

Burgwinkel: Ja, Fachhochschulen vor allem, das stimmt.

Kliment: Was kann man da tun?

Burgwinkel: Die Fachhochschulen können eine ganze Menge daran tun, das sieht man auch daran, dass das Hauptschulfundraising fast erfolgreicher ist als das Gymnasialfundraising, in den Schulen. So können die Fachhochschulen eine Menge daran tun, indem sie ihre potenzielle Zielgruppe, ihre Zielpersonen für sich erst mal gewinnen. Da wird viel zu wenig dran gemacht. In den Universitäten setzt sich langsam durch, dass man Fundraising beginnt, in den Fachhochschulen braucht man da wahrscheinlich noch ein paar Jahre.

Kliment: Was machen denn eigentlich die Universitäten dann mit dem Geld? Wird das angelegt?

Burgwinkel: Ja. Also, einmal ist es im Gegensatz zu den amerikanischen Spenden nicht so, dass es einfach in ein großes Vermögen einfließt, sondern in der Regel in eine Stiftung und aus den Stiftungserträgen wird die Unifinanzierung teilgewährleistet. Und in Deutschland ist es auch so, nehmen wir mal das Beispiel der Jacobs-Spende, dass der Spender ganz genau darauf guckt, wie soll die Universität der Zukunft nach seinen Vorstellungen aussehen. Oder die Spende von Kühne & Nagel an die Hamburger Universität, oder die Kassel-Spende jetzt, die 33 Millionen. Die führt dazu, dass der Spender, der will nichts zurück, aber der will ganz genau wissen, was mit seinem Geld gemacht wird und wofür die Hochschule nach seinen Vorstellungen es verwendet.

Kliment: Wie ist Ihre Einschätzung der Situation, wird sich der Staat weiter aus der Hochschulfinanzierung herausziehen, wenn das Fundraising weiterhin so erfolgreich ist?

Burgwinkel: Nein, im Gegenteil. Nehmen wir mal das Beispiel der Kassel-Spende jetzt, in der Frankfurter Uni, oder auch in Mannheim in den letzten Jahren, als sehr, sehr viel im Mannheimer Schloss gearbeitet wurde, das ja von der Universität benutzt wird, da wird jede Spende, die privat geleistet wird und in die Universität reinkommt, vom Staat verdoppelt, also vom Land. Im Gegenteil - das Land wird das eher belobigen und unterstützen, als sich zurückziehen. Es wird sich möglicherweise an anderer Stelle in der Grundfinanzierung zurückziehen, aber das wird nicht in dem Maße passieren, wie die Spenden unterstützt und motiviert werden, die jetzt kommen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk