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StartseiteUmwelt und VerbraucherImker wollen "vollständiges Verbot der Neonicotinoide im Freiland"12.12.2017

Bienensterben in EuropaImker wollen "vollständiges Verbot der Neonicotinoide im Freiland"

Experten zufolge sind die Insektizide der Neonicotinoid-Gruppe für die Bedrohung der Bienenbestände verantwortlich. Der Präsident der Europäischen Berufsimker Walter Haefeker fordert vor dem EU-Umweltausschuss deren Verbot. Es gebe "keinen Grund", jetzt nicht im Sinne der Bienen zu entscheiden, sagte er im Dlf.

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Zu sehen ist eine Biene, die sich am 29.05.2017 in München im Botanischen Garten im Landeanflug auf eine Blüte von einem Zitronen-Zylinderputzer befindet. (picture-alliance / dpa / Sven Hoppe)
"Es gibt keinen Grund, jetzt hier keine Entscheidung im Sinne der Bienen zu treffen", sagte Walter Haefeker, Präsident der Europäischen Berufsimker im Dlf. (picture-alliance / dpa / Sven Hoppe)
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Jule Reimer: Für die Biene und ihren Bestand ist es seit einigen Jahren nicht gut gestellt. Vielen Experten zufolge sind daran unter anderem drei Insektizide schuld, die zu der Gruppe der sogenannten Neonicotinoide gehören. In der Landwirtschaft werden sie zur Behandlung von Saatgut eingesetzt, so dass die Pflanze aus sich selbst Schädlinge bekämpfen kann. Doch diese aggressive Wirkung entfalten diese Neonicotinoid-Sorten auch gegen solche Tiere, deren Rückgang gar nicht beabsichtigt ist, darunter Bienen. Das beklagen zumindest die Imker. – Walter Haefeker ist Präsident des Europäischen Berufsimker-Verbandes. Herr Haefeker, in Brüssel tagt derzeit der gleiche Ausschuss, der auch über die Zulassungsverlängerung von Glyphosat entschieden hat. Sie fordern, dass diese Neonicotinoid-Stoffe verboten werden sollten. Haben Sie da Unterstützung und Verbündete in Brüssel?

Walter Haefeker: Ja. Die Kommission fordert genau das Gleiche wie wir, nämlich ein vollständiges Verbot der Neonicotinoide im Freiland. Und wir haben auch nicht nur Verbündete in Brüssel, sondern auch in der Bundesregierung im Umweltministerium.

Reimer: Okay. Aber tatsächlich am Tisch sitzt in Brüssel Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt.

Haefeker: Ja. In dieser Frage ist das Landwirtschaftsministerium, genauso wie beim Glyphosat, leider federführend.

Reimer: Nun wird das ja unter anderem von Seiten des Ministers damit begründet, dass eigentlich noch nicht alle Erkenntnisse auf dem Tisch liegen. Und er sagt selber, er hat ja in der Vergangenheit sich auch bereits für Teilverbote eingesetzt in Sachen Neonicotinoide. Das heißt, er ist da jetzt auch zugänglich. Wie glauben Sie, dass da letztendlich dann die Position ist?

Haefeker: Es gibt keinen Grund, jetzt hier keine Entscheidung im Sinne der Bienen zu treffen, denn die Ergebnisse der Neubewertung der Neonicotinoide durch die EFSA …

Reimer: Das ist die Europäische Lebensmittelagentur.

Haefeker: Genau. Die liegen bereits seit Mitte Oktober den Mitgliedsstaaten, also auch Herrn Schmidt vor. Auf dieser Basis, dieser wissenschaftlichen Basis, schlägt jetzt die Kommission das vollständige Verbot vor. Wir hoffen natürlich auf Unterstützung auch seitens von Herrn Schmidt. Allerdings wenn man sein Verhalten in der Vergangenheit anschaut, nicht nur bei Glyphosat, sondern auch bei den Neonicotinoiden, dann macht er nur unter sehr hohem öffentlichen Druck das Richtige.

"Beim Raps sogar Rekorderträge nach dem Verbot der Neonicotinoide"

Reimer: Nun vertritt Herr Schmidt natürlich auch die Landwirte, bei denen es viele gibt, die sagen, wir brauchen diese Stoffe zum Beispiel, damit unsere Pflanzen, damit der Mais zum Beispiel geschützt ist gegen Schädlinge.

Haefeker: Das ist richtig. Allerdings gab es genau diese Behauptungen auch vor dem bereits in Kraft gesetzten Teilverbot der Neonicotinoide. Und es hat sich gezeigt, dass diese Vorhersagen, dass dann die europäische Landwirtschaft zusammenbricht, wenn diese Wirkstoffe nicht zur Verfügung stehen, falsch waren. Wir haben zum Beispiel beim Raps sogar Rekorderträge nach dem Verbot der Neonicotinoide bei dieser Kultur.

Reimer: Wie glauben Sie geht diese Tagung in Brüssel weiter? Es sind ja zwei Tage. Wird es überhaupt zu einer Abstimmung kommen?

Haefeker: Das ist im Moment schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist es auf der Tagesordnung zur Abstimmung vorgesehen. Es kann sein, dass es nur eine Probeabstimmung wird und die eigentliche Abstimmung noch mal verschoben wird. Leider ist Deutschland nach dem Alleingang von Herrn Schmidt zu einem sehr unkalkulierbaren Faktor für uns, aber auch ein schwer kalkulierbarer Faktor für die anderen Mitgliedsstaaten geworden.

Reimer: Wir blicken weiter auf die Abstimmung der Neonicotinoide. Walter Haefeker war das, Präsident des Europäischen Berufsimker-Verbandes. Vielen Dank für diese Informationen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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