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Buch der Woche: Der große Meister der "neuen Form"

Siegfried Kracauer: Essays, Feuilletons, Rezensionen 1906-1965, Suhrkamp Verlag

Von Helmut Böttiger

Luftaufnahme von 1926 des Potsdamer Platzes in Berlin: Kracauer lieferte Innenansichten.
Luftaufnahme von 1926 des Potsdamer Platzes in Berlin: Kracauer lieferte Innenansichten. (AP Archiv)

Siegfried Kracauer ist einer der großen deutschsprachigen Publizisten des 20. Jahrhunderts und Analytiker der Unterhaltungsindustrie und der Architektur. Der Suhrkamp Verlag legt in diesen Jahren eine umfassende Werkausgabe des 1966 im Alter von 77 Jahren in New York gestorbenen Kracauer vor. Jetzt ist Band 5 - ein Herzstück - erschienen .

Siegfried Kracauer war einer der legendären Journalisten der Weimarer Republik. Er wurde durch seine Artikel in der damals führenden, überregionalen "Frankfurter Zeitung" berühmt – einer Zeitung des liberalen Stadtbürgertums, völlig abseits von Parteipositionen und einem verschmockten deutschen Konservativismus. Als Frankfurter Jude war Kracauer schon durch sein gesamtes Selbstverständnis mit der Unternehmerfamilie der "Frankfurter Zeitung" verbunden, bereits früh begann er, für dieses Medium zu schreiben.

Nach philosophischen Studien und dem Entschluss, nicht den Beruf des Architekten auszuüben, trat er im September 1921 als fester Mitarbeiter mit Jahresgehalt in die Redaktion der Zeitung ein und widmete sich vor allem kulturellen Frankfurter Lokalangelegenheiten, 1924 wurde er Vollredakteur und sicherte sich die Filmkritik. Entscheidend ist aber, dass Kracauer in seiner großen Zeit zwischen 1924 und 1932 keineswegs auf ein bestimmtes Ressort oder Genre festgelegt war – er schrieb über Themen aus allen Bereichen und wechselte zwischen harter Nachricht, kulturpolitischem Kommentar, Literatur- und Varietékritik, sozialer Reportage und atmosphärischem Feuilleton mühelos hin und her.

Zusammen mit Walter Benjamin und Ernst Bloch galt Kracauer schnell als der große Meister einer "neuen Form", die sich in den 20er- Jahren entwickelte und für die es keinen eindeutigen Namen geben konnte, wie Ernst Bloch feststellte. "Feuilleton" klingt zu harmlos, Benjamin nannte es "Denkbild", Kracauer indes verzichtete auf eine nähere Definition und nahm die äußere Wirklichkeit in all ihren Erscheinungen wahr.

Nicht zuletzt schrieb er auch literarische Texte, und es ist bezeichnend, dass der letzte Abschnitt seines Romans "Ginster" fast wortgleich einem Artikel entspricht, der für die "Frankfurter Zeitung" aus Marseille geschrieben wurde: "Erscheinung auf der Cannebière". Kracauer entzifferte unscheinbare Details und scheinbare Randphänomene, er betätigte sich als Ethnologe des Alltags, und er konnte von sinnlichen Beschreibungen unmittelbar in analytische und philosophische Diskurse übergehen. Manchmal formuliert er allerdings grundsätzliche theoretische Ansätze:

"Der Ort, den eine Epoche im Geschichtsprozess einnimmt, ist aus der Analyse ihrer unscheinbaren Oberflächenäußerungen schlagender zu bestimmen als aus den Urteilen der Epoche über sich selbst. Diese sind als der Ausdruck von Zeittendenzen kein bündiges Zeugnis für die Gesamtverfassung der Zeit. Jene gewähren ihrer Unbewusstheit wegen einen unmittelbaren Zugang zu dem Grundgehalt des Bestehenden. An seine Erkenntnis ist umgekehrt ihre Deutung geknüpft. Der Grundgehalt einer Epoche und ihre unbeachteten Regungen erhellen sich wechselseitig."

Dies ist etliche Jahrzehnte vor den "Mythen des Alltags" von Roland Barthes geschrieben und nimmt im Grunde alles bereits vorweg.

Doch die Kultur der Weimarer Republik wurde in Deutschland bald radikal ausgemerzt. Nachdem Siegfried Kracauer 1933 vor den Nazis fliehen musste, verschwand sein Name 30 Jahre lang in der deutschen Öffentlichkeit. Erst kurz vor seinem Tod begann seine Wiederentdeckung: 1963 erschienen seine Essays "Das Ornament der Masse", 1964 folgte der Band "Straßen in Berlin und anderswo", und erst durch diese beiden Bücher wurde er in der Bundesrepublik wieder zu einem Anknüpfungspunkt.

Im Band 5 der Gesamtausgabe jedoch, der jetzt herauskommt, zeigt sich, wie umfangreich Kracauers Zeitungswerk ist. Zum ersten Mal sind hier alle seine Artikel aus der "Frankfurter Zeitung" wieder zugänglich, und das ist eine mediengeschichtliche und gesellschaftsdiagnostische Fundgrube. Selten lässt sich die Atmosphäre der Weimarer Republik, lassen sich die kulturellen Alltagsphänomene und Problemstellungen so minutiös nachverfolgen wie in Kracauers Artikeln. Die vier Einzelbände, in denen Kracauers gesammelte Zeitungsartikel nun vorliegen, bilden eine aufregende Kulturgeschichte der Weimarer Republik und fügen dem bisher Bekannten viele neue und unvorhergesehene Farbtupfer hinzu.

"Die Haupt- und Staatsaktion im Schumann-Theater ist zur Zeit Sam Wooding mit seinem Neger-Jazz-Orchester. Ein immer freundlich lächelnder dunkler Herr, dessen dünnes Stöckchen die Evolutionen der Saxofone, Klarinetten, Trompeten und des Schlagzeugs regiert. Wundervolle Klangbilder bringt die Truppe hervor, es rauscht wie aus Urwäldern, höhnisches Gelächter gellt in das süße Pianissimo hinein, und die im Dunkel schwelgende Sehnsucht wird durch lautes Getümmel entzaubert. Aus dem Jazz brechen die Erregungen hervor; in den Jazz kehren sie wieder zurück. Nach seinem Rhythmus bewegen sich drei schokoladefarbene Girls, wirbelt ein kleiner Junge wie ein großer Gentleman daher, steppt ein Meistertänzer mit Monocle in rasenden Kaskaden. Es ist ein hartes Los, nur zusehen zu dürfen, denn die Musik fährt in die Beine, die um jeden Preis mittanzen möchten. Manchmal halten es die Instrumente nicht bei sich selber aus: Sie platzen vor Lebenslust und bekämpfen einander, oder sie ahmen einen Eisenbahnzug nach, oder sie locken die menschliche Stimme herbei, und ein Gesang schwingt sich auf, irgendein sentimentaler Song, in dem es von Heimat und Liebe wimmelt."

Es war die zweite Europatournee des Jazz-Pianisten und Arrangeurs Sam Wooding, die Kracauer hier im Jahr 1928 beschreibt, und es ist beeindruckend, wie unvoreingenommen er sich mit dieser Musik befasst, die in Deutschland noch weitgehend unbekannt war und oft auf vehemente Ablehnung und Kulturkampfparolen stieß. Kracauer interessiert sich generell für die Unterhaltungskultur der Massen, er setzt sie dem Kulturbegriff der etablierten Bildungsschichten entgegen und versucht damit, festgefahrene Vorstellungen zu irritieren. Das Varieté, Tanz und Rummel, die einfachen Vergnügungen auf der Straße sind für ihn Konstrukte, die gelesen und decodiert werden müssen, sie sagen etwas über die unmittelbare Gegenwart aus und deswegen auch etwas über die Zukunft, die in ihnen steckt. Sehr hellsichtig beschreibt Kracauer dabei neue gesellschaftliche Strömungen. Er widmet sich der soziologisch aufschlussreichen Schicht der "Angestellten", die mit dem angestammten Bürgertum nichts mehr zu tun hat: Es ist eine eher diffuse soziale Zwischenschicht, die das öffentliche Leben zusehends bestimmt und ideologisch "obdachlos" ist, wie er erkennt. Langsam werden die Oberflächenreize abgetragen, sodass am Ende eine "unmerkliche Schrecklichkeit" des neuen Alltags zutage tritt. Im Mai 1931 berichtet Kracauer von einem Auftritt der "Alfred-Jackson-Girls" im Berliner Großvarieté "Scala":

"Diese Truppe besteht nicht etwa aus 16 Mädchen, sondern jedes Mädchenbein ist der 32. Teil einer Apparatur von wundervoller Präzision. Wer je in einem Vergnügungsdampfer gefahren ist, hat sich gewiss schon, mit dem Rücken gegen irgendeinen Vierwaldstätter See, über die Brüstung im Innern gelehnt und auf die funkelnden Schiffsmaschinen herabgeblickt. An das regelmäßige Spiel ihrer Kolben erinnern die Posen der Girls. Sie sind nicht von militärischer Exaktheit, sie entsprechen dem Ideal der Maschine. Drückt man auf einen Knopf, so wird die Mädchenvorrichtung angekurbelt und leistet die gewaltige Arbeit von 32 PS. Alle Glieder rollen, alle Wellen geraten in Umlauf. Und während der Mechanismus stampft, zittert und dröhnt wie ein Sägewerk oder eine Lokomotive, trieft fortwährend das Öl des Lächelns in die Gelenke, damit nicht plötzlich ein Rädchen versagt. Zuletzt wird auf ein unhörbares Sirenenzeichen hin die maschinelle Tätigkeit abgestoppt, und das tote Ganze zerlegt sich automatisch in seine lebendigen Teile. Ein Zerstörungsprozess, der das traurige Gefühl hinterlässt, dass diese Teile gar nicht selbstständig weiterzuexistieren vermögen."

Der Artikel trägt die Überschrift "Girls und Krise" und zielt mitten in der Weltwirtschaftskrise auf einen wunden Punkt der kapitalistischen Gesellschaft – in Deutschland, so ist zu ahnen, wird das bald ungeahnte Folgen zeitigen. Kracauer vergleicht immer wieder die Verhältnisse in Frankreich und Deutschland, Straßenzüge in Paris oder das Stadtambiente von Marseille dienen ihm in fast regelmäßigen Abständen als Mittel zur Verzauberung und Selbstvergewisserung. Was er in Frankreich entdeckt, vermisst er umso schmerzlicher in Deutschland: eine selbstbewusste "Gesellschaft" nämlich, die auf ein fest gefügtes Arsenal von Formen zurückgreifen kann, das auch in Krisenzeiten Halt gibt. Es sind die Errungenschaften einer bürgerlichen Revolution, die in Deutschland immer gescheitert ist, und so sieht sich Kracauer, der deutsche Intellektuelle, in Paris in einem entlarvenden Spiegel: Er wandelt in den Parks, …

" … freut sich ihrer Kulturgüter, die er nicht besitzt, rafft mit beiden Händen charmant dargebotene Vergnügungen zusammen und kehrt dann nach Berlin mit dem Bewusstsein zurück, dass er hier wieder die Luft der rauen Wirklichkeit atme, wie es heißt."

Die Herausgeberin dieses Bandes, Inka Mülder-Bach, zitiert in ihrer aufschlussreichen Nachbemerkung einen Brief Kracauers an Adorno vom Sommer 1930, in dem er schreibt, dass "ein Verhängnis" über Deutschland walte und dass dieses Verhängnis nicht allein durch den Kapitalismus erklärt werden könne. Und es sind nicht nur dunkle Vorahnungen, wenn Kracauer wenige Jahre vor der Machtergreifung Hitlers schreibt:

"Da aber bei uns eine Revolution nicht, wie in Russland vielleicht, ein unverbrauchtes "Volk" ankurbeln würde, glaube ich nicht an die Heilkräfte des Umsturzes. Ich erkenne nur ein allgemeines Schlamassel und beinahe wäre mir am liebsten, es könnte noch so fortgewurstelt werden."

Kracauer war auch dabei, als Thomas Mann, der inzwischen überzeugte Republikaner, am 17. Oktober 1930 im Berliner Beethovensaal seine "Deutsche Ansprache" hielt, mit dem Untertitel: "Ein Appell an die Vernunft". Eine starke Fraktion von nationalsozialistischen Störern versuchte, Thomas Mann zu unterbrechen, und Kracauer zeichnet den Verlauf des Abends unbestechlich nach. Er hält es für "geistesgeschichtlich und biografisch denkwürdig", dass Thomas Mann zu bekunden wagt, der Platz des deutschen Bürgertums müsse in der gegenwärtig brisanten Situation zwangsläufig an der Seite der Sozialdemokratie sein, und Kracauers Schlusssätze hallen heute, im Wissen um den Verlauf der deutschen Geschichte, merkwürdig nach:

"Werden die mutigen Worte Manns von denen vernommen werden, an die sie gerichtet sind? Oder geht die Geschichte über sie hinweg? An der Einsicht des deutschen Bürgertums ist viel gelegen."

Kracauer verzeichnet sehr genau die Verwerfungen in den letzten Jahren der Weimarer Republik, und er tut das am liebsten mit seinen ureigenen Mitteln: Er skizziert Berliner Typen, er charakterisiert ein nicht weiter aufsehenerregendes Café im Berliner Westen, er geht in Gerichte und Schalterhallen, in Kaufhäuser, Leihbibliotheken und auf Demonstrationen; er widmet sich Anzeigen und der Werbung. "Aufruhr der Mittelschichten", so heißt eine glänzende Analyse Kracauers über den "Tat"-Kreis von Rechtsintellektuellen. Er setzt sich auch eingehend mit Ernst Jüngers Schrift über den "Arbeiter" auseinander und kritisiert sie nicht mit einschlägigen linken Argumenten, sondern durch den Nachweis eklatanter Widersprüche:

"Es ist nichts weiter als der ideologische Ausdruck gewisser Schichten, die im Interesse ihrer sozialen Behauptung der Illusion bedürfen."

Ausgiebig widmet sich Kracauer zeitgenössischen Bestsellern und liefert eindrucksvoll literatursoziologische Ansätze, bevor es einen Begriff dafür gab. Seine präzise, sachliche Untersuchung der Werke etwa von Frank Thiess, der auch später noch in der Bundesrepublik große Erfolge feierte, war für jenes deutsche Bürgertum geschrieben, auf das er setzen musste und an dessen "Einsicht" er immer wieder appellierte. Doch bereits Mitte der 20er-Jahre wurde deutlich, dass der "Frankfurter Zeitung" die angestammte liberale Leserschicht immer mehr abhandenkam. In den letzten Jahren vor 1933 geriet Kracauer, der zunächst als gefeierter Starautor gepflegt wurde, in seiner Zeitung zunehmend in die Defensive.

Sein letzter Artikel stammt vom 7. Mai 1933, danach bricht Kracauers kontinuierliche journalistische Arbeit ab. Die Jahre von 1933 bis 1965 nehmen in diesen gesammelten Texten einen vergleichsweise schmalen Raum ein. Es ist aber ein gewaltiges Panorama, mit dem die Weimarer Republik in diesen vier Bänden erscheint. Und zu entdecken ist neben dem luziden Autor von poetischen Prosaminiaturen, neben dem Analytiker von Straßen und Plätzen, von Caféhäusern und Varietés, von Politikerreden und von philosophischen Vorträgen auch der herausragende Literaturkritiker Siegfried Kracauer.

So unabhängig und unbestechlich Kracauer urteilt, so kühl er oft die Phänomene seziert – umso empfindlicher reagiert er auf die üblichen Mechanismen des Literaturbetriebs. Es mag auf den ersten Blick recht zeitgebunden erscheinen, aber sein Verriss eines Romans von Heinrich Eduard Jacob wirkt noch heute aktuell. Der damals berühmte Autor Stefan Zweig hatte im hoch angesehenen "Berliner Tageblatt" eine hymnische Rezension Jacobs dargebracht. Kracauer geht zunächst erst darauf ein und wird dann grundsätzlich. Gerade hierin huldigen wir dem Literaturkritiker Siegfried Kracauer auch noch im Jahr 2012:

"Er bringt die literarische Kritik vollends in Verruf. Sie hat allerdings schon lange ihren ehrlichen Namen verloren und ist zum korrupten Gewerbe geworden. Mehr oder minder unbekannte Kritiker füllen die Tageszeitungen und Zeitschriften mit Rezensionen, die entweder ahnungslos sind oder vom persönlichen Vorteil diktiert. Dilettantische Willkür, Cliquenwirtschaft und unsachliche Interessen beherrschen das Feld. Wenn nun auch die verdienten und verdienenden Schriftsteller, die es gar nicht nötig hätten, das ihnen entgegengebrachte Vertrauen missbrauchen, wird die Unzuverlässigkeit gar noch sanktioniert und der Schmutz bald nicht mehr zu beseitigen sein. Was ist geschehen im literarischen Deutschland? Und wohin sind die redlichen Kritiker geschwunden, deren Sehvermögen ungetrübt ist? Sie täten uns dringend not."

Es raubt einem im Nachhinein den Atem, mit welcher Sicherheit Kracauer andererseits bereits im Jahr 1925, ein Jahr nach dem Tod des Autors, die Größe Franz Kafkas erkennt – eines fast völlig unbekannten Autors, von dem man allgemein nicht einmal im Ansatz ahnte, welche Bedeutung er später erlangen würde. Kracauer widmet diesem einzigartigen Schriftsteller noch in den 20er-Jahren mehrere große Artikel in der "Frankfurter Zeitung", und er nimmt dabei alles vorweg, was man erst viel später über Kafka an Erkenntnissen zu gewinnen versuchte. Hätte man in den 50er-Jahren, der Zeit des großen Kafkakultes, Kracauer gekannt, wäre viel Mystifizierendes und Überflüssiges wohl ungeschrieben geblieben. Kracauer zeigt sich hier als Idealfall eines Literaturkritikers: Indem er mitten in der unübersichtlichen Gegenwart erkennt, was über diese Zeit hinausweist.

"Alle Werke Kafkas entspringen der Feststellung, dass unsere Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Gerechtigkeit ist ihr fremd, die Wahrheit verbirgt sich. Für denjenigen, der eine reine und klare Sicht der Dinge in sich trägt. Verwandelt sich die Welt in einen Dschungel, in den kein Sonnenlicht eindringt, in ein Grauen, erfüllt von trügerischen Erscheinungen und verwünschten Figuren. Niemals hatte Kafka eine andere Vorstellung von der Welt. Sie ist für ihn ein böser Traum; aber dieser Traum ist die Wirklichkeit für den, der nicht träumt. Es entspringt der Sorgfalt des Dichters, dass in seinen Werken alle gewöhnlichen Zusammenhänge abgeschafft, die alltäglichen, normalen Bilder verkehrt und die einfachsten menschlichen Beziehungen auf entsetzliche Weise verzerrt werden. Fragmente von Liebe und Banalität, sophistische Beweise, die sich zum Umfassbaren ausweiten, Situationen, die nicht die vorgesehene Bedeutung in sich tragen. Tausende von Bruchstücken des gewohnten Lebens werden herausgestellt und in einer asymmetrischen Ordnung untereinander verknüpft. Kafka ist jung gestorben, und seine Werke entziehen sich bis zu einem gewissen Grade der Besprechung. Sie sind Dokumente, die verlangen, dass man auf sie hinweist. Ihre Stimmung liegt in einer Sphäre, in die nur wenige Menschen außer Kafka selbst vorgedrungen sind."

Und wenn man diese Sätze von der Literatur zum Feuilleton hinübergleiten lässt, stößt man unweigerlich auf einen anderen K.: auf Siegfried Kracauer.



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