• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteUmwelt und VerbraucherBürgerbeteiligung an Energiegenossenschaften steigt24.07.2013

Bürgerbeteiligung an Energiegenossenschaften steigt

Haushalte investieren in erneuerbare Energiequellen

Aus Stromverbrauchern werden Stromerzeuger. Wer keine geeignete Immobilie für Solarzellen hat, kann sich an einer Solargenossenschaft beteiligen. Auch erneuerbare Energiequellen wie Wind und Biomasse bieten die Möglichkeit zu eigenen Investitionen.

Von Dieter Nürnberger

Erneuerbaren Energiequellen: Solarstrom, Windenergie und Biomasse (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)
Erneuerbaren Energiequellen: Solarstrom, Windenergie und Biomasse (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)

Viel an politischen Forderungen gab es gar nicht bei dieser Pressekonferenz. Natürlich plädieren die Vertreter der regionalen Energiegenossenschaften für eine politische Verlässlichkeit, sprich: Man fordert langfristig verlässliche, politische Rahmen- und Förderbedingungen und auch die Beibehaltung des Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien.

Vielmehr aber wollten die Verbände auf eine Erfolgsgeschichte hinweisen: Denn das bürgerliche Engagement in diesem Bereich nimmt weiterhin zu - es gibt immer mehr Energiegenossenschaften und auch immer mehr Bürger, die sich beteiligen, sagt Eckhard Ott, der Vorstandvorsitzende des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes.

"Wir haben im Jahr 2012 rund 150 neue Energiegenossenschaften im Bereich der erneuerbaren Energien gegründet. Somit hatten wir auch bei den Mitgliederzahlen wieder einen erheblichen Zuwachs: Mittlerweile sind über 130.000 Menschen hierzulande Mitglied einer Energiegenossenschaft."

Von diesen rund 130.000 Mitgliedern seien etwa 90 Prozent Privatpersonen. 1,2 Milliarden Euro seien bereits in sogenannte Bürgerkraftwerke investiert worden. Auffällig sei zudem, dass die Projekte einen recht hohen Eigenkapitalanteil von rund 50 Prozent aufweisen. Es scheint sich hier also zu bestätigen, dass die Bürger, die sich beteiligen, dann auch wirklich eigenes Geld in die Hand nehmen. Wer sich engagiert, darf natürlich eine Rendite erwarten. Philipp Vohrer ist Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

"Diese liegen durchschnittlich bei ungefähr vier Prozent. Sicherlich kann man bei Aktienkäufen, deren Werte dann später sozusagen durch die Decke gehen, mehr verdienen. Es ist auch ein Investment, welches große Konzerne in der Regel nicht tätigen, weil es eben nur eine vergleichsweise geringe Rendite bringt. Das Wichtige ist deshalb nicht die absolute Höhe der Rendite, sondern, dass man vor Ort an der eigenen Energieerzeugung beteiligt ist und damit auch zur Wertschöpfung in den Kommunen beiträgt."

Somit haben die Energiegenossenschaften weiterhin deutlichen Zulauf. Bei der Energiewende sollen die Bürger künftig ja auch mehr und mehr in die Stromnetze investieren können. Das ist zumindest auch der Wunsch der Politik, der schwarz-gelben Koalition hier in Berlin.

Dieses gewünschte Engagement läuft derzeit zumindest noch nicht so erfolgreich. Eckhard Ott vom Genossenschafts- und Raiffeisenverband erklärt dies so.

"Ein Wesensmerkmal der Energiegenossenschaft ist der regionale Bezug. Das sind wir stark. Hier lassen sich die Menschen leichter für das Mitmachen gewinnen. Deswegen engagieren wir uns auch bei regionalen Netzen. Die Netztrassen hingegen sind natürlich eher überregional. Und hier merkt man, dass es auch Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung gibt."

Das größte Segment bei den Energiegenossenschaften stellt derzeit die solare Stromgewinnung dar. Jene Branche also, die in der Vergangenheit doch erhebliche Kürzungen bei der Förderung hinnehmen musste. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

"Noch ist hier bei den Energiegenossenschaften kein Abbruch zu sehen. Andere Projekte, etwa solche für große Solarkraftwerke, nehmen allerdings inzwischen ab. Das Problem ist, dass immer mehr eine Kopplung zur Direktvermarktung notwendig ist, oder den Solarstrom vor Ort unmittelbar zu verbrauchen. Der Gesetzgeber hat inzwischen einen Direktvermarktungszwang eingeführt, der es erforderlich macht, einen Teil des Solarstroms nicht in das öffentliche Netz einfach einzuspeisen. Man muss ihn somit selbst verbrauchen oder vermarkten. Das erschwert aber die Rentabilität vieler Projekte in diesem Bereich."

Ein paar Sorgen sind hier also durchaus herauszuhören. Aber im Großen und Ganzen läuft es derzeit rund bei den Energiegenossenschaften.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk