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BundespräsidentenwahlDie übrigen Kandidaten

Von Volker Finthammer
Christoph Butterwegge, Politikwissenschaftler und Armutsforscher, steht vor einer mit Graffitis besprühten Mauer (imago stock&people)
Christoph Butterwegge, erimitierter Politikwissenschaftler und Armutsforscher, wand sich infolge der von der unter Kanzler Schröder betriebenen Agenda 2010 von der SPD ab und der Linken zu. (imago stock&people)

Der Kandidat der Linken, der Armutsforscher Christoph Butterwegge, warb für mehr Solidarität. Alexander Hold von den Freien Liberalen betrachtete seine aussichtslose Kandidatur als demokratische Übung. AfD-Kandidat Albrecht Glaser steht auch auf dem fünften Listenplatz der hessischen AfD für die Bundestagswahl im September. Engelbert Sonneborn, satirisch motiviert, nicht zu vergessen.

Albrecht Glaser: Mitbegründer der hessischen AfD

Albrecht Glaser war der erste Kandidat, der überhaupt für die heutige Bundespräsidentenwahl nominiert wurde. Der 74-Jährige tritt für die AfD an. Die wollte zwar lieber den bekannteren und stellvertretenden Parteivorsitzenden Alexander Gauland nominieren, doch Gauland lehnte ab. So wurde auf dem Bundesparteitag im vergangenen Jahr kurzerhand der Mitbegründer der hessischen AfD zum Kandidaten gekürt. Parteichefin Frauke Petry lobte ihn sogleich als konservativen Intellektuellen mit einem weiten Blick für alle Facetten des menschlichen Lebens.

Konservativer Intellektueller

"Das ist so einfach wie wahr." Sagt Glaser, der bereits auf eine lange politische Karriere zurückblicken kann. Die begann 1970 in der hessischen CDU, genauer in Frankfurt, wo er 1997 auch Stadtkämmerer wurde. Zwar hat er dort zur Sanierung des Frankfurter Stadthaushalts beigetragen, sich aber auch mit den "Glaser Fonds" ein Denkmal geschaffen, weil er am Stadtparlament vorbei in Fondsgeschäfte investiert hatte, die in der Finanzkrise erheblich an Wert verloren und der Stadt ein Minus von 80 Mio. Euro bescherten. 2012 trat er während der Eurokrise aus der CDU aus und gehörte ein Jahr später zu den Mitbegründern der hessischen AfD. Seit 2015 gehört Glaser auch dem Bundesvorstand an und hat die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin im Visier, wie hier auf einer Parteiveranstaltung in Hessen:

"Die Richtung und das Ziel ihrer Migrationspolitik, die mit Flüchtlingspolitik nichts zu tun hat ist uns klar. Die Zerstörung der staatlichen und kulturellen Biotope Europas und eben auch des Biotops Deutschland. Das ist die unabweisbare Folge dessen, was Sie, liebe Frau Merkel, Politik nennen."

Da darf dann zur Belustigung des AfD-Publikums nicht fehlen, dass Angela Merkel möglicherweise die letzte Waffe Erich Honeckers sei.

Für Albrecht Glaser ist die politische Kariere nach der heutigen Wahl nicht unbedingt vorbei. Denn Glaser steht auch auf dem fünften Listenplatz der hessischen AfD für die Bundestagswahl im September.

Christoph Butterwegge, Kandidaten der Linken

Das gilt für den Kandidaten der Linken, Christoph Butterwegge nicht. Für ihn wird die Nominierung nur ein kurzes Zwischenspiel bleiben. Ein dauerhaftes politisches Mandat strebt der 66-jährige Wissenschaftler nicht mehr an.

"Ich bedanke mich für das Vertrauen. Vor allem freue ich mich über die Einmütigkeit, mit der mich die Linke nominiert hatte."

Sagte der emeritierte Kölner Professor und Armutsforscher nach seiner seine Nominierung durch die Linkspartei im vergangenen November. Butterwegge hat die Kandidatur als eine Chance genutzt, um auf die wachsende Ungleichheit in Deutschland hinzuweisen. Denn diese soziale Spaltung münde zusehends mehr in eine politische Zerrissenheit, die zum Erstarken der politischen Ränder führe, was man auf Dauer nicht gutheißen könne.

"Ein Ruck für mehr Solidarität und sozialen Ausgleich"

"Und ich finde, es wäre die Aufgabe des neuen Bundespräsidenten, diese Agenda auf die Tagesordnung zu setzten, dafür zu werben, dass ein Ruck durch unser Land geht. Nicht ein Ruck, wie Roman Herzog ihn eingefordert hatte, im Sinne einer neoliberalen Agenda. Sondern ein Ruck genau in die entgegengesetzte Richtung, für mehr Solidarität, mehr soziales Verantwortungsbewusstsein und sozialen Ausgleich."

Den habe auch die SPD mit den Hartz 4 Reformen aus den Augen verloren, findet Butterwegge, weshalb er 2005 mit dem ersten Koalitionsvertrag zur großen Koalition aus der SPD austrat und sich seitdem politisch zur Linkspartei bekennt.

Alexander Hold: Gerechtigkeit im Nachbarschaftsstreit

Der nach Frank Walter Steinmeier vielleicht bekannteste Kandidat im Rennen um das Amt des Bundespräsidenten ist Alexander  Hold, von den Freien Wählern.

Seit nunmehr 16 Jahren ist Hold beinahe täglich in der Gerichtsshow Richter Alexander Hold auf Sat. 1 zu sehen, wo der bayerische Richter auf Lebenszeit für Gerechtigkeit in unzähligen Nachbarschaftsstreitigkeiten sorgt. Privat ist Fraktionsvorsitzender für die freien Wähler im Stadtparlament von Kempten.

Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament von Kempten

"Also zunächst war ich natürlich sehr überrascht. Aber ich hab zugesagt, weil ich das als eine sehr, sehr gute Chance und Möglichkeit finde, dass wir eben klar machen, wo Politik hingehen soll, wo Politik hinführen soll und dass die freien Wähler, die ja für eine sachbezogene unabhängige Politik stehen auch zeigen, dass man einfach eine Alternative hat."

Engelbert Sonneborn - vom Sohn nominiert

Und weil auch die Partei des Satirikers und Europaabgeordneten Martin Sonneborn und die Piraten 11 Delegierte der Bundesversammlung stellen, hat Sonneborn am vergangenen Donnerstag noch schnell seinen Vater Engelbert Sonneborn nominiert, wohl nur um die anderen Parteien aufs Korn zu nehmen.

 

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