Montag, 11.12.2017

Das Digitale LogbuchSchimanski

Von Maximilian Schönherr

Aus dem Bayerischen ins Hochdeutsche transkribiert:

Wir in Bayern sind traditionsbewusst, aber gleichzeitig aufgeschlossen Neuem gegenüber. Das merkt man besonders am Wochenende, wo die Angie und ich in der Roboterfabrik Wache halten und dann zum Beispiel darüber plaudern, ob früher alles besser war, wo wir noch keine Roboter gehabt haben, die wir haben abstauben müssen.

"Was hast du denn gestern nach Feierabend so gemacht?" frage ich die Angie.

"Ich habe mir einen Krimi angeschaut."

"Und, war er spannend? Hast du Gänsehaut bekommen?"

"Es war ein interessanter Film", sagt die Angie. "Da ist der Schimanski vom Tatort aus einem Stadion herausgekommen, hundert Leute um ihn herum, und kein einziger hat sein Handy herausgeholt!"

"Ja", sage ich, "heute ist im Film ja alles möglich. "Auch wenn die hundert Leute ihre Handys herausgezogen und ihr Whatsapp angeschaut haben, dann kannst du die im Nachhinein natürlich problemlos wegmachen."

"Es war noch interessanter", sagt die Angie. "Da ist ein Mord passiert, in dem Stadion, und der Schimanski hat sein Handy nicht herausgeholt. Ich weiß nicht, ob sie ihn nicht angerufen haben, oder ob er nicht abgenommen hat. Vielleicht hat er es auf lautlos gestellt. Jedenfalls hat ihn sein Kollege dann aus der Menschenmenge herausgefischt und hat gesagt, Schimanski, da ist ein Mord passiert, jetzt gehen wir mal da hoch, da oben liegt die Leiche!"

"Ja war der Film vielleicht ein bisschen älter? Der Schimanski ist doch auch schon gestorben, Angie, oder?"

"Der Schimanski ist schon lange gestorben", sagt die Angie, "aber Handys hat man doch schon immer gehabt."

Ich habe lange darüber nachgedacht. Handys hat man doch schon immer gehabt, hat die Angie gesagt. Und natürlich hat sie, wie immer, recht! Zum Beispiel waren die Telefonzellen, die man früher oft in den alten Filmen sieht, reine Erfindung. Die haben damals ihr Handy gehabt, aber die Schauspieler mussten mit Münzen in die Telefonzellen hineingehen, weil es ein bisschen spannender ist und langsamer geht. Nicht nur in Bayern, wo wir so traditionsbewusst sind, aber gleichzeitig aufgeschlossen Neuem gegenüber.

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