Wissenschaft im Brennpunkt / Archiv /

 

Die Jagd auf die Venus und die Vermessung des Sonnensystems

Rezension: Dagmar Röhrlich

Andrea Wulf: Die Jagd auf die Venus und die Vermessung des Sonnensystems. (C. Bertelsmann Verlag)
Andrea Wulf: Die Jagd auf die Venus und die Vermessung des Sonnensystems. (C. Bertelsmann Verlag)

Wenn es beim nächsten Flug in der Economy Class mal wieder eng wird, sollte Sie vielleicht an die Forscher denken, die sich 1761 und 1769 in die entlegensten Gebiete der Erde aufmachten, um einem besonderen Himmelsereignis beizuwohnen: dem Transit der Venus vor der Sonne.

Sie mussten Monate vor dem Ereignis aufbrechen, um auf unbequemen, strapaziösen und auch noch gefährlichen Reisen an ihren Einsatzort gelangten: mit Kutschen, Segelbooten, Schlitten oder zu Fuß. Warum sie diese Mühen auf sich nahmen? Edmond Halley hatte 1716 hingewiesen, dass der Venustransit die Antwort auf eine der großen offenen wissenschaftlichen Fragen der Zeit liefern konnte: die nach der Größe des Sonnensystems. Zu Halleys Zeiten kannte man nur die relativen Abstände zwischen den bekannten Planeten. Könnte man nur einen einzigen Abstand messen, ließe sich der Rest daraus berechnen.

Damit das gelang, mussten die Beobachter den nächsten Transit von weit voneinander entfernten Orten so genau wie möglich beobachten. Das hört sich einfach an, aber mit den technischen Mitteln der Zeit war es höchst schwierig: Die Forscher zogen in die Südsee, nach China, Indien, Indonesien, Sibirien und Kalifornien. Ohne E-Mail und Telefon mussten sie sich abstimmen, die Daten austauschen: Briefe waren monatelang unterwegs. Nur mit Teleskopen und Pendeluhren ausgestattet, rüsteten sie an ihren Zielorten provisorische Sternwarten ein. Es gab kein GPS zur Positionsbestimmung, keine Weltzeituhr zur Synchronisierung der Beobachtungen, noch nicht einmal ein einheitliches Bezugssystem: So bedeutete eine Meile in England etwas anderes als in Deutschland.

Beim ersten Versuch 1761 - mitten im Siebenjährigen Krieg - erreichten die Messungen noch nicht die notwendige Genauigkeit. Die brachte erst der zweite Transit acht Jahre später: Am 3. Juni 1769 richteten 250 Beobachter an 130 Beobachtungsstationen ihre Teleskope auf die Sonne - darunter auch James Cook auf Tahiti. Die Geschichte dieses ersten internationalen Wissenschaftsprojekts beschreibt Andrea Wulf in ihrem Buch "Die Jagd auf die Venus" kurzweilig und spannend wie einen Thriller. Eine ideale Urlaubslektüre.

Andrea Wulf: Die Jagd auf die Venus und die Vermessung des Sonnensystems
ISBN-13: 978-3-570-10095-0
Bertelsmann Verlag, 416 Seiten, 21,99 Euro

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wissenschaft im Brennpunkt

Eingriff ins HirnDie Wirkung tiefer Elektroden auf die Psyche

Computergrafik des menschlichen Gehirns von hinten. (imago/Science Photo Library)

Durch ein Loch im Schädel gibt ein Draht kleine Stromstöße ans Hirngewebe ab - mit dieser Methode werden bereits seit etwa zehn Jahren psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Zwangsstörungen behandelt. Nun gehen Mediziner dazu über, den Eingriff auch bei anderen Erkrankungen zu erproben.

MedizinRettende Inseln

(dpa/picture alliance)

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Früher eher selten, nehmen die Zahlen vor allem bei Kindern und Jugendlichen dramatisch zu. Die moderne Insulintherapie ermöglicht ihnen in den allermeisten Fällen ein normales Leben, doch die Patienten müssen schon sehr viel tun, um gesund alt zu werden. Es ist ein täglicher Kampf um die guten Zuckerwerte.

Medizin Versuch und Irrtum - Ebola-Studien im Eilverfahren

Ein afrikanischer Arzt in Schutzanzug verabreicht einem anderen Mann eine Spritze. (picture alliance / dpa / Alex Duval Smith)

Im Sommer 2014 explodieren die Ebola-Zahlen in Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die Epidemie ist verheerend - aber auch eine Chance für die Forschung. Denn jetzt, mitten im größten je erlebten Ausbruch, lässt sich prüfen, wie wirksam Medikamente und Impfstoffe gegen Ebola sind.