• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im Februar 201015.03.2010

Die lyrix-Gewinner im Februar 2010

Im Februar solltet ihr in Anlehnung an Erich Frieds Gedicht "Was es ist" einer Sache auf den Grund gehen.

Durch die Lupe gesehen. (AP)
Durch die Lupe gesehen. (AP)

Im vergangenen Monat erreichten uns zahlreiche Einsendungen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Leitmotiv "Was es ist" auseinandersetzen. Viele eurer Gedichte haben sich - wie Erich Fried - dem Wesen der Liebe angenähert. Aber auch mit anderen starken Emotionen und "großen" Themen wie Schmerz, Hoffnung oder Leben habt ihr euch befasst und beschrieben, "Was es ist".

Im März lautet unser Leitmotiv: Zweifel

Vielen Dank für eure Einsendungen und herzlichen Glückwunsch den Gewinnern!

Hier die Gedichte der Monatsgewinner, die unsere lyrix-Jury ausgewählt hat:


ohne titel

Du kannst ihn sehen
Sieh mal her
Siehst du die Tränensäcke schwer
Wie Blei unter den Lidern stehen?

Du kannst ihn fühlen
Fühl mal hin
Fühlst du die Krallen in dir drin
Wie wild in deiner Seele wühlen?

Du kannst ihn hören
Hör mal hier
Hörst du das Weinen hinter dir
Und Schreie die das Glück zerstören?

Du kannst ihn riechen
Riech mal da
Wo einst die Rosenblüte war
Jetzt trauervolle Herzen siechen

Schmerz, oh Schmerz
Lass Tränen fluten
Und unschuldige Äuglein bluten
Nun verschone doch mein Herz
Ich brauch es doch
Zum lieben


(André Hofer aus Saarlouis, Deutschland, Robert-Schumann-Gymnasium, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)


Ohne Regeln

Unser Leben läuft
Vor sich hin, auf uns zu, mit uns ab
Vor sich hin, wir mitten drin und außen vor
Auf uns zu, ohne jede Ruh, wir sehen zu
Mit uns ab, an uns vorbei, doch frei sind wir nur
Ab und zu

Nach meinen Regeln die du nicht kennst
Nach deinen Regeln die du nicht nennst
Wir sehen nur die Folgen und wollen
Ab und zu
Die Fäden ziehen doch
Unser Leben läuft
Vor sich hin, wie ein Film, wir mitten drin
Auf uns zu, an uns vorbei, wir sehen zu
Doch ab und zu sind wir frei
Gegen alle Regeln


(Emilia Marie Wersig aus Golm/ Potsdam, Deutschland, Evangelisches Gymnasium Hermannswerder, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Meine Liebe.
Hypothetisch.


I.
Aufwachen.
Dein Arm, mein Rücken, deine Nase, mein Nacken, dein Schlüsselbein, meine Fingerkuppen.

II.
Atmen.
Schweiß. Dann meer.
Aber nur Ostsee. Salz in den Lungenflügeln. Hindert am fort fliegen.

III.
Schmecken.
Wieder Salz. Auf deinen Schultern, in deinem Haar, an deinen Schenkeln
Und auf meinem Brustkorb. Salz macht durstig.
Wir trinken uns. Langsam.

IV.
Hören.
Pulsierende Venen.
Ich brauche kein Meer.
Mein Ohr an dein Ohr. Das ist Muschel genug.
Und keine Kreuzfahrtschiffe auf deinem Wasser.

V.
Festhalten.
Dein Blick in meinem.
Ein Zyklop am Meer, die Vertikale zum Horizont.
Sucht den Fluchtpunkt im Wasser. Doch die Mittagssonne will nicht untergehen.
Wir sind dreidimensional, obwohl wir zwei
Eins sind.

VI.
Einschlafen.
Schattenhaft.


(Eva Wohlfarth aus Jena, Deutschland, Christliches Gymnasium Jena, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


was es ist

was es ist
ist nicht liebe
sagte er
nach einer nacht
in ihrem bett
und ging

und sie weinte
bitterlich
stürzende bäche
reizende fluten
am ende
ein tränenmeer

eines tages
kam über dieses meer
ein schiff gefahren
der kapitän am steuer
holt sie an bord
und sie segelte fort

ließ kummer und schmerz
war frei
auf den wellen
schaukelte freudig umher
glücklich gefahren
der sonne entgegen


(Laura Sophie Luge aus Leipzig, Deutschland, Humboldtgymnasium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Mimikry

Ich steche mir Nadeln in Augen,
um genau so zu sehen wie ihr.
Verstopfe den Mund und die Ohren,
um das selbe zu wissen wie ihr.
Ich schneide mein Fleisch um zu narben,
um das Leiden zu spüren wie ihr.
Ich breche mir Beine, behindere
mich selbst, denn ich will faul sein wie ihr.
Danach fessel ich mir die Hände,
um genauso zu handeln wie ihr.
Dann frier ich Gefühl ein in Tiefe,
um genauso zu fühlen wie ihr.
Versuche das Denken zu stoppen,
um so viel zu erreichen wie ihr.
Versuch zu erahnen doch kann ich
nicht versteh´n, dass man handelt wie ihr.


(Martin Piekar aus Bad Soden, Deutschland, Friedrich-Dessauer-Gymnasium, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch/ polnisch)

Und hier die Texte der Monatsgewinner aus dem Ausland:

Mix der Gefühle

Ich weiss nicht, was ich schreiben kann.
Ich sitze hier und denke
und habe nichts im Kopf!

Ich hasse es, nicht zu wissen!
Liebe, Vernunft, Freude, Trauer, Hass...
Was bedeutet Hass?

Hass ist der Moment, in dem man nicht neben anderen sein will,
oder wenn die anderen nicht in deiner Nähe sein wollen.
Hass ist, wenn man streitet.
Hass ist der Schmerz.

Hass ist der Moment, in dem man in der Dunkelheit lebt.
Hass ist, wenn man den anderen die Schuld gibt.
Hass ist der Weg zum unteren Land.
Hass ist der Tod.

Wer hasst, kann nicht lieben.
Wer liebt, hasst nicht.
Hass ist, wenn man keine Liebe hat!



(Isabella von Wallwitz aus São Paulo, Brasilien, Colegio Visconde de Porto Seguro, Jahrgangsstufe 5, Muttersprache: portugiesisch)


Was, wenn nicht die Liebe...

Liegend
Du starrst
Betört
auf die verblendende Leuchtröhre

Du träumtest von den Rosen und von dem Mond
Du sahst nur Dufte und Röte
In jeder Sekunde.
Als alle Illusionen
heruntergingen
Alles hast du verloren

Es sind Herzgebröckel
Leid und böser Wahnsinn
geblieben
Die Liebe.


(Magdalena Krzesicka aus Radom, Polen, Publiczene Gimnazjum nr 2 im ks. Adama Jerzego Czartoryskiego, Jahrgangsstufe 9, Muttersprache: polnisch)


Was ist das?

Liebe?
Was ist das?
Das Vertrauen hat gefragt.

Liebe?
Was ist das?
Die Hoffnung hat gefragt.

Liebe?
Ein Teil von uns.
Lebenssinn hat gesagt.

Sie Fragen, weil schauen,
Schauen, doch sehen nicht.
Ohne ein Teil von sich selbst zu merken.
Das Leben deutete es an.

Was ist Leben?
Das Leben
Kontradiktion der Physik.
Die gleichförmige
Unkonventionellbewegung


(Mciej Kwiatkowski aus Radom, Polen, PG 10 Radom, Jahrgangsstufe 8, Muttersprache: polnisch)


Hoffnung

Ich sehe es in deinen Augen,
du hast die Hoffnung,
du hast sie nicht verloren,
wie ich.
Lehre mich, sie zu haben.
Hilf mir, nach ihr zu suchen.
Denn du wei?t,
dass ich sie brauche.
Denn ich will Augen wie deine haben.
Glänzend und erleuchtet von Hoffnung.
Wenn ich dich sehe,
dann lerne ich,
dass die Sonne scheinen wird.


(Beatriz Albuquerque aus Amadora, Portugal, Oficinas de S. Jose, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache : portugiesisch)


Zuneigung

Sie überholt deine Gefühle
in einem Nu wie ein Feuer
in einer kühlen Nacht entfacht.

Sie ist die Geburt einer Liebe,
ihr erstes Zeichen ist immer
ein zauberhaftes Lächeln,
das so viel ausdrücken kann:

Es ist ein Brückenschlag
zwischen zwei Herzen.
Es ist Zärtlichkeit,
wenn du jemanden liebst.
Was es wirklich ist,
sagt dein Gefühl.

Es bringt Wärme ins Herz,
wenn sie dir jemand schenkt.
Es ist unwiderstehlich,
wenn die Augen mitlachen.
Was es wirklich ist,
sagt dein Gefühl.

Es ist Sonnenschein
auf deinem tränenfeuchten Gesicht.
Es ist ein Bächlein,
der fröhlich talwärts rinnt.
Was es wirklich ist,
sagt dein Gefühl.

Es ist ein Wunder,
sagst du, wenn dein
Kind dich zuerst anlächelt.

Es ist Vertrauen
fühlt ein kleines Kind.
Was es wirklich ist,
bleibt Geheimnis.


(Katalin Élo aus Gyor, Ungarn, Révai Miklós Gimnázium és Kollégium, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: ungarisch)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk