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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Juli 201301.10.2013

Die »lyrix«-Gewinner im Juli 2013

Was ist eigentlich Bildsprache? Sprechende Bilder? Und wo liegen für euch die Berührungspunkte von Bild und Text, von bildender Kunst und Literatur?

"laterne bei donner" -  Ein Foto, eingereicht zum Thema BildSprache                 (Ansgar Riedißer)
"laterne bei donner" - Ein Foto, eingereicht zum Thema BildSprache (Ansgar Riedißer)

Im Juli 2013 gastierte »lyrix« im Museum Brandhorst in München. Die prägendste Künstlerpersönlichkeit der Dauerausstellung ist wohl Cy Twombly, der mit über 170 seiner Arbeiten hier ausgestellt ist. Er leitete eine neue bedeutende Ära, nicht nur der amerikanischen Kunst ein, und entwickelte eine ganz eigene, höchst einflussreiche Bildsprache.

Auch ihr habt in euren Texten lebendige Bilder eingefangen und auf ganz unterschiedliche Art und Weise ihre Atmosphären vermittelt. Zwischen scharfen und verpixelten Bilder, Abbildern, die umhertanzten zwischen Himmel und Erde. Eure Gedichte beschreiben Naturschauspiele, geben die Stimmungen der Jahreszeiten wieder. Eingefangen habt ihr einzelne Momente des Glücks oder der Trauer.
Einige haben Fotos eingereicht, die sie zu ihren Texten anregten, andere Gedichte sind zu Gemälden entstanden. Insbesondere Cy Twomblys "Roses" inspirierten euch. Jeder von euch hat Bilder sprechen lassen.

Vielen Dank für die "BildSprache" eurer Einsendungen! Hier sind die Top 5 im Juli.



Bild vom Bild

wir sprachen Bilder, schluckten sie, gaben sie aus
versahen sie mit einem Farbverlauf
wir liebten Bilder, wir schrieben sie
hielten sie fest in einem Moment
manche unscharf und verpixelt
doch nach langem Starren wären sie sowieso
verschwommen vor unseren Augen
Bilder entstanden in der Dunkelheit, unter Wasser
trotzten Kaffee und bezwangen Berge
trieben uns in die Ecke, gingen nicht
mehr aus dem Kopf
begleiteten uns ein Leben
ohne uns hätte es sie nie gegeben.

(Bettina Diller aus Kranzberg, Städtische Berufsschule für Informationstechnik, Klasse 11, Muttersprache deutsch)



Abbild eines Abbildes

"Ich", schwebte im Himmel
um Mitternacht,
Schatten in der Zukunft flattern,
beschreiben die Vergänglichkeit
des Ich.
Die Finsternis des Denkens
spiegelte das Wasser.
Fremde Puppen,
Flammen
und meine finstere Angst
machte die Nacht sternlos.

(Karina Mamyan aus Stuttgart, Ferdinand-Porsche-Gymnasium, Klasse 11, Muttersprache russisch)



Geige auf dem Leipziger Trödelmarkt (Liv Modes)Geige auf dem Leipziger Trödelmarkt (Liv Modes)
Dieses Foto inspirierte Liv Modes zu ihrem Gedicht.
Entstanden ist es auf einem Streifzug über den Antik- und Trödelmarkt in Leipzig.







im geigenkasten

saiten schwingen
der bogen streicht
darüber
wie über weiches fell

saiten reißen
der bogen schneidet
sie durch
wie eine schere

saiten verwelken
der bogen verstaubt
daneben
im geigenkasten

(Liv Modes aus Markranstädt, Louise-Otto-Peters-Gymnasium (Gymnasium Schkeuditz Haus Markranstädt), Klasse 11, Muttersprache deutsch)



bildschön

die schöne, mit tau belegte
halbgeöffnete morgendliche rose -
ich kann sie sehen
fast kann ich sie riechen
fast kann ich sie spüren

und doch bleibt sie
geruchlos und unvergänglich
ohne liebe
die niemals verwelkende
rose aus pixeln

(Aaron Schmidt-Riese aus Freiburg, FWS Freiburg-St. Georgen, Klasse 13, Muttersprache deutsch)



Als

Als Sterne vom Himmel fielen
Als Meere höher lagen als Land
Als Sonne dunkler war als Nacht
Als Täler höher waren als berge
Als Fische flogen
Als Vögel schwammen
Als Zebras Leoparden jagten
Als Füße stärker waren als Hände
Als noch geliebt wurde
Als Friede regierte
Als Verrat nicht existierte
Als alle ehrlich waren
Als Winde noch wehten
Als Pflanzen noch blühten
Als Wellen noch wogten
Als Feuer noch glühte
Als alles passieren konnte
Als Bilder sprachen
Da...

(Rebekka Stahlhut aus Buchholz i.d.N., Albert-Einstein-Gymnasium, Klasse 7, Muttersprache deutsch)



Und hier die Gewinner "außer Konkurrenz"

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)


Fertil

Der Regen bist du, Poesie,
auf meine Felder fällst du nieder,
bist Sturmes Höh' und Melodie,
du singst so laut mir deine Lieder.
Am weiten Fenster stehend,
blick' ich zu dir empor,
die Augen voller Frohsinn,
sind heller als zuvor,
erfüllst mich wie der Donner,
der Leben gibt und nimmt,
du küsst mich wie die Sünde,
die wie mein Blut gerinnt,
ich spreize meine Arme,
zu finden deine Hand,
du hast mich allzu stetig,
in Dunkelheit erkannt,
die schwarze Nacht,
der junge Tag,
meine Patronin
unverzagt.
Der Regen bist du, Poesie,
auf unsre Felder fällst du nieder,
bist Atem mir und Empathie,
in jedem deiner vielen Lieder.

(Julia Fourate aus Nordhofen, Mons-Tabor-Gymnasium, Klasse 12, Muttersprache deutsch)

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