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StartseiteEuropa heuteDSK und die Folgen06.06.2011

DSK und die Folgen

Französische Feministinnen machen mobil

Heute beginnt in New York die Gerichtsanhörung im Verfahren gegen den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung. In seiner Heimat diskutieren die Franzosen derweil über Sexismus - und die Feministinnen finden so viel Zustimmung wie selten zuvor.

Von Suzanne Krause

Die Affäre DSK sorgt für überraschende Kollateralschäden. (picture alliance / dpa)
Die Affäre DSK sorgt für überraschende Kollateralschäden. (picture alliance / dpa)

"Ins Gefrierfach mit den Machos!", skandieren die Teilnehmer einer Demo in Paris, auf der sich mehrere Tausend Frauen und Männer, ob jung, ob alt, versammeln. Sie eint die Wut über die Berichterstattung und manchen Kommentar zur "Affäre DSK", der Anzeige gegen Dominique Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung.

"Ich bin wie viele andere hier zur Demo gekommen, weil ich empört bin angesichts der Kommentare, die einige linke Politiker, Philosophen und auch Journalisten in den letzten Tagen abgaben. Da ist die Rede von Schürzenjägerei bei Kammermädchen oder davon, dass ja niemand umgekommen sei oder dass es doch nicht verboten sei, die Frauen zu lieben. Mag sein, aber es klaffen doch Welten zwischen einem Mann, der gerne flirtet und einem, der Frauen sexuell belästigt."

"Eine sexistische Gesellschaft – Nein Danke!" So das Motto der spontan anberaumten Protestkundgebung, die ebenso auf das Konto eines Kollektivs feministischer Vereine geht wie eine Petition wider den alltäglichen Sexismus. Die zählt nun, zweieinhalb Wochen später, schon über 30.000 Unterschriften, darunter auch die von Carla Bruni-Sarkozy, der ersten Dame im Land. Vor wenigen Tagen geben erstmals Politikerinnen in den Fernsehnachrichten Einblick in ihren wenig berückenden Alltag. Roselyne Bachelot, Ministerin für Soziales und Frauenrechte, berichtet von einem Abgeordneten, der weibliche Mitarbeiter generell mit "mein Schätzchen, mein Küken" anspricht, Männer hingegen mit ihrem Vornamen.

Die Affäre DSK sorgt für überraschende Kollateralschäden. Gerade hat Staatspräsident Sarkozy seinen Staatssekretär für den öffentlichen Dienst fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel: Georges Tron wurde von zwei ehemaligen Mitarbeiterinnen wegen sexueller Belästigung angeklagt. Derzeit sorgt Luc Ferry, Ex-Erziehungsminister und Philosoph, für Wogen, nachdem er öffentlich erzählte, ein Ex-Minister habe in Marokko Orgien mit minderjährigen Jungen gefeiert. Ein Untersuchungsverfahren ist eingeleitet, völlig ungeklärt ist bisher der Wahrheitsgehalt von Ferrys diffamierenden Äußerungen. Mit einer solchen Lawine haben die Feministinnen nicht gerechnet. Bei der Demonstration vor zwei Wochen erklärt Colette Coffin vom Organisationskomitee noch:

"Wir machen mobil, um die Öffentlichkeit aufzuklären, wie sehr Frauen tagtäglich unter dem Sexismus zu leiden haben. Es ist an den Politikern, dafür zu sorgen, dass sich das ändert."

Dabei ist die Gleichstellung der Geschlechter in Frankreich Inhalt zahlloser Gesetze. Doch erst die Affäre DSK scheint ein Umdenken einzuleiten. Die Gunst der Stunde nutzend, listen die Feministinnen auf: Die Französinnen verdienen im Schnitt ein Fünftel weniger als männliche Kollegen, die Arbeit im Haushalt und mit den Kindern lastet zu 80 Prozent auf ihren Schultern. Und: Alle zweieinhalb Tage stirbt eine Frau unter den Schlägen eines, zumeist: ihres Mannes. All das wird Thema sein beim zweitägigen Frauengipfel Anfang Juli, den ein Kollektiv feministischer Vereine gerade in Windeseile auf die Beine stellt. Während der Verein "Labor für die Gleichstellung" bei den Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen für seinen "Gleichstellungspakt" wirbt. Die Gleichberechtigung in allen Bereichen soll de facto durchgesetzt, sagt die Sozialistin Olga Trostiansky, eine der Gründerinnen des "Labors für die Gleichstellung":

"Wir wünschen, dass die Gleichstellung der Frauen zu einer nationalen Priorität wird und ein wichtiges Thema bei den Präsidentschaftswahlen in 2012. In Frankreich sind 53 Prozent der Wähler Wählerinnen. Das sollten die Kandidaten besser nicht übersehen."

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