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StartseiteForschung aktuellEin bis zwei Tassen Kaffee schaden dem Kind21.02.2013

Ein bis zwei Tassen Kaffee schaden dem Kind

Norwegische Studie findet Korrelation von Koffein und verringertem Geburtsgewicht

Entwicklungsbiologie. - 100 Milligramm Koffein am Tag für die Mutter führen zu einer Verringerung des Geburtsgewichts von 20 bis 30 Gramm für das Kind. Das besagt die bislang größte Untersuchung zu Koffein während der Schwangerschaft, die skandinavische Forscher in der Zeitschrift "BMC Medicine" veröffentlichten.

Von Volker Mrasek

Eine Tasse Kaffee pro Tag beeinflußt schon einen heranwachsenden Fötus. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Eine Tasse Kaffee pro Tag beeinflußt schon einen heranwachsenden Fötus. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)

Fast 60.000 Frauen wurden für die neue Studie des Norwegischen Instituts für Öffentliche Gesundheit befragt. Mehrmals während ihrer Schwangerschaft gaben die werdenden Mütter an, wie viel Kaffee sie am Tag trinken. Und auch, welche anderen Lebensmittel sie konsumieren, in denen Koffein steckt - etwa Tee, Soft-Drinks oder Schokolade. Parallel dazu wurden ihre Babys per Ultraschall im Mutterleib vermessen und das Körpergewicht abgeleitet. So konnten die Forscherinnen ermitteln, wie sich Koffein auf die Entwicklung des Embryos auswirkt. Nach den Studienergebnissen begünstigt der Wachmacher zwar keine Frühgeburten. Doch offenbar können schon geringe tägliche Koffein-Mengen das Geburtsgewicht von Babys verringern. Anne-Lise Brantsaeter, Ernährungswissenschaftlerin an dem staatlichen Gesundheitsinstitut in Oslo:

"Unseres Wissens ist es die bisher größte Studie über den Zusammenhang zwischen Koffein-Konsum und Geburtsgewicht. Um die Ergebnisse anschaulicher zu machen, haben wir das zu erwartende normale Geburtsgewicht in unserer Studiengruppe berechnet. Da spielen Dinge wie die Größe und das Gewicht der Eltern eine Rolle. Dieses Normalgewicht lag bei 3,6 Kilogramm. Und am Ende kam heraus: Babys von Müttern, die während der Schwangerschaft Koffein zu sich nehmen, wiegen weniger. Und zwar 20 bis 30 Gramm pro 100 Milligramm Koffein am Tag."

100 Milligramm Koffein – das entspricht gerade mal einer bis zwei Tassen Kaffee. Je nachdem, wie stark das schwarze Gebräu zubereitet wird. Sollten Schwangere also besser unter dieser Schwelle bleiben?

"Wir können aus dieser Studie ableiten, daß es gut wäre, wenn schwangere Frauen ihren Kaffee-Konsum verringerten. Wir können keinen Schwellenwert angeben, bei dem es kritisch wird, wenn man ihn überschreitet. Aber es ist ja nicht so, daß man Kaffee unbedingt braucht. Deshalb sollten wir schwangere Frauen dazu ermutigen, ihre Kaffee-Aufnahme so weit wie möglich zu reduzieren."

20 bis 30 Gramm weniger Geburtsgewicht. Das ist alles? Sonderlich bedenklich klingt das nicht. Allerdings ist das nur der Mittelwert aus der Studie, und in Einzelfällen kann das Geburtsgewicht der Babys viel stärker reduziert sein. Das berge durchaus gesundheitliche Risiken für die Kinder, warnt Verena Sengpiel. Die deutsche Medizinerin arbeitet an der Universitätsklinik von Göteborg in Schweden, als Assistenzärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Auch sie zählt zu den Autorinnen der neuen Studie ...

"Es gibt mehr und mehr Studien, die darauf hinweisen, daß es auch später im Leben Probleme geben kann. Das, was man sieht, ist, daß viele von denen auch als Erwachsene klein bleiben. Aber was uns mittlerweile viel mehr beunruhigt, das ist, daß es mehr und mehr Studien gibt, die darauf hindeuten, daß Kinder, die mit einem zu leichten Geburtsgewicht auf die Welt gekommen sind, später im Leben ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben, Herz-Kreislauf-Erkrankungen."

Deshalb die Empfehlung an Schwangere, möglichst wenig oder lieber gar keinen Kaffee zu trinken. Wobei man schon klar sagen muss: Die neue Studie stützt sich bloß auf die eigenen Angaben werdender Mütter zu ihrem Kaffee-Konsum. Und natürlich gibt es auch andere Dinge, die das Geburtsgewicht von Babys beeinflussen. Rauchen zum Beispiel oder der Genuss von Alkohol. Allerdings haben sich die Forscherinnen bemüht, diese sogenannten Verwechslungsfaktoren bestmöglich herauszufiltern, wie Anne-Lise-Brantsaeter versichert:

"Wir können niemals hundertprozentig sicher sein, daß die Effekte, die wir in einer solchen Kohortenstudie sehen, wirklich durch Koffein ausgelöst werden. Aber wir kommen zu fast identischen Ergebnissen wie eine kleinere Untersuchung in Großbritannien vor einigen Jahren. Insofern vertrauen wir unseren Befunden schon."

Wenn tatsächlich schon 100 Milligramm Koffein pro Tag potentiell schädlich für das ungeborene Kind sind – also ein bis zwei Tassen Kaffee -, dann sollte sich die Weltgesundheitsorganisation der Sache vielleicht annehmen. Sie hält nämlich bisher 300 Milligramm für unbedenklich – eine Koffein-Menge, die dreimal so hoch ist.

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