Donnerstag, 29.06.2017

StartseiteForum neuer Musik 2016Vielfältiger Auftakt mit Musik, die den Atem stocken ließ08.04.2016

Fazit FestivalstartVielfältiger Auftakt mit Musik, die den Atem stocken ließ

Der erste Festivaltag des Forum neuer Musik 2016 war furios und emotional: Beim Kulturgespräch wurde eine weitsichtige Debatte geführt und in der Lecture ein Überblick in die Vielfalt jüdischer Musikkulturen geboten. Die Aufführung des Projektes Mekomot ließ am Ende des Tages den Atem stocken.

Von Frank Kämpfer

Die Aufführung des Projektes Mekomot am ersten Forums-Tag im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)
Die Aufführung des Projektes Mekomot am ersten Forums-Tag im Kammermusiksaal des Deutschlandfunks. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)

Furioser Start für das Forum neuer Musik! 100 Besucher kamen zu dem von DLF-Redakteurin Christiane Florin klug und sensibel geführten Kulturgespräch: "Zwischen Selbstbild und Außensicht – Jüdisches Leben heute". Auf dem Podium lieferten sich die Kölner Rabbinerin Natalia Verzhbovska, Mirjam Wenzel vom Jüdischen Museum in Frankfurt und die Publizisten Micha Brumlik und Michael Wolffsohn eine ebenso emotionale wie weitsichtige Debatte. Fazit: Deutschland ist unbestritten wieder ein Ort für vielgestaltiges jüdisches Leben geworden.

Kulturgespräch mit (v.l.) Michael Wolffsohn, Mirjam Wenzel, Christiane Florin, Natalia Verzhbovska und Micha Brumlik (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)Kulturgespräch mit (v.l.) Michael Wolffsohn, Mirjam Wenzel, Christiane Florin, Natalia Verzhbovska und Micha Brumlik (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)

Emotionale Eröffnung des Festivals

Jüdisches Leben, jüdischen Geist zu entfachen, in vergessene Orte zu tragen, ist auch Anliegen des Projekts MEKOMOT. Dieses musikalisch-kulturelle Programm verschränkt zeitgenössische Musik und Gesänge des alten Mincha-Gebets und ist derzeit auf Tour durch ehemalige, restaurierte und neu erbaute Synagogen in mehreren Bundesländern. Nele Hertling, Schirmherrin des Projekts, eröffnete das Festival im Deutschlandfunk mit emotionalen Worten, in die sie ihre eigene Überlebensgeschichte einband.

Neele Hertling, Schirmherrin des Projektes Mekomet bei der Eröffnung des Forum neuer Musik 2016. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)Neele Hertling, Schirmherrin des Projektes Mekomet bei der Eröffnung des Forum neuer Musik 2016. (Deutschlandradio/ Thomas Kujawinski)

Mekomot zog das Publikum in den Bann

DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien unterstrich die Dringlichkeit eines politischen Blicks auf Kunst und Kultur – so wie er dem Forum neuer Musik des Deutschlandfunk seit Jahren innewohnt. Was die 200 Konzertbesucher dann allerdings musikalisch erlebten, übertraf alle Erwartungen. Das vielfältige Geflecht von Klängen, Geräuschen, Stimmen, Gesten der fünf höchst unterschiedlichen neuen Werke ließ den Atem stocken, zog alle schnell in seinen Bann. Hoch emotional, bestürzend, drastisch, abgrundtief – so wirkte, was für die jungen israelischen Komponisten Eres Holz, Amir Shpilman, Amit Gilutz, Bnaya Halperin-Kaddari und Initiatorin Sarah Nemtsov jeweils künstlerisches Ergebnis einer persönlichen Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Jüdischsein war.

Komplettiert wurde der wunderbare Abend durch das Streichquartett Es-Dur von Fanny Mendelssohn-Hensel, sowie durch eine Lecture von Jascha Nemtsov, der in Videoausschnitten einen Überblick über die Vielfalt jüdischer Musikkulturen gab.