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StartseiteUmwelt und VerbraucherGrünes, weißes oder kein Olympia19.02.2010

Grünes, weißes oder kein Olympia

Garmisch-Partenkirchen diskutiert über Umweltkonzept der Olymiabewerbung

Garmisch-Partenkirchen will Olympiastadt 2018 werden. Umweltverträglich und nachhaltig sollen die Sportspiele werden, das versprechen jedenfalls die Organisatoren. Doch der Plan ist umstritten - vor allem die Idee eines Biosphärenreservats spaltet Befürworter und Kritiker vor Ort.

Von Susanne Lettenbauer

Kommt Olympia nach Garmisch-Partenkirchen? (AP)
Kommt Olympia nach Garmisch-Partenkirchen? (AP)

Heinz Röhle ist genervt. Seit im Oktober 2009 das vielversprechende Umweltkonzept für Olympia 2018 vorgestellt wurde, ist Funkstille in Sachen "Grüne Spiele 2018"; zumindest fast, sagt der Präsident des Deutschen Alpenvereins (DAV). Im Februar wurde die Sitzung der Fachkommission Umwelt kurzfristig ohne Angabe von Gründen von der Bewerbungsgesellschaft abgesagt.

In diesen Tagen sind Bewerbungschef Willy Bogner und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude samt Ministerpräsident Horst Seehofer in Vancouver und schicken Fotos von der Skipiste nach Hause. Erst im März steht ein Treffen der Fachkommission Umwelt wieder auf dem Programm. Wie bei dieser Planung das immerhin 18-teilige Umweltkonzept überhaupt fristgerecht aufbereitet werden soll, ist dem DAV-Präsidenten ein Rätsel:

"Ja, wenn ich das so genau wüsste. Man hört höchst Unterschiedliches. Von der Bewerbungsgesellschaft hört man immer noch, dass die 18 Punkte des Umweltkonzeptes kommen und verbindlich umgesetzt werden. Wenn man aber mit den Politikern vor Ort spricht, dann hört sich das ganz anders an. Das heißt, die Realisierungschancen werden dort nicht als sehr hoch gesehen."

Vor allem das Kernprojekt des DAV, ein neues Biosphärenreservat in Oberbayern, steht in der Kritik der Gemeinden. Aber ohne Biosphärenreservat oder ein gleichwertiges Umweltprojekt gibt es keine Unterstützung vom Alpenverein stellt Röhle klar:

"Uns geht es konkret um zwei Projekte. Zum einen um ein Biosphärenreservat und zum Zweiten um die ökologische Sportregion bayerische Alpen. Und diese beiden Projekte würden, wenn sie kämen, einen echten Mehrwert darstellen für die Bevölkerung. Also es würde etwas entstehen, was ohne die Olympiabewerbung nicht möglich wäre."

Doch seit vier der beteiligten sieben Naturschutzverbänden aus der Fachkommission Umwelt unter Protest ausgetreten sind, stehen die Chancen schlecht für das Umweltkonzept. Ein Etikettenschwindel würde da betrieben monierten der Bund Naturschutz, die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA, der Verein zum Schutz der Bergwelt (VzSB) und der Verein Mountain Wilderness. "Schöne Worte, wenig Inhalt, keine Verbindlichkeit", lautete deren Urteil.

Nun sitzen neben dem Deutschen Alpenverein nur noch der Landesbund Vogelschutz und die Naturfreunde in der Umweltfachkommission. Dabei ist es nicht mal mehr einen Monat bis zur Präsentation des Mini-Bidbooks, der Kernpunkte des Bewerbungskonzeptes. Und nicht mal mehr zwei Jahren, genauer 502 Tage bis zur endgültigen Entscheidung, ob 2018 in Deutschland stattfindet.

Statt sich in Vancouver feiern zu lassen, sollten in München erstmal die Hausaufgaben gemacht werden, meint Heinz Röhle. Erst im April sei jetzt das Spitzengespräch mit Bewerbungschef Bogner angesetzt; viel zu spät. Röhle droht deshalb:

"Wenn diese Projekte, die diskutiert werden, nicht kommen sollten, es also keinen echten Mehrwert durch Olympia 2018 gibt, dann wird der Alpenverein seine Mitarbeit aufkündigen, aber so weit sind wir noch nicht."

Stattdessen hofft Röhle noch immer auf das ihm versprochene UNESCO-Biosphärenreservat. Das wäre ein circa 700 Quadratkilometer großes Areal im Voralpenland, Zeichen für tatsächliche "Grüne Spiele". Der erhoffte Vorsprung gegenüber dem Konkurrenten Südkorea, der immer weiter aufholt und der Poker beim IOC, wenn es um den erhofften Zuschlag geht. Doch die Gemeinden vor Ort fühlen sich überrannt, sagt Franz Höcker, Bürgermeister von Riegsee und Vorsitzender des Kreistages Garmisch-Partenkirchen mit 22 Gemeinden. Wann, wo und wie das Biosphärenreservat kommen soll?

"Ja, das ist die Frage, die ich auch schon mehrfach gestellt habe und keine Antwort darauf bekommen habe. Das finde ich so bedauerlich. Man hat eine Aussage getroffen, dass es 700 Quadratkilometer werden sollen. Wir haben 1000 Quadratkilometer, das heißt, ein Drittel unsere Landesfläche. Aber wir haben noch immer keine Aussage, wo es angedacht ist."

Die Anfragen von besorgten Landwirten und Grundstückseigentümern häufen sich bei Höcker. Wie können die Flächen bewirtschaftet werden, wo soll die Kernzone sein? Welchen Mehrwert hat das Biosphärenreservat für die ohnehin geschützte Voralpenlandschaft?

"Die Situation ist jetzt so im Landkreis, dass für viele Gemeinden sich die Frage stellt, ob man noch mal einen Deckel über das Gebiet legt. Ich erwarte jetzt, dass in dem Bewerbungspapier das Biosphärenreservat nicht mehr auftaucht, weil man es nicht als Bewerbungskriterium einbringen kann."

DAV-Präsident Heinz Röhle hofft derweil, dass sich die Situation trotz allem noch entschärfen könnte und er seine Drohung auszusteigen nicht wahrmachen muss:

"Man kann in einem Bewerbungsverfahren nur etwas steuern, wenn man noch dabei ist, deshalb setzen wir unsere ganze Kraft ein, dass diese innovativen Projekte auch realisiert werden."

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