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StartseiteWirtschaft am MittagKarstadt als letzte Hoffnung11.09.2014

GummersbachKarstadt als letzte Hoffnung

Heute soll der Aufsichtsrat von Benko über die Zukunft der 83 Karstadt-Häuser entscheiden. Für Großstädte wie Köln ist Karstadt ein Einkaufszentrum von vielen. In Kleinstädten sieht das anders aus. Zum Beispiel in Gummersbach. 50.000 Einwohner zählt die Stadt. Für die meisten Einzelhändler wäre ein Aus für Karstadt eine Katastrophe.

Von Susanne Lang-Hardt

Karstadt liegt mitten in Gummersbach und ist der mit Abstand größte Mieter im Einkaufszentrum "Bergischer Hof". 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es dort. Das ist für die Gummersbacher riesig, auch wenn das Haus zu den kleinsten im Konzern gehört und deshalb schon auf der Roten Liste steht. In Gummersbach ist Karstadt das Synonym fürs Shoppen. Wer einkauft, der geht "Zum Karstadt". Und wenn der schließen würde?

"Haben wir gerade noch gesagt, dass das ganz schlecht wäre, weil man da Sachen bekommt, die man sonst nirgendwo kriegt, beispielsweise Stofftaschentücher."

"Da haben wir nach gesucht, haben in sämtlichen Katalogen schon nachgesehen, kein Taschentuch mehr zu finden, aber hier haben wir sie bekommen."

Für Sonja und ihre Mutter ist Karstadt ein Glücksfall. Schade, dass der Konzern Interviews mit Verkäufern und der Geschäftsführung verbietet. Denn viele arbeiten gerne dort. Gerade nachdem das Haus modernisiert wurde, sich von der Technik-Abteilung verabschiedete und mehr Platz für Schreibwaren und Mode machte. Karstadt Gummersbach soll sogar schwarze Zahlen schreiben. Dazu darf Geschäftsführer Volker Simstich aber nichts sagen. Und dabei ist ihm der Standort so wichtig. Er packt gerne selbst mit an, guckt, ob alles läuft und bringt mal eben ein paar Koffer über die Rolltreppe nach oben. Deshalb ist er in Gummersbach auch Vorsitzender der Innenstadtgemeinschaft mit ihren mehr als 80 Mitgliedern. Für sie wäre ein Aus für Karstadt eine Katastrophe, sagt der 2. Vorsitzende Ulrich Pfeiffer:

"Karstadt in GM ist das einzige Vollkaufhaus, was wir in GM haben und damit eine hohe Kompetenz für den Einkaufsstandort Gummersbach, das heißt, wenn Karstadt in GM nicht mehr wäre, würde uns ein großer Magnet, ein Frequenzbringer fehlen, der auch wichtig ist für die anderen Geschäfte, die rundherum sind in der Innenstadt. Karstadt zieht wirklich Kundenpotenzial an und das wäre eine Dramatik, wenn Karstadt zumachen würde."

Karstadt liegt mitten in der einzigen großen Fußgängerzone. Dort gibt es noch viele andere inhabergeführte kleine Geschäfte, wie die Lotto-Annahmestelle von Bernd Müller:

"Ich befürchte, wenn Karstadt schließen muss, dass das für die Fußgängerzone negative Auswirkungen haben muss. Das würde bedeuten, dass der prozentuale Rückgang in der 1a Lage zurzeit drastisch wäre und ich glaube, für die meisten Einzelhändler ein Aus bedeuten würde."

Noch behaupten sich die Einzelhändler neben den Filialisten, wie Douglas, Bonita oder Tchibo. Karstadt ist ihre letzte Hoffnung. Denn im nächsten Jahr soll unterhalb der Fußgängerzone, auf dem Steinmüllergelände, ein richtig großes Einkaufszentrum mit 70 Läden eröffnen, das Gummersbacher Forum. Schließt Karstadt in der alten Innenstadt, gehen dort die Lichter aus, sagt Elfriede Schröder:

„Mir würde es fehlen, wenn Karstadt nicht mehr wäre, weil Karstadt ist das Zentrum hier, sehen Sie, das spielt sich hauptsächlich hier ab. Gehen Sie mal durch Gummersbach, die sitzen zwar da rum, aber Abspielen tut sich das hier, das hin und her."

Noch gibt es im Einkaufszentrum den Teeladen, eine Damenboutique, Pizzeria und Eiscafé. Das Nebeneinander liebt auch Konrad Nikodemus, über die Schließung von Karstadt darf er gar nicht nachdenken:

„Das wäre traurig, nicht nur für Gummersbach, auch für den ganzen mittleren oberbergischen Kreis. Erst mal kann man hier im Haus bei Karstadt gut kaufen und es gibt eine Reihe von sonstigen Geschäften, es ist irgendwie ein Magnet für die Stadt Gummersbach."

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