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StartseiteCampus & KarriereGute Praktika, schlechte Praktika29.02.2008

Gute Praktika, schlechte Praktika

Prädikate und "Goldene Raffzähne" für Praktikumsplätze

Was ist dran an der Generation Praktikum? Sind Praktikanten billige Arbeitskräfte, oder bekommen sie die Chance auf einen echten Einblick in den Arbeitsmarkt? Fairworks e. V. prüft und bewertet die Praktikumsbedingungen für Studierende und Hochschulabsolventen.

Von André Hatting

Selbstständiges Arbeiten im Praktikum ist möglich. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Selbstständiges Arbeiten im Praktikum ist möglich. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)

Stephanie Schropp sitzt gemeinsam mit ihren Kollegen an einem großen Tisch vor ihrem Laptop. Das Praktikum in der kleinen Beratungsgesellschaft co2-online macht der Studentin Spaß. Zurzeit entwickelt die Berliner Agentur eine vom Bundesumweltministerium finanzierte Kampagne. Und Stephanie steckt mittendrin:

"Ich habe hier ein bestimmtes Projekt, das ich mitbetreue mit einer anderen Kollegin. Innerhalb von diesem Projekt kann ich auch sehr selbstständig arbeiten. Das ist nicht so’n Praktikum, wo man Ablagen bearbeitet, sondern wo ich wirklich selbstständig was tun kann."

Außerdem erhält die 28-jährige Studentin eine Vergütung von 400 Euro im Monat. Für Frank Schneider ist dieses Praktikum darum vorbildlich. Der Diplompolitologe ist Vorstandsvorsitzender von Fairwork e. V. Der gemeinnützige Verein wurde vor gut drei Jahren von Hochschulabsolventen gegründet. Das Ziel: die Situation für Akademiker auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Frank Schneider: "Grundproblem ist wirklich schon, dass der Praktikant sehr schnell merkt: Ich ersetze hier eigentlich eine volle Arbeitskraft. Gerade bei Hochschulabsolventen beobachten wir das immer noch, dass hier gerne günstig jemand angestellt wird."

Dagegen wehrt sich Fairwork. Der Verein sammelt Erfahrungsberichte von Studierenden, beurteilt danach die Praktika und veröffentlicht diese Bewertungen auf seiner Onlineseite. Gute Praktika - wie das von Stephanie - erhalten auf Anfrage ein Prädikat. Besonders schlechte einen Preis: die Goldenen Raffzähne – Symbol für ausbeuterische Arbeitsbedingungen. Mit den Goldenen Raffzähnen 2007 hat Fairwork das Deutsche Historische Museum ausgezeichnet. Anlass war der Fall einer jungen Frau, die beim DHM ein sechsmonatiges Praktikum machen wollte.

Frank Schneider: "Es wurden der Praktikantin jegliche Rechte abgesprochen an ihrer eigenen Arbeit. Es gibt keine Bezahlung, es gibt keinen Urlaub, da werden mehrere übliche Arbeitnehmerbedingungen, die auch gesetzlich so festgelegt sind, nicht eingehalten."

Die Anfrage der Studentin betraf ein Praktikum, nicht eine normale Arbeitsstelle, sagt Rudolf Trabold vom Deutschen Historischen Museum. Das DHM bietet rund 80 Praktikumsplätze im Jahr. Sie dauern normalerweise nur acht Wochen. Und sie seien ausdrücklich für Studierende gedacht, nicht für Hochschulabsolventen. Trabold findet das Verhalten der Bewerberin unfair:

"Man hat versucht, ihren individuellen Wünschen nachzukommen. Und sie hat dann diesen Praktikumsvertrag, den wir als Standard haben, bekommen. Und ohne Angabe von irgendwelchen Gründen - es ist nicht ein Telefonat erfolgt - hat sie das abgelehnt. Und sehr schnell danach ist dieser Vertrag, mit voller Namensnennung von ihr natürlich, bei den Medien und bei Fairwork aufgetaucht."

Besonders ärgert Rudolf Trabold die Behauptung, dass das Deutsche Historische Museum keinen Unfallschutz gewähre. Das ist nachweislich falsch. Der Praktikumsvertrag des DHM schließt nur die Unfallfürsorge aus, wie sie für Festangestellte gilt. Dass Praktika im Deutschen Historischen Museum nicht vergütet werden, erklärt Trabold mit Sachzwängen:

"Wir unterstehen einer sehr intensiven, permanenten Überprüfung durch den Bundesrechnungshof. Dadurch dass wir aus dem Bundeshaushalt sozusagen bezahlt werden oder unsere Arbeit ermöglicht wird. Es ist keine Frage - wenn wir finanziell die Möglichkeiten sehen würden -, dass man über eine Vergütung spricht, das ist überhaupt keine Diskussion."

Stephanie Schropp hätte sich ein Praktikum ohne Vergütung nicht leisten können. Sie finanziert ihr Studium der Wirtschaftskommunikation aus eigener Tasche. Deshalb hätte auch sie das sechsmonatige Praktikum im Deutschen Historischen Museum abgelehnt.

"Wobei ich mir auch nach meinem Studium vermutlich keinen Praktikumsplatz suchen würde. Ich würde mir wirklich einen richtigen Job suchen, der meinen Vorstellungen entspricht, und nicht nach Praktikantenstellen fragen, weil ich mich dann einfach auch zu überqualifiziert finde. Ich finde, das ist nicht der richtige Weg."

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