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StartseiteSport am WochenendeReality-Show für die Terra incognita17.06.2017

Handball in den USAReality-Show für die Terra incognita

Die Sportart Handball fristet in den USA ein Schattendasein. Zuletzt nahm das Nationalteam an Olympia 1996 in Atlanta teil - als Gastgeber automatisch qualifiziert. Nun aber wittern die Funktionäre eine echte Chance. Denn der US-Sender NBC plant eine Reality-Show, in der Athleten aus dem Basketball und American Football zu Handballern geformt werden sollen.

Von Erik Eggers

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Die Handball-Nationalmannschaften der USA und Deutschlands (imago sportfotodienst)
Die Handball-Teams der USA und Deutschlands 2010 in Chicago: Den Durchbruch für den Sport brachte der Besuch nicht. (imago sportfotodienst)

Bislang ist der Producer Alex Katz im Sport nicht aufgefallen. Seine größten Erfolge im US-Fernsehen waren die Serien "The Biggest Loser", eine Show, in der übergewichtige Menschen beim Abnehmen mit der Kamera begleitet werden, und der ebenfalls nach Deutschland verkaufte "Bachelor". Doch nun interessiert sich Katz vom großen US-Sender NBC für den Handball. Er reiste im vergangenen Jahr zum Final Four-Turnier in der Champions League. Und auch das WM-Finale im Januar sah sich der Producer an. Katz sei begeistert von der Dynamik und Physis des Spiels, erzählen Handball-Funktionäre, die ihn kennengelernt haben. Katz sehe im Handball das Potenzial zu großem Entertainment.

Dennis Berkholtz ist in das Projekt involviert. Der 72-Jährige ist Vorsitzender der Beachhandball-Sektion von USA Team Handball und ein Pionier des Handballs in den Vereinigten Staaten: Er war Kapitän der US-Boys, die 1972 in München an den Olympischen Spielen in München teilnahm.

Aus der Reality-Show zu Olympia?

Berkholtz scheut sich zwar etwas, die Details auszuplaudern, weil noch nichts offiziell ist. Aber worum es im Kern geht, erklärt er doch: "Wir arbeiten seit dem vergangenen Jahr an einer Reality-Show zum Handball. Das liegt aktuell in der Hand von Producern in Hollywood. Unser Konzept besteht darin, ältere Athleten aus anderen Sportarten zu suchen, sie im Handball zu trainieren und in realen Wettkämpfen antreten zu lassen. Unsere Hoffnung ist, daraus ein US-Team aufzubauen, dass sich für Weltmeisterschaften und für die Olympischen Spiele qualifizieren kann."

Geplant ist nach Recherchen des Deutschlandfunks, je acht bekannte Profis aus dem Basketball und dem American Football zu casten, um schon damit eine gewisse Öffentlichkeit zu garantieren. Die Verwandlung dieser Profis in Handballer will NBC dann in mehreren TV-Staffeln bis 2020 begleiten. Im US-Handball erhoffe sich dadurch so viel Präsenz in den Medien, dass auch jüngere Spieler sich im Handball ausprobierten und so das Nachwuchsprogramm des US-Verbandes Aufwind erhalte, erklärt Berkholtz.

In den USA versteht man unter Handball eine Art Squash

Für die Funktionäre des Handballs ist das ein Silberstreif am Horizont. Denn bisher sind die USA, der wichtigste Sportmarkt der Welt, im Handball eine Terra incognita. Unter Handball verstehe man in den USA eine Art Squash, hat kürzlich der in North Carolina lebende deutsche Weltmeister von 1978, Claus Fey, belustigt erzählt.

Zahlreiche Unternehmungen, diese tote Handball-Land zu beleben, sind grandios gescheitert. Auch die Versuche, Handball vor den Olympischen 1984 in Los Angeles und 1996 in Atlanta bekannt zu machen, waren nicht von Erfolg gekrönt. Zuletzt startete der frühere deutsche Unternehmer Horst-Dieter Esch ein Pionierprojekt. Doch auch das Länderspiel zwischen Deutschland und Polen, das 2010 als "Battle of Chicago" verkauft wurde, änderte nichts an der Handball-Tristesse.

Realistisch betrachtet werden die USA noch viel Zeit benötigen

Die Idee, über die Entertainment-Schiene die Sportart in den USA bekannter zu machen, stößt daher auch bei der Internationalen Handball-Föderation (IHF) auf Interesse. IHF-Boss Hassan Moustafa traf sich in Paris mit dem NBC-Producer und sagte die Unterstützung des Weltverbandes zu. Auch die führenden europäischen Handballklubs sind involviert und begrüßen das TV-Projekt.

Am Ende wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, ob sich das US-Nationalteam tatsächlich ähnlich große Fortschritte machen kann wie Brasilien, dass bei den Frauen 2013 den WM-Titel gewann und beide Mannschaften bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ins Viertelfinale brachte. Die Ausgangslage ist, weiß Berkholtz, kompliziert. Gefragt nach dem realistischen Ziel, sagt er: "Es wird sehr, sehr schwierig. Unser Ziel ist es, bis 2024 unter die zwölf besten Teams der Welt zu gelangen. Realistischer ist es wohl, die USA bis zum Jahr 2028 unter die zehn besten Mannschaften der Welt zu bringen, also in den nächsten zehn Jahren. Aber es braucht viel Zeit, um junge Spieler zu Weltklassehandballern zu entwickeln."

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