Kultur heute / Archiv /

 

Ideologischer Rettungsschirm für die EU

Zur Bedeutung des Friedensnobelpreises für die Europäische Gemeinschaft

Von Burkhard Müller-Ullrich

Friedensnobelpreis als letzter Rettungsschirm?
Friedensnobelpreis als letzter Rettungsschirm? (dpa / Franziska Kraufmann)

Es gehört schon ein besonderer norwegischer Humor dazu, diesem auf den Totalbankrott zusteuernden Verwaltungsverein EU, jetzt noch das Gütesiegel globaler Bravour zu verleihen. dieser Friedensnobelpreis ist nichts anderes als ein ideologischer Rettungsschirm, meint Burkhard Müller-Ullrich.

Timing ist alles. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass diese Preisentscheidung auch noch in fünf oder gar zehn Jahren möglich wäre, wenn die allseits versprochenen Billionen fällig, aber natürlich nicht gezahlt werden, und die deswegen in Not und Chaos versinkenden Unionsmitglieder einander wechselseitig die Schuld für ihre Schulden geben werden? Die Haltbarkeit von Friedensnobelpreisträgern ist ja schon immer eine recht beschränkte, doch diesmal war es einfach höchste Eisenbahn. Nur noch kurze Zeit wird sich die Weltöffentlichkeit einreden lassen, dass die EU, dieses "sanfte Monster", Frieden bringe, und bereits seit längerer Zeit stellt sich die Frage, ob diejenigen, die uns das mit cyborghafter Unbeirrtheit einzureden versuchen, selber daran glauben oder ob sie so kaltschnäuzig und abgebrüht sind, wider besseres Wissen blühende Landschaften, ewigen Frieden und politische Morgenröten zu versprechen. Angesichts der Korruptionsquote in dieser Europäischen Union sowie der achselzuckenden Preisgabe des bislang gültigen Staatsrechts spricht einiges für die Heuchel-Variante.

Diejenigen aber, die wirklich das EU-Projekt um seiner selbst willen betreiben, haben eine absolut abwegige Vorstellung von Geschichte. Sie setzen voraus, dass die europäischen Völker, die sich in jahrtausendelangem Kräftemessen miteinander arrangiert und als Nationen konstituiert haben, die ihre Verschiedenheit zu Recht als Kulturerbe verstehen und ihre bösartigsten Affekte gegenüber Fremden inzwischen zu kontrollieren wissen, dass diese Völker durch Wahlplakate und Fernsehansagen dazu gebracht werden könnten, ihre Identität gegen den herbuchstabierten Zukunftstraum irgendwelcher Barrosos, Schulzens oder Rompoys einzutauschen. Jeder weiß, dass die Menschen in Europa das nicht tun werden. Jeder weiß auch, dass sie jetzt schon das prekäre Projekt namens EU mehrheitlich ablehnen und dass sie genau deshalb von vielen Regierungen daran gehindert werden, darüber zu abzustimmen, was die Rede von Demokratie in dem Zusammenhang als blanken Zynismus erscheinen lässt.

Es gehört schon ein besonderer norwegischer Humor dazu, diesem auf den Totalbankrott zusteuernden Verwaltungsverein, jetzt noch das Gütesiegel globaler Bravour zu verleihen. Das hätten Adenauer und de Gaulle, als sie die deutsch-französische Nachkriegsaussöhnung betrieben und damit den Keim zu einer europäischen Integration legten, zweifellos verdient gehabt, aber jetzt ist der eine seit 45, der andere seit 42 Jahren tot, und es ist lachhaft, dass das Nobelpreiskomitee in seiner heutigen Begründung auf das Friedenswerk der beiden abstellt.

Die heutige EU mit ihrer Glühbirnenbürokratie befindet sich in einer verheerenden Glaubwürdigkeitskrise, und dieser Friedensnobelpreis ist nichts anderes als ein ideologischer Rettungsschirm, unter den Kommission und Parlament gewiss mit Wonne schlüpfen. Allerdings ist dieser Rettungsschirm mit bloß einer läppischen Million Euro dotiert. Vielleicht lässt er sich noch hebeln, damit die Barrosos, Schulzens oder Rompoys wenigstens standesgemäß anreisen können.



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

AusstellungIn die ägyptische Geschichte eintauchen

In der Ausstellung "Ägypten - Götter. Menschen. Pharaonen" in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte in Völklingen (Saarland) ist der innere Sarg der Tapeni, Tochter des Hohepriesters des Amun, zu sehen. 

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigt ab diesem Freitag die Ausstellung "Ägypten: Götter. Menschen. Pharaonen.". Auf 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche können die Besucher faszinierende Exponate, wie Mumien und Sarkophage betrachten.

Antiisraelische Demonstrationen"Reaktion auf Nichtintegration"

Der Generalsekretär der Evangelischen Akademien Deutschland, Klaus Holz, sieht in gescheiterter Integration eine Ursache für muslimischen Antisemitismus in Deutschland. Wer sich in Deutschland nicht beheimatet fühle, entwickele häufig eine oppositionelle und radikale Identität seines Heimatlandes, sagte er im DLF.

AusstellungDer arabische Blickwinkel

Die Fassade des New Museum mit einer fast neun Meter großen Rose daran.

Das New Museum in New York zeigt in der Ausstellung "Here and Elsewhere" zeitgenössische Kunst aus arabischen Ländern. Die Ausstellungsmacher locken mit der Herkunft der Ausgestellten - der politische Gehalt des Ausgestellten wird vorausgesetzt.

 

Kultur

AusstellungIn die ägyptische Geschichte eintauchen

In der Ausstellung "Ägypten - Götter. Menschen. Pharaonen" in der Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte in Völklingen (Saarland) ist der innere Sarg der Tapeni, Tochter des Hohepriesters des Amun, zu sehen. 

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte zeigt ab diesem Freitag die Ausstellung "Ägypten: Götter. Menschen. Pharaonen.". Auf 6.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche können die Besucher faszinierende Exponate, wie Mumien und Sarkophage betrachten.

"Notes of Berlin"Verfilmte Zettelwirtschaft

Mann liest Zettel, die an einer Ampel hängen.

Die Berliner teilen gerne mit, was sie so umtreibt und pappen es per Zettel irgendwohin. Der Kulturwissenschaftler Joab Nist sammelt diese Mitteilungen seit fast vier Jahren und veröffentlicht sie in dem Blog "Notes of Berlin". Aus diesem Gemeinschaftsblog soll jetzt auch ein Gemeinschaftsfilm fürs Kino werden.

FotografieDer weibliche Blick auf die Welt

Ein Fotoapparat steht in der Natur bei Weißkopfseeadlern. 

Frauen mussten in der professionellen Fotografie lange um Akzeptanz kämpfen. Dabei gab es im 19. Jahrhundert wahre Pionierinnen der fotografischen Technik. Boris Friedewald porträtiert Fotografinnen und ihr Werk aus dem 19. und 20. Jahrhundert nun in seinem Buch "Meisterinnen des Lichts".