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StartseiteCampus & KarriereInternationale Fachkommunikation01.02.2005

Internationale Fachkommunikation

Studiengang mit Karrieregarantie an der FH Flensburg

Annike Glüsing spricht ausgezeichnet Englisch, doch im Moment schwirrt in ihrem Kopf vor allem ein Wort herum:

Von Frauke Schäfer

Der Airbus A380 nach der feierlichen Vorstellung in Toulouse (AP)
Der Airbus A380 nach der feierlichen Vorstellung in Toulouse (AP)
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Fachhochschule Flensburg

Bracket.

zu deutsch Halter:

Es gibt a brackets ... brackets gibt es alles mögliche.

Und die englischen Mechaniker und Elektriker bei Airbus müssen schließlich wissen, wo sie diese vielen Halter montieren sollen. Annike Glüsing übersetzt die deutschen Bauanleitungen ins Englische, direkt vor Ort. Ihr Büro in einem zweistöckigen Container befindet sich mitten im Hangar, gibt es Verständigungsprobleme, klettert die 29jährige auch schon mal mit Ingenieuren und Mechanikern in den Airbusrumpf. Erste Flugzeugluft hatte Annike Glüsing während eines Praxisjahrs im Ausland geschnuppert:

Das war eine Übersetzung eines computerbasierten Lernprogramms, für die "Lufthansa Technical Training" und das habe ich in Teamarbeit mit drei anderen Kolleginnen hier aus dem Studiengang gemacht. Da hab ich halt viel über Flugzeuge gelernt und darüber ist das auch mit Airbus vermittelt worden. Weil Airbus halt mit Lufthansa zusammenarbeitet und so bin ich in den Job gekommen.

Michael Schemies hat sein Diplom noch nicht in der Tasche, er ist inzwischen im neunten Semester. Der gelernte KFZ Mechaniker hatte in Köln begonnen Maschinenbau zu studieren, musste aber feststellen, dass Mathematik nicht gerade seine Stärke ist. Den obligatorischen Auslandsaufenthalt hat er schon hinter sich gebracht:

Ich war ein Jahr in Irland 9 Monate und hab da an einem technischen College studiert und dann noch 3 Monate ein Praktikum als technischer Übersetzer gemacht.

Wie es nach dem Diplom weitergeht, Michael Schemies weiß es noch nicht, aber einen Wechsel ins Ausland wäre für ihn kein Problem. Arbeitsmöglichkeiten gibt es für technische Übersetzer oder technische Redakteure genug, sagt der Leiter des Studiengangs Professor Klaus Schubert.

Jedes technische Produkt hat eine Betriebsanleitung, eine Wartungsanleitung und wohlmöglich noch Anleitung, wie das Ganze wieder abgebaut und entsorgt werden muss. All diese Texte müssen geschrieben werden.

15 Studenten pro Jahr hatte die FH Flensburg ursprünglich angepeilt, aufgrund der großen Nachfrage sind es aber meist doppelt so viel. 2004 wurde der Diplomstudiengang "Technikübersetzen" auf Bachelor und Master umgestellt und heißt von nun an "internationale Fachkommunikation". Im ersten Studienjahr stehen Technik und Maschinenbau im Mittelpunkt, im 2. Kommunikations- und Elektrotechnik. Danach geht es ins Ausland und im 6. Semester arbeiten die Studierenden zusammen mit Firmen an Projekten, bevor es an die Abschlussarbeit geht. Hauptsprache in Flensburg ist Englisch:

Weitere Sprachen haben wir nur als Wahlfach, für Studenten, die die Sprache schon aus irgendeinem Grund beherrschen. Spanisch, Russisch und Französisch, die kann man hier weiterentwickeln auf der fachlichen Ebene.

Die Berufschancen für die Flensburger Absolventen sind gut, es gibt immer wieder Anfragen von Firmen, die qualifiziertes Personal suchen, dass aber jemand schon 8 Wochen vorm Abschluss eine Arbeit findet, wie Annike Glüsing ist dann doch etwas Besonderes. Sie hat in Toulouse ihren Traumjob gefunden und wohl noch eine Menge Arbeit vor sich. Die Dokumentation eines Flugzeugs, witzeln Fachleute, sei auf Papier gedruckt und in Ordner abgeheftet schwerer als das Flugzeug selbst. Im Fall des Airbus A 380 kommen also mehr als 244 Tonnen Papier zusammen. Das muss Annike Glüsing natürlich nicht alleine bewältigen, sie bekommt sowieso Unterstützung aus Flensburg. Eine Kommilitonin tritt noch in diesem Monat ihren ersten Job in Toulouse an.

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