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StartseiteForschung aktuellKampf ums Nass08.11.2006

Kampf ums Nass

Klimaveränderungen verschärfen den Streit um Wasser im Volta-Becken

Ghana hat vor gut zehn Jahren begonnen, seinen Wassersektor zu reformieren. Die nationale Wasserverwaltung war bis dahin ineffektiv, der steigende Wasserbedarf, verursacht durch ein erhöhtes Bevölkerungswachstum, erforderte neue Managementstrategien. Neben einer höheren Nachfrage nach Wasser in den Haushalten, Industrie und Landwirtschaft führten auch regionale Klimaänderungen dazu, dass weniger Wasserressourcen für die lokalen Verbraucher verfügbar waren.

Von Dagmar Röhrlich

Ein Markt in Accra, der Hauptstadt von Ghana (AP)
Ein Markt in Accra, der Hauptstadt von Ghana (AP)

Nilpferde sind in Ghana rar. Die letzten tummeln sich im Wasser des Schwarzen Volta, der träge durch den Waldsaum an seinen Ufern fließt. Bald wird es ihren Lebensraum nicht mehr geben. Denn genau im Bui Nationalpark will die Regierung Ghanas den Volta für die Stromerzeugung aufstauen. Für Ghana ist der Volta ein gute Einnahmequelle. Um so misstrauischer schaut man zum Nachbarn, nach Burkina Faso. Diesem Nachbarn gehört der nördliche Teil des riesigen Flusssystems. Zwei Nationen - ein Fluss. Das klingt nach Konflikten, und die gibt es auch. In Burkano Faso soll der Volta sein Wasser dafür geben, die Dürren zu besiegen - wodurch in Ghana weniger ankommt, was wiederum schlecht ist für die Kraftwerke am Unterlauf. Denn der Wasserstand des Volta schwankt ohnehin sehr stark. Das liegt an den unzuverlässigen Regenfällen:

" Insgesamt fallen jährlich etwa 1000 Millimeter Niederschlag im Volta-Becken, was sich erst einmal gut anhört. Aber das Problem ist, dass dieser Niederschlag schwankt: von 2000 Millimetern im Süden bis zu sehr trockenen 200 Millimetern im Norden. "

Paul Vlek, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Uni Bonn und Koordinator des GLOWA-Volta-Projekts, in dem nach Lösungen für die Konflikte gesucht wird. Schon jetzt fällt manchmal so wenig Niederschlag, dass in Ghana selbst die Wasserkraftwerke am weiter stromabwärts gelegenen Voltastausee abgeschaltet werden müssen.

" Es gibt diesen sehr klaren Trend zu stärkerer Dürre im Nordteil des Voltabeckens, in Burkina Faso also. Die Bauern dort reagieren darauf, indem sie verstärkt kleine Dämme bauen, um Wasser für die Bewässerung ihrer Felder zurückzuhalten. Natürlich kommt so immer weniger Wasser im Süden an, in Ghana, vor allem in der Hauptstadt Accra. Also gibt es automatisch einen Nord-Süd-Konflikt. "

Ein Konflikt mit mehreren - wenn man so will - "Schuldigen". Hier wird der globale Klimawandel durch einen lokalen, hausgemachten, ergänzt:

" Die Tropenwälder am Unterlauf bestimmen zu einem sehr großen Teil den Regenfall im Norden. Diese Wälder verdunsten viel Wasser, das im Norden als Regen niedergeht. In den vergangenen 25 Jahren hat es jedoch im Süden große Entwaldungsaktionen gegeben, um Flächen für Kakao-Plantagen und Ackerbau zu bekommen, mit sehr ernsten Folgen für die Regenfälle im Norden. Wir haben herausgefunden, dass so die Hälfte der fortschreitenden Dürre im Nachbarland verursacht wird. "

Bevölkerungsdruck und Landhunger in Ghana bringen also die Nachbarn in Burkina Faso in Schwierigkeiten. Dort verdorren die Felder - die Bauern wehren sich mit Bewässerung - die Situation schaukelt sich hoch. Außerdem verschieben sich die Regenzeiten:

" Die Regenzeit wird sich im Süden verzögern, aber gleichzeitig intensiver werden. Aber in März und April, wenn es normalerweise regnet, wird kein Regen fallen. Die Frage ist, ob die Wälder, die vom Regen abhängen, diese Verschiebung überleben? Wir wissen es nicht. "

Aber immerhin scheint sich etwas zu tun. Beide Regierungen wollen miteinander reden:

" Als wir den Menschen im Süden klar machten, dass die Menschen im Norden mit ihren Dämmen nur auf ein Problem reagieren, dass sie selbst mit ihren Abholzungen verursacht hatten, waren sie zum Dialog bereit, um eine Lösung zu finden. "

Beispielsweise dafür, wie viele kleine Dämme in Burkina Faso verträglich sind oder wie die Wälder in Ghana geschützt werden können.

" Im Süden engagieren sich vor allem Nicht-Regierungs-Organisationen dafür, den Regenwald zu retten. Aber das ist wegen des Bevölkerungsdrucks schwierig. "

Während die einen den Wald schützen wollten, hielten die anderen das Streichholz in der Hand. Gerade ist Phase drei von Glowa angelaufen: jetzt sollen die wissenschaftlichen Ergebnisse in praktisches Handeln umgesetzt werden. Also arbeiten die Distriktregierungen beispielsweise Pläne fürs bessere Wassermanagement aus, um die Ressource schonend zu nutzen.

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