Samstag, 16.12.2017
StartseiteSport am Wochenende"Spieler werden allein gelassen"16.04.2017

Nach Anschlag auf BVB"Spieler werden allein gelassen"

Sehr schnell wurde nach dem Anschlag auf den BVB entschieden, dass nicht mal 24 Stunden später schon wieder Fußball gespielt werden soll. Thomas Kistner kritisiert das: "So werden zwanghaft demokratische Werte auf Kosten der Spieler verteidigt", sagte der Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung im DLF.

Thomas Kistner im Gespräch mit Bastian Rudde

Nach dem Bundesligaspiel gegen Frankfurt halten BVB-Spieler ein Trikot von Marc Bartra in den Händen: Ihr Mitspieler war vier Tage zuvor bei dem Anschlag auf die Mannschaft verletzt worden. (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)
Nach dem Bundesligaspiel gegen Frankfurt halten BVB-Spieler ein Trikot von Marc Bartra in den Händen: Ihr Mitspieler war vier Tage zuvor bei dem Anschlag auf die Mannschaft verletzt worden. (dpa / picture alliance / Ina Fassbender)
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Hätte man von Menschen, die den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 miterlebt haben, verlangt, dass sie gleich am nächsten Tag wieder auf den Weihnachtsmarkt gehen? Um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen? Sicher nicht, sagte Thomas Kistner in der Sendung Sport am Sonntag.

Unsensible Reaktionen

Seiner Meinung nach haben Politik und Fußballfunktionäre nach dem Anschlag auf den BVB sehr unsensibel reagiert: Während die Sportfunktionäre nur das Interesse verfolgt hätten, dass das Geschäft weitergehen müsse, hätte die Politik ihrerseits stur auf dem Standpunkt beharrt, bloß nicht dem Terror nachzugeben. Die Interessen und Gefühle der Spieler seien dabei zu wenig beachtet worden: "Bezeichnenderweise sind es die Spieler, die immer wieder darauf hinweisen, dass sie Menschen sind", sagte Kistner, "und sie werden damit allein gelassen."

Übereilte Entscheidung

Auch sei die Entscheidung, das wegen des Anschlags abgesagte Champions-League-Spiel schon tags darauf nachzuholen, für Kistners Geschmack zu früh gefallen - nämlich noch am Abend des Attentats. Die Verantwortlichen hätten gut daran getan, erst am nächsten Tag zu entscheiden - mit mehr Wissen über den Ablauf und das Ausmaß des Anschlags.

Das vollständige Gespräch können Sie mindestens sechs Monate lang als Audio-on-Demand nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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