Seit 00:05 Uhr Fazit
 
  • Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteNachrichten vertieftObama: Kaepernick übt sein Recht aus05.09.2016

Nationalhymnen-Boykott von US-SportlernObama: Kaepernick übt sein Recht aus

US-Präsident Barack Obama hat den Protest von US-Sportlern gegen Polizeigewalt und Rassismus verteidigt. Der afro-amerikanische Footballer Colin Kaepernick hatte sich geweigert, für die Nationalhymne im Stadion aufzustehen - inzwischen kniet er, wenn "The Star-Spangled Banner" erklingt. Viele Sportler folgten seinem Beispiel.

Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniet während der Nationalhymne. (AP / Chris Carlson)
Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniet während der Nationalhymne. (AP / Chris Carlson)
Mehr zum Thema

Nach den Polizistenmorden in den USA Obama ruft zu Einigkeit auf

Schwarze Protestbewegung in USA "Black Lives Matter" unter Rechtfertigungsdruck

Trauerfeier in Dallas "Wir sind nicht so gespalten, wie es den Anschein hat"

Gewalt in den USA Polizeichef von Dallas beklagt "Krieg gegen Cops"

"Colin Kaepernick übt sein verfassungsgemäßes Recht aus", sagte Obama am Rande des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou. Der Football-Spieler der San Fransisco 49ers hatte sich bei Vorbereitungsspielen während der US-Nationalhymne nicht erhoben und war niedergekniet, während ein Marineoffizier und ein Dutzend Militärmitglieder eine große Flagge ausbreiteten. Mit seinen Auftritten wolle er sich gegen Rassismus im Land, gegen Ungleichbehandlung und Polizeigewalt wehren, erklärte er. "Ich werde nicht aufstehen und stolz für eine Fahne demonstrieren, die für ein Land steht, das Schwarze und andere Farbige unterdrückt", so Kaepernick.

Sportler aus anderen Disziplinen schlossen sich der Aktion an.

So kniete auch die Fußball-Nationalspielerin Megan Rapinoe sich während der US-Hymne nieder. "Das war mit voller Absicht", erklärte Rapinoe von Seattle Reign am Sonntagabend nach dem Spiel gegen die Chicago Red Stars. Sie sagte, es sei "ein kleines Nicken" in Richtung des NFL-Quarterbacks gewesen und "und für all das, wofür er jetzt eingestanden ist."

Rapinoe sprach sich für eine "rücksichtsvollere, zweiseitige Diskussion über Rassenprobleme in diesem Land" aus. Sie finde "die Art und Weise, wie Kaepernick behandelt wurde und wie viele Medien darüber berichtet haben, wirklich ziemlich widerlich".

Die Fußballspielerin betonte, als homosexuelle Amerikanerin wisse sie, wie es ist, die US-Flagge zu sehen und zu wissen, dass nicht alle ihre Freiheiten geschützt würden. "Es ist auch wichtig, dass Weiße Afroamerikaner hierbei unterstützen." Vor Rapinoe hatte sich bereits Kaepernicks Teamkollege Eric Reid dem stillen Protest angeschlossen. 

My Brother! United as One! @e_reid35

Ein von colin kaepernick (@kaepernick7) gepostetes Foto am

Kapernick hatte bereits vor seiner Aktion den Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, als "offen rassistisch" bezeichnet.

Der Quarterback der San Francisco 49ers, Colin Kaepernick, kniet während der Nationalhymne. (dpa-Bildfunk / AP / Dennis Poroy)Alle stehen - einer kniet. (dpa-Bildfunk / AP / Dennis Poroy)

Trump hatte Kaepernick daraufhin nahegelegt, die USA zu verlassen. Auch Fans kritisierten den 28-Jährigen, er wurde ausgebuht und ihm vorgeworfen, er verhalte sich unamerkanisch. Zudem drohten Polizisten, Spiele der Mannschaft zu boykottieren.

Kritik an Schweine-Socken

Kaepernick selbst bleibt bei seinem Boykott. Er verstärkte seine Kritik an der Polizei, indem er beim Training Socken trug, auf denen Schweine mit Polizeimützen zu sehen sind. Der NFL-Profi wehrte sich. "Ich habe diese Socken getragen, weil bösartige Cops in den Dienststellen mit ihrem Verhalten die Gesellschaft und Polizisten, die das Richtige tun wollen, in Gefahr bringen. Ich habe zwei Onkel und Freunde, die für die Polizei arbeiten und alle beschützen wollen", schrieb Kaepernick bei Instagram.

Die Bilder der Socken würden nun missbraucht, "um von den wirklichen Problemen abzulenken". Er kündigte an, eine Million Dollar an Gruppen zu spenden, die Opfern von Diskriminierung und Polizeigewalt helfen. 

(hba/cvo/fwa)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk