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StartseiteCampus & KarriereGeflüchtete Lehrer werden fit für den Job in Deutschland04.09.2017

Programm der Uni BielefeldGeflüchtete Lehrer werden fit für den Job in Deutschland

Kinder aus Flüchtlingsfamilien stellen das deutsche Bildungssystem vor Herausforderungen. Gleichzeitig gibt es viele aus ihrer Heimat geflüchtete Lehrerinnen und Lehrer, die nun in Deutschland Jobs suchen. Die Universität Bielefeld startet für diese Pädagogen ein Qualifizierungsprogramm.

Von Silke Schmidt

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Die Willkommensklasse der Leo-Lionni-Grundschule in Berlin - dort lernen Flüchtlingskinder Deutsch (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Das Programm "Lehrkräfte Plus" sieht vor, dass die ausländischen Lehrkräfte, an Schulen hospitieren. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Layal Kabbas: "Ich bin Arabisch-Lehrerin von Beruf - und ich habe als Lehrerin sechs Jahre in Syrien gearbeitet."

Sekou Doumbouya: "Ich komme aus Guinea. Ich habe einen Abschluss auf Lehramt absolviert im Fach Französisch."

Marwa Sulaiman: "Ich habe Englisch studiert an der Universität Damaskus. Von diesem Projekt hoffen wir, dass wir wieder als Lehrer oder Lehrerin arbeiten können."

Sie alle wollen wieder in ihren gelernten Beruf zurück - acht Frauen und 17 Männer aus Afghanistan, Armenien, Guinea, Irak, Pakistan und Syrien nehmen am Programm "Lehrkräfte Plus" teil. Innerhalb eines Jahres sollen sie fit gemacht werden für den Schuldienst in Nordrhein-Westfalen. Alle sind hochmotiviert – aber manche haben auch die Sorge, nicht ernst genommen zu werden, so wie der Syrer Gabro Marouki:

"Ich persönlich habe ein bisschen Angst, alle Schüler sind Deutsche und mein Deutsch ist nicht so gut - vielleicht alle Schüler lachen."

Sprachliche Qualifizierung der Lehrer

Damit das möglichst nicht passiert, liegt der Schwerpunkt des Programms am Anfang darauf, Deutsch zu lernen. Erst im zweiten Halbjahr folgt die fachliche Weiterqualifizierung, erklärt Projektleiterin Renate Schüssler von der Universität Bielefeld.

"Nach einem halben Jahr intensivem Sprachkurs werden die Teilnehmer ein intensives Programm haben, in dem es darum geht, das deutsche und nordrhein-westfälische Schulsystem besser kennenzulernen. Ganz wichtig: Sie werden im zweiten Halbjahr an Schulen hospitieren, Praktika machen und erste Unterrichtserfahrungen sammeln. Die Unterrichtserfahrungen werden wir im Kurs besprechen und auswerten.

Andere Unterrichtsmethoden erlernen

Dabei sollen die Teilnehmer vor allem die Vielfalt der Unterrichtsmethoden kennenlernen, die an deutschen Schulen zum Lernalltag gehört.  

"Wir haben im Bewerbungsgespräch gemerkt, dass schon in vielen Ländern Frontalunterrichtsmethoden vorherrschen. Dass die Lehrer es auch gewohnt sind, dass die Schüler sehr gehorsam sind. So etwas wie Classroom Management und der Umgang mit vielfältigen Unterrichtsmethoden ist den Lehrkräften etwas weniger vertraut."

Auch die Syrerin Layal Kabbas weiß, dass sie in diesen Dingen noch Nachholbedarf hat.

"In diesem Programm lernen wir, wie man hier in Deutschland die Schüler und die Schülerinnen unterstützen kann."

Manchmal ist ein zusätzliches Studium nötig

Die 32-Jährige ist arabische Sprachwissenschaftlerin. Ihre Möglichkeiten sind damit an deutschen Schulen begrenzt - auch nach der einjährigen Ausbildung. Denn ihr Fach gibt es nicht so oft - und das Zertifikat, das sie am Ende bekommt, ist kein vollwertiger Lehrerabschluss. Dennoch soll für jeden Teilnehmer im Anschluss eine Perspektive gefunden werden.

"Einige von ihnen werden noch ein zweites Fach studieren, damit sie einen vollwertigen Lehrerabschluss erreichen können. Andere werden vielleicht als Vertretungslehrkräfte an Schulen anfangen, einige mit dem Unterrichtsfach Arabisch werden im herkunftssprachlichen Unterricht eingesetzt – man muss individuell prüfen, was die beste Option ist.

Viele Schüler mit Migrationshintergrund

Mittlerweile haben ungefähr 30 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. In den Lehrerkollegien spiegelt sich das aber so gut wie gar nicht wieder. Die Syrerin Layal Kabbas sieht genau darin ihre Chance.

"Hier gibt es viele, viele Flüchtlinge aus Syrien, die möchten erst Deutsch lernen natürlich. Aber sie haben keinen Kontakt mit deutschen Leuten und sie brauchen auch Dolmetscher. Ich finde meine Chance hier auch, zu übersetzen."

Auch wenn die meisten wahrscheinlich erstmal nur zeitlich befristete Verträge bekommen werden – so ist es doch schon mal ein Anfang, meint Angela Müncher von der Bertelsmann-Stiftung, die das Projekt drei Jahre lang finanziert.

Das Potential erkannt

"Man muss halt irgendwo beginnen - und das Programm eröffnet einen Pfad, den es so bisher noch nicht gibt."

Die Teilnehmer sind jedenfalls glücklich, dass ihr Potential erkannt wird, auch wenn es mit der vollständigen Anerkennung als Lehrkraft noch dauern wird.

"Mein Ziel ist es eine Stelle zu finden – und ich glaube hier dieses Programm ist beste Möglichkeit zu arbeiten.

"Das Programm ist super. Wir haben so lange gewartet auf eine Chance. Ja, Gott sei Dank."

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