Dienstag, 21.11.2017
StartseiteComputer und KommunikationDie Konkurrenz aus China08.04.2017

ProzessorenDie Konkurrenz aus China

Auch durch ein US-Embargo gedrängt, trieb China die Entwicklung eigener Prozessor-Technologie voran. Es gibt mit Loongson auch einen für zivile Technik - ob er sich durchsetzen kann, ist aber eine andere Frage.

Von Achim Killer

Manfred Kloiber: Und schon seit einiger Zeit stehen die leistungsfähigsten Supercomputer der Welt nicht mehr in den USA, sondern in China. Das Reich der Mitte ist ein Markt, auf dem auch über die Zukunft der Prozessortechnologie entschieden wird. Und deshalb hören wir uns jetzt einmal an, was da so abläuft.

Seit 2013 steht die Nummer eins der Top-500, der stärkste Supercomputer der Welt, in China. Anfangs wurde er mit Intel-Prozessoren ausgestattet. Dann verhängte 2015 die US-Regierung ein Embargo gegen die konkurrierende Militär- und Wirtschaftsmacht. Intel darf keine Chips mehr liefern. Trotzdem hat China die Spitzenposition behalten, nur, dass der mächtigste Zahlenfresser jetzt mit Sunway-Chips arbeitet, einer chinesischen Eigenentwicklung.

"Wegen des Embargos haben die Chinesen sich um Autarkie bemüht, um Prozessoren, die in China entwickelt und hergestellt werden. Der neue Supercomputer ist also vielleicht eine direkte Auswirkung des Embargos."

So der Computerwissenschaftler Professor Jack Dongarra von der University of Tennessee. Sunway ist Chinas Prozessor für militärische Anwendungen. Entsprechend wenig ist über seine Funktionsweise bekannt. Aber die Volksrepublik verfügt auch über einen Prozessor für zivile Zwecke: Loongson. Das Hochschulinstitut, das ihn entworfen hat, erwarb dafür eine Lizenz beim US-Hersteller MIPS Technologies und hat die Technik weiterentwickelt, sodass sie auch handelsübliche Software verarbeiten kann. Professor Chenggang Wu hat darüber letztes Jahr bei Microsoft in Redmond referiert.

"Weil der Loongson-Prozessor MIPS-Befehle verwendet und es wenig Anwendungssoftware für MIPS gibt, wollen wir x86-Anwendungen auf den Loongson bringen. Sie sollen unsere virtuelle Maschine nutzen. Die Leistung dieses Übersetzungssystems liegt bei 67 Prozent der Originalsoftware."

Und nicht nur PC-Software kann Loongson verarbeiten, sondern auch Android-Apps, die ansonsten auf ARM-Chips laufen.

Kloiber: China hat einen Prozessor, der MIPS-, Intel- und ARM-Software verarbeitet. Funktioniert sowas denn wirklich, Achim?

Achim Killer: Also ich würde diesem einen chinesischen Prozessor, dem Loongson, jetzt keine allzu große technische Bedeutung zumessen wollen. Sowas ist ja schon auch mal richtig daneben gegangen – bei Intels großangekündigtem Intanium-Prozessor, mittlerweile eingestampft. Der hat x86-Software, Hewlett-Programme und eigens für ihn geschriebene Software verarbeiten können. Aber es hat ihm nichts genützt. Er war zu langsam. Aber die Zeiten haben sich mittlerweile ja geändert.

Kloiber: Inwieweit denn das?

Killer: Na ja, es gibt inzwischen Rechenleistung im Überfluss. Ein Smartphone ist ein Hochleistungsrechner für die Hosentasche. Und bei Android laufen da die Apps meist nicht direkt drauf, sondern auf einer virtuellen Maschine. So eine virtuelle Maschine kostet Rechenleistung. Ja, aber man hat es ja. Und deshalb verlieren die Standard-Prozessor-Architekturen an Bedeutung. Der Loongson ist ein MIPS-Chip. Der Supercomputer-Chip, der Sunway, vielleicht, so hört man, eine Alpha-CPU. Beides Zombies aus der Geschichte der Prozessortechnik – und die sind nicht tot.

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