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Seit 11:30 Uhr Nachrichten
StartseiteCorsoDanke, Monsieur Sax06.11.2014

Saxofon-ErfinderDanke, Monsieur Sax

Heute vor 200 Jahren kam Adolphe Sax zur Welt: der Mann, der das Saxofon entwickelt hat. Vorgesehen hatte er sein Instrument für Sinfonieorchester und Militärkapellen. Erfolgreich wurde es aber vor allem im Swing, im Jazz, phasenweise übernahm das Saxofon sogar den Pop – ohne Sax wäre uns auch einiges erspart geblieben.

Von Bernd Lechler

Ein Saxofonspieler. (picture-alliance / dpa / Aleshkovsky Mitya)
Ein Saxofonspieler. (picture-alliance / dpa / Aleshkovsky Mitya)
Weiterführende Information

Erfinder Adolphe Sax - Das Saxofon brachte ihm Ruhm und Missgunst
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 06.11.2014)

Lärm Live am Samstag - Saxofon und Surfermucke
(DRadio Wissen, DRadio Wissen Lärm, 24.08.2013)

Alte Saxofone am Rande des Schwarzwalds
(Deutschlandfunk, Firmenporträt, 09.08.2013)

Vor drei Jahren ging es gerade nochmal gut. (Mr. Saxobeat) "Mr. Saxobeat" war wochenlang Platz eins, Lady Gaga mietete sich den legendären Cla­rence Clemons (Edge Of Glory), kurz schien ein Comeback der eigentlich seit Jahren ge­schmacks­polizei­lich ver­botenen Blechkanne zu drohen.

Klar hat sie uns Großes ge­schenkt: Ja, den Bebop von Charlie Parker mit seinem Gespür für den richtigen falschen Ton oder das samtige Timbre von Stan Getz. Sonny Stitt und John Col­trane und Sonny Rollins. Oder Branford Marsalis (Sting). Aber warum gibt es die Facebook-Seite "I hate saxophones"? Warum steht im Netz der Entwurf eines Romans, in dem zwei Teenager in der Zeit zurück reisen, um die Erfindung des Saxofons ungeschehen zu ma­chen? Oder Listen der "Zehn Songs, die ein Saxofonsolo fast rui­niert hätte" (darin Radiohead und Bruce Springsteen)? Warum wird das Saxo­fon so leidenschaft­lich gehasst? Vielleicht ist ihr Ton, der der menschlichen Stimme gleicht, zu aufdring­lich. Und zwar nuan­cen­reich, aber vor allem: laut. Nicht nur im Free Jazz, der dennoch ohne Saxofon sicher nicht erfun­den worden wäre, denn nicht mit zehn Trompeten kann man derart entgrenzt herumhupen und böse tröten. Warum es dann im Heavy Metal kein Sax gibt, fragen Sie? Gibt es! (Heavy Me­tal) Scherzfrage: Was ist der Unterschied zwischen einem Saxofon und einem Rasenmäher? Antwort: Rasen­mäher klingen im kleinen Ensemble besser.

Die Achtziger: Einfach zu viel

Aber es macht einen ja gar nicht die wüste Seite des Saxofons so kirre. Sondern die sanfte! (BakerStreet) Schon im Soft­rock der Siebziger wurde sein Image leicht deka­dent. Und dann kamen eben die Achtziger (Careless Whisper).Das Jahr­­zehnt des Saxofons. Von der Wham!-Schnulze über Sades Bar­jazz bis zu Foreigners Rock: Eine Zeit lang hat­te keine Band mehr keinen Saxofonisten. Men At Work, Huey Le­wis, INXS, Dire Straits, Gröne­meyer, BAP - The Cure! David Bowie! Das 80er-Instrumental war natürlich ei­nes mit Sax (Li­ly Was Here), und welches Gerät spielt der meistgeschmähte Mu­si­ker der Welt? (Kenny G) 50 Millionen Alben voller windel­wei­chem Easy-Listening-Jazz hat Kenny G verkauft. In den Neunzigern kam der Backlash. Es war zu viel gewesen, und aus einer Grunge-Per­spek­tive etwa waren die Saxer mit ihren geblähten Backen und ihrem virtuosen Getue zu Vokuhila-Frisuren und pastell­far­benen Jac­ketts mit hochge­krem­pel­ten Ärmeln auf einmal nur noch Poser und out. Und sind es bis heute: das anhaltende Achtziger-Revi­val hat sie ausgelassen, wie Schulterpolster.

Nur manch­mal (Walk On The Wild Side) hört man etwas sehr schönes, cooles, stilsicheres; eine Stimme, die keine Gitarre und kein Klavier und auch keine Trompete hinbekommt. Und ist fast versucht zu denken: Danke, Monsieur Sax.

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