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StartseiteDlf-Magazin"Der Sozialstaat geht zugrunde"03.08.2017

Serie: Die landläufige Meinung"Der Sozialstaat geht zugrunde"

Vor der Bundestagswahl im September fragen wir: Was interessiert den Wähler und die Wählerin? Heute: Anja (52) aus Bremen, Angestellte im Stahlwerk. Ihr ist Sozialpolitik besonders wichtig. Sie fürchtet, dass soziale Leistungen abgebaut werden. Die Politik sei zu stark von der Wirtschaft beeinflusst.

Von Almuth Knigge

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Ein "Beratungs-Bus", die mobile Hartz IV-Beratung, steht am 03.08.2015 vor dem Jobcenter in der Müllerstraße in Berlin. (dpa / Wolfgang Kumm)
"Wenn ich nicht mehr arbeite, kriege ich begrenzt Arbeitslosengeld": Anja aus Bremen macht sich Sorgen. (dpa / Wolfgang Kumm)
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Welches sind die Dinge, von denen Sie im Alltag manchmal denken, darum müsste sich die Politik doch mal kümmern?

Anja: Worüber ich nachdenke? Also ich denke, dass der Sozialstaat hier wirklich zugrunde geht, dass immer mehr abgebaut wird an sozialen Leistungen, dass der Mittelstand so in dieser Form auch durch die Minijobber und alles, was dazugehört, dass die sich das überhaupt nicht mehr leisten können. Und das macht mir schon große Angst. Medizinische Versorgung, was passiert mit den Kita-Plätzen, wie werden die ausgerichtet, was ist mit der Schulbildung, alles wird zusammengefasst, alles wird über eins geschert. Und das macht mir Angst, dass das irgendwo verloren geht.

Da wird immer nur gesagt, ja, macht man, macht man, und ich muss auch ganz ehrlich sagen, die Kinder tun mir leid, was von denen alles gefordert wird mittlerweile, was sie alles so machen können, was sie einbringen sollen. Die brauchen im Endeffekt … Die haben gar keine Zeit mehr so wirklich für sich, sich zu entwickeln, zu spielen oder Sonstiges, und das finde ich auch sehr bedenklich.

Haben Sie zuletzt etwas im Internet öffentlich geschrieben oder gepostet, und wenn ja, zu welchem Thema? Wenn nein, würden Sie das denn gerne machen?

Anja: Also, ich hab nichts gepostet, weil ich auch nicht in diesem Internet … Ich les' mir da zwar vieles durch, aber selbst habe ich nicht das Bedürfnis, das so kundzutun. Ja, da geht es aber eigentlich auch darum, warum ich das nicht so kundtue, weil vieles darf man vielleicht auch gar nicht mehr so wirklich sagen, weil man dann ganz anders betrachtet wird auch.

Welches Thema beschäftigt Sie so sehr, dass Sie Ihre Wahlentscheidung im September davon abhängig machen würden?

Anja: Es hat schon viel was damit zu tun, der soziale Aspekt, der ja immer weiter verloren geht, auch politisch. Das hört sich für mich mittlerweile alles nur noch an, das ist 'ne Lobby, da wird nur noch auf irgendetwas reagiert, und der Geschäftsmann hat eigentlich das Sagen. Und das finde ich doch, dass unsere Politik nicht mehr frei ist. Und da habe ich Probleme mit und das wäre eigentlich auch was, wo ich sagen muss, das muss wieder geändert werden.

Politik muss unabhängig sein von der Wirtschaft, weil darum geht es ja dann im Endeffekt dann auch. Also das wäre für mich ganz wichtig, weil dann wird vielleicht auch noch mal wieder betrachtet, was der Mensch eigentlich wirklich will und was er auch braucht, und ich glaube, das wird einfach nicht mehr gesehen. Die leben in ihrer eigenen Welt, und wenn dann Politiker kommen und sagen, man kann auch noch mit 70 arbeiten, die wandeln schon lange nicht mehr in der Realität. Da muss ich wirklich sagen, da breche ich manchmal auch zusammen. Weil was die sich da vorstellen, was ein normal arbeitender Mensch am Tag alles leisten muss – und der hat keine Haushälter oder die kriegen auch nicht die ganzen Bezüge und noch mal die Auslagen und so weiter, das gibt es bei denen nicht.

Und dann, was weiß ich, dass sie auch einen Anspruch haben, was mich auch eigentlich ziemlich ärgert: Sind über eine Legislaturperiode im Amt, und danach haben sie dann auch noch hohe Rentenansprüche und Bezüge, die dann bezahlt werden müssen. Das ärgert mich schon ungemein. Weil, wenn ich irgendwo nicht mehr arbeite, dann muss ich auch selbst zusehen, dann kriege ich noch begrenzt Arbeitslosengeld, und danach hab ich wieder mein Leben selbst zu tragen.

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