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StartseiteSport am WochenendeSpaniens Primera División in der Krise15.09.2012

Spaniens Primera División in der Krise

Die Kluft zwischen armen und reichen Clubs wird immer größer

Jahrelang blickten die Spanier eher mitleidig auf die Bundesliga, aber mittlerweile hat sich das Bild geändert: Gelobt wird nicht nur die gute Organisation und Planung, sondern auch die solide finanzielle Situation der deutschen Clubs. Viele Vereine der Primera División sind hochverschuldet und stehen am Rande des Bankrotts.

Von Sebastian Bargon

Der FC Barcelona hat gut lachen. Durch die Einzelvermarktung in der Primera Division erlöst der Klub deutlich mehr Geld als kleinere Vereine (AP)
Der FC Barcelona hat gut lachen. Durch die Einzelvermarktung in der Primera Division erlöst der Klub deutlich mehr Geld als kleinere Vereine (AP)

Die Begeisterung der Fans für den Fußball ist in Spanien ungebrochen, aber die Primera División hat große Probleme: Der Schuldenberg der 20 Erstligaclubs ist aufgrund von Missmanagement und Großmannssucht vieler Präsidenten auf 3,5 Milliarden Euro angewachsen. Die Steuerschulden der Vereine liegen bei rund 800 Millionen Euro. Diese müssen bis zum Jahr 2020 beglichen sein, ansonsten gibt es keine Lizenz mehr.

Jahrelang konnten die Clubs in Spanien mehr Geld ausgeben als sie einnahmen. Geblendet vom sportlichen Erfolg nahmen weder die öffentliche Hand noch der Fußball-Verband Aufsicht und Kontrolle ernst. Erst die Finanzkrise und die Ankündigung der UEFA, streng auf das Financial Fair Play zu achten, haben das auf Schulden basierende Star-System ins Wanken gebracht.
Diese Woche erklärte die UEFA-Finanzkontrollkammer den Clubvorständen von Atlético Madrid und Málaga, dass die Spielprämien für dieses Jahr vorläufig eingefroren wurden. Bis Ende September müssen die Traditionsvereine die ausstehenden Gehälter an Spieler und Angestellte bezahlen.

Nur die beiden Groß-Clubs Real Madrid und Barcelona können trotz hoher Schulden aus dem Vollen schöpfen. Denn aufgrund ihrer sportlichen und ökonomischen Macht stiegen sie 1996 aus der Zentralvermarktung der spanischen Fernsehrechte aus und teilen seitdem den Löwenanteil der TV-Gelder unter sich auf. Jeweils 140 Millionen Euro kassierten die beiden Giganten im Vorjahr, während ein Underdog wie Rayo Vallecano mit 14 Millionen abgespeist wurde. Als ich Real Madrids Trainer und Manager Jose Mourinho auf die ungleich verteilten Gelder anspreche, lässt er mich mit der lapidaren Antwort "Davon verstehe ich wenig" abblitzen.

Die Attraktivität der Primera División hat durch die ungleiche Verteilung der Fernsehgelder gelitten. Seit 8 Jahren spielen nur noch Barca und Real um die Meisterschaft. In der vergangenen Saison stellte Real Madrid mit 100 Punkten und 121 Toren einen neuen Rekord auf. Valencia hatte als Tabellendritter 39 Punkte Rückstand. Kein Wunder, dass die Fans auch in diesem Jahr wieder von einem langweiligen Zweikampf zwischen Real Madrid und Barca ausgehen. Augustín Córdoba aus Valencia.

"Auch in dieser Saison werden wir wohl nur um Platz 3 spielen"

Um der Pleite zu entgehen musste der sechsfache spanische Meister F.C. Valencia in den letzten Jahren Stars wie David Villa und David Silva verkaufen. Nach der Europameisterschaft verließ der Linksverteidiger Jordi Alba den Verein für 14 Millionen Euro in Richtung Barcelona. Meine Frage, ob der Traditionsclub trotz der ungleich verteilten Fernsehgelder bei der Meisterschaft eine ernsthafte Rolle spielen kann, beantwortet Valencias Trainer Mauricio Pellegrino wie folgt:

"Das Thema Geld liegt nicht in meinem Kompetenzbereich, aber es betrifft uns natürlich alle. Als der Fußball erfunden wurde, lag ihm eine demokratische Idee zugrunde: Nämlich dass alle Teams die gleichen Chancen haben. Die ungleiche Verteilung der Gelder hat das komplett verändert. Andererseits gibt es viele Clubs, die weniger Geld zur Verfügung haben als wir und noch mehr Grund zur Klage hätten."

Längst wird in Spanien öffentlich darüber diskutiert, wie die Primera División gerettet werden kann. Vorbild ist die deutsche Bundesliga, in der die Fernsehgelder weitaus gerechter verteilt werden als in Spanien: "Volle Stadien, finanziell gesunde Clubs und ein gut organisierter Wettbewerb, in dem jeder jeden schlagen kann", schwärmt die Tageszeitung El País aus Madrid. Deren Sport-Journalistin Eleonora Giovo hat jedoch wenig Hoffnung, dass die großen Clubs Barcelona und Real Madrid bereit sind bei der Verteilung der Fernsehgelder finanzielle Zugeständnisse zu machen.

"Ich glaube, dass es wieder zu dem ewigen Zweikampf der Erzrivalen um die Meisterschaft kommt. Die anderen Teams haben keine Chance gegen Barcelona und Real Madrid. Ich fürchte, dass die Kluft wegen der ungleich verteilten Fernsehgelder sogar immer größer wird."

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