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StartseiteCampus & KarriereStipendien im Kabinett21.04.2010

Stipendien im Kabinett

Bestenförderung für Studierende beschlossen

Laut ist die Kritik und vollmundig das Versprechen der Bundesregierung: Sie hat heute nicht nur die BAföG-Bedarfssätze um zwei Prozent und die Freibeträge um zwei Prozent erhöht, sondern auch das Nationale Stipendienprogramm beschlossen.

Von Jacqueline Boysen

Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) (Deutschlandradio - Bettina Straub)
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"Eine Verbesserung des BAföG, das ist das Gebot der Stunde"

Ein neues Förderinstrument für die Begabtesten unter den rund zwei Millionen deutschen Studenten, so Bundesbildungsministerin Annette Schavan:

"Damit ist erreicht, worüber wir viele Jahre diskutiert haben, und was in der ganzen Debatte um Studienfinanzierung sicher auch Ermutigung ist für diejenigen, die überlegen, ob sie ein Studium aufnehmen oder ob nicht. "

Die deutschen Hochschulen sollen künftig die talentiertesten und begabtesten Studenten auswählen und deren Leistungen belohnen - nach dem Vorbild der Stipendienvergabe in Nordrhein-Westfalen. Es winkt eine Bestenförderung in Höhe von mindestens dreihundert Euro pro Monat - unabhängig vom BAföG oder dem Kontostand der Eltern, bezahlt von Bund und Ländern sowie privaten Geldgebern, Stiftungen und der Wirtschaft. Damit wandle sich die Begabtenförderung in Deutschland ganz grundsätzlich, glaubt Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband der Deutschen Wirtschaft:

"Es kommt insgesamt mehr privates Kapital in das Bildungssystem, das ist eines der Ziele und das zweite ist, dass wir ein dezentrales System haben, was bestimmte Fachbereiche fördern kann, was bestimmte Universitäten zur Profilbildung nutzen können. Und das sind zwei wesentliche neue Elemente, die so befördert werden. "

Das Nationale Stipendienprogramm aber stößt auf Skepsis, nicht nur bei der nun zur Kasse gebetenen Wirtschaft. Kritik kommt von den Oppositionsparteien. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, beklagt, dass bedürftige BAföG-Empfänger gerade einmal 13 Euro monatlich mehr bekommen, während das neu eingeworbene Stipendiengeld in ohnehin gut gefüllte Portemonnaies fließe:

"Studenten mit sehr guten Leistungen aus akademischen Elternhäusern mit gutem finanziellem Hintergrund bekommen nun dreihundert Euro. Während das BAföG weiter einkommensabhängig bleibt und leider zu wenig Menschen erreicht, nur 25 Prozent bekommen BAföG, die Chancen für ein Studium werden so leider nicht verbessert. "

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass die Stipendienvergabe die soziale Selektion verschärfe und Studierende aus finanziell schwachen Familien benachteilige. Auch aus studentischer Sicht fällt die Bilanz der Kabinettsbeschlüsse mager aus, so Anja Gadow, Mitglied im Vorstand des freien Zusammenschlusses der Studentinnenschaften fzs:

"Wenn wir diese heterogene Gesellschaft, die wir haben, an die Hochschulen bringen wollen, dann muss man andere Leute fördern als die, die eh schon das Geld haben. Zudem widersprechen die Ideen des Stipendienprogramms teilweise dem Ziel des Bologna-Prozesses, weil es ortsgebunden ist - also Sachen, die so nicht funktionieren. "

So bezweifeln auch die Katholischen Hochschulgemeinden in Deutschland, dass die neuen Stipendien Abiturienten aus einkommensschwachen und nicht-akademischen Familien zur Aufnahme eines Studiums ermuntern könnten. Öffentliches Geld des Bundes und der Länder müsse gezielter eingesetzt werden. Das von Skeptikern ins Feld geführte Argument, dass gerade ostdeutsche Universitäten in industrieschwachen Regionen die Stipendien gar nicht eintreiben könnten, versucht Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband indes zu entkräften:

"Die Erfahrungen aus NRW zeigen, dass es grad nicht die Wirtschaft war, die die große Menge der Stipendien zur Verfügung gestellt hat, sondern eher das private Umfeld innerhalb der Universitätslandschaft, also ein Freundeskreis, ein Freundeskreis oder Alumni. Die gibt es auch in ostdeutschen Bundesländern und mit viel mehr Loyalität als an den Massenunis, wo es schwieriger ist, Alumni zu Spenden anzuregen. "

Gegebenenfalls, so seinen Prognose, könne man ja nachjustieren.

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