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StartseiteKultur heute"Zensur wie in Zeiten der Apartheid"20.11.2013

Südafrika"Zensur wie in Zeiten der Apartheid"

Unter Verweis auf die "nationale Sicherheit" werden in Südafrika Texte und Filme gekürzt oder verboten. Nun formieren sich Intellektuelle gegen das "Gesetz zum Schutz staatlicher Informationen". Zu den Widerständlern gehört Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer.

Von Leonie March

Die südafrikanische Schriftstellerin Nadine Gordimer hält ein Buch in der Hand (picture-alliance/ dpa / epa ansa Alessandro)
Kämpft gegen Zensur in ihrem Heimatland: Nadine Gordimer (picture-alliance/ dpa / epa ansa Alessandro)
Weiterführende Information

Zensur beim Filmfestival Durban (Deutschlandradio Kultur - Fazit - 20.7.2013)

Eine Abrechnung mit Südafrikas Befreiungsbewegung (Deutschlandradio Kultur - Kritik - 18.12.2012)

"Es ist ein unglaublicher Rückfall in die Vergangenheit. Unsere Freiheit hängt davon ab, ob wir uns frei äußern können und ob wir wissen, was in unserem Land passiert. Bedroht ist nicht nur die Pressefreiheit, was schon schrecklich genug wäre, sondern alle Formen der Kommunikation, die ebenso zur Meinungsfreiheit gehören. Deshalb ist dieses Gesetz so gefährlich."

Besonders ernüchternd ist es für Nadine Gordimer, dass ausgerechnet der ANC, der selbst unter der Zensur der Apartheid gelitten hat, nun ein solches Gesetz vorantreibt. Gegen jegliche Kritik und trotz enormer verfassungsrechtlicher Bedenken.

"Dahinter steckt die fatale Anziehungskraft der Macht. Es ist wirklich tragisch, dass diese Regierung jetzt die Meinungsfreiheit unterdrücken will; jeden Gedanken, mit dem sie nicht einverstanden ist. Der Hintergrund dieses Vorstoßes ist aber noch desillusionierender: Und zwar das Ausmaß der Korruption auf höchster Ebene." Die politische Elite wolle sich weder rechtfertigen, noch kritisiert werden, meint Nadine Gordimer. Deshalb wolle sie Journalisten und Künstlern einen Maulkorb verpassen.

Präsident mit offener Hose

Tatsächlich haben die Zensur-Versuche in den vergangenen Jahren zugenommen. International machte die Kontroverse um das Gemälde „The Spear“ Schlagzeilen: Das Bild zeigt Südafrikas Präsident Jacob Zuma in Lenin-Pose mit offener Hose und heraushängendem Geschlechtsteil. Nach wütenden Protesten und martialischen Drohungen hängte die renommierte „Goodman Gallery“ das Werk ab. Ein Vorfall, der Spuren hinterlassen habe, resümierte Galeristin Liza Esser vor ein paar Wochen auf der Johannesburger Kunstmesse.

"Ich muss mich permanent mit dem Thema der Selbstzensur auseinandersetzen. Sowohl als Galeristin, bei der Auswahl der Werke als auch in der Zusammenarbeit mit Künstlern. Es ist Teil des Dialogs in der Kunstszene geworden. Gerade junge Künstler sind verunsichert und fragen sich, ob ihre Arbeiten in Ordnung sind."

Grundsätzliche Debatte fehlt

Doch nicht nur bildende Künstler sind betroffen. Im Sommer verhinderten die Behörden, dass der Spielfilm „Of Good Report“ von Regisseur Jahmil XT Qubeka bei der Eröffnung des Internationalen Filmfestivals in Durban gezeigt wurde. Sie bezichtigten ihn der Kinderpornographie. Ein Vorwurf, der sich später als haltlos herausstellte.

"Unsere Gedankenpolizei scheint zu sagen, dass nicht nur die Kinderpornografie verboten ist, sondern auch die Diskussion darüber. Wir leben in einem Land mit alarmierenden Statistiken von Teenagerschwangerschaften, aber wir Künstler sollen dazu schweigen. Diese Reaktion spiegelt die Ignoranz und die Inkompetenz der zuständigen Regierungsstellen wieder. Ich bin nicht bereit, meine Gedanken von irgendjemandem kontrollieren zu lassen, vor allem nicht von Idioten."

Solch starke Worte fallen meist nur im direkten Zusammenhang mit Zensurfällen. Leider mangelt es an einer grundsätzlicheren Debatte über Meinungsfreiheit und die gesellschaftliche Aufgabe von Künstlern in Südafrika. Dabei wären es zentrale Themen für die junge Demokratie.

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