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StartseiteCampus & KarriereTop oder Flop - Professoren-Vergleich im Internet05.05.2006

Top oder Flop - Professoren-Vergleich im Internet

Auf "MeinProf.de" bewerten Studierende die Hochschullehre

Für Verbraucher ist der Blick ins Internet heute eine Selbstverständlichkeit: Erst mal schauen, wie andere ein Produkt bewerten, bevor viel Geld ausgegeben wird. Was bei Kaffeemaschine oder Auto funktioniert, kann doch auch für Professoren nicht falsch sein, dachten sich findige Informatikstudenten aus Berlin und haben die Website "MeinProf.de" ins Leben gerufen, wo Professorinnen und Professoren bewertet sind. Manche Hochschulen sind davon aber gar nicht begeistert.

Von Karl-Heinz Heinemann

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MeinProf.de

Ende letzter Woche war Professor Siegfried Osterrieder, Ingenieurwissenschaftler an der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten, mit der Gesamtnote 1,1, einer der Spitzenreiter dieses Rankings. Ihm kam vor allem eine hohe Spaßfaktornote von 1,0 zugute. Nur seine Vorlesung in Funknavigation schneidet mit einer Gesamtwertung von 1,2 relativ schlecht ab. Auch die anderen auf der Startseite des MeinProf.de-Portals ausgewiesenen Spitzenprofs kommen von Fachhochschulen, die kaum jemand kennt, und sie lehren technische und naturwissenschaftliche Fächer, wie der Elektrotechnik-Professor Horst Toonen von der Fachhochschule Gelsenkirchen, der in dieser Woche mit einem verdächtig lupenreinen 1,0-Ergebnis in allen Disziplinen an die Spitze gerückt ist. Ein Kommentar wie: "Herr Toonen dem macht keiner was vor! Der ist einfach unangefochten der beste Prof. den es gibt." klingt noch ganz glaubwürdig, wenn man aber mehrfach die Bewertung "Super-Prof." findet, dann liest sich das wie eine Standardbewertung für einen Verkäufer bei Ebay. Offenbar haben vor allem Ingenieurstudenten an kleinen Fachhochschulen Spaß an solchen Internetbewertungen. Und wie in der wirklichen Warenwelt gilt wohl auch bei den Bildungsdienstleistern: Bei Nischenprodukten ist die Kundenbindung einfach höher, und deshalb teilt man seine positive Produktbewertung auch gern anderen mit. Man identifiziert sich eben mehr mit einem MG Spider als mit einem Golf, und mit der Fachhochschule Ravensburg mehr als mit der Uni Köln.

Auch die Flop-Professoren kommen von den kleinen Fachhochschulen. Ein Ingenieur aus Furtwangen hangelt sich mit Mühe an der glatten fünf vorbei. Seine Fairness, die Verständlichkeit seiner Vorlesungen, die von ihm erfahrene Unterstützung und der Spaß, den er vermittelt, werden im Schnitt kaum als ausreichend bewertet. "Didaktisch, technisch wie auch menschlich komplett unfähig." Kommentiert ein Student.

Nun gibt es ja einige Hochschulen, von denen man von vornherein Spitzenwerte erwartet. Dazu gehört zweifellos die RWTH Aachen. Sie ist die einzige nordrhein-westfälische Universität unter den zehn auserwählten, aus denen demnächst eine internationale Jury die deutschen Eliteuniversitäten kürt. Aachen bewirbt sich mit einem Programm "Von der Idee zum Produkt" um einen Spitzenplatz. Dort hat man offenbar begriffen, dass man nicht mehr still vor sich hin forschen und lehren kann, sondern viel Wind machen und sich an Rankings und Wettbewerben beteiligen muss. Gerade von einer so marktwirtschaftlich "aufgestellten" - wie das heute heißt - Hochschule sollte man Verständnis, ja geradezu Begeisterung für eine kundenorientierte Bewertung erwarten, wie sie die Berliner Informatikstudenten mit dem Internetportal Mein Prof geschaffen haben. Das schafft die Transparenz, die man auf einem ordentlich funktionierenden Markt braucht. Doch was geschieht? Ausgerechnet die Leitung dieser Hochschule beschwert sich, sie verlangt, dass die Wertungen aus dem Netz genommen würden, sie würden gegen das Datenschutzgesetz verstoßen. Die Berliner MeinProf-Betreiber sind zwar anderer Meinung, geben aber klein bei, weil sie für einen Prozess kein Geld haben. Nun stehen nur noch sieben Aachener Professoren mit Bewertungen im Netz - sie haben persönlich ihre Einwilligung erklärt. Und, wen wundert es, es sind ausschließlich Hochschullehrer mit Einsernoten.

Vorlesungsrezensionen haben eine lange Tradition, sie standen in den sechziger Jahren am Beginn der Studentenbewegung. Über das Argument mit dem Datenschutz "könnte man lange nachdenken." Schreibt ein Jura-Student in einem Blog, denn ganz so geheim sind weder die Daten über die Lehrveranstaltungen noch über die Professoren ja doch nicht, schließlich kann man sich überall ein Vorlesungsverzeichnis kaufen. Die wettbewerbliche Hochschule ist ja schön und gut, scheinen sich die Aachener Professoren zu sagen, etwa wenn es um die Milliarden aus der Exzellenzinitiative geht. Aber sich selbst dem Wettbewerb stellen? Davor hat man in Aachen offenbar doch Angst.

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