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StartseiteSport am WochenendeExperte kritisiert FIFA: "Ein Witz"29.05.2014

WettmanipulationExperte kritisiert FIFA: "Ein Witz"

Auch bei der WM können ohne weiteres Spiele verschoben werden, sagt der Wettbetrugsexperte Declan Hill. Die Präventions-Maßnahmen des Fußball-Weltverbandes FIFA hält der Kanadier für ungeeignet.

Declan Hill im Gespräch mit Philipp May

(Martin Gerten dpa/lnw)
Wett-Schein für Fußball-Wetten (Martin Gerten dpa/lnw)

Philipp May: Wird es bei der WM verschobene Spiele geben?

Declan Hill: Man weiß nie, ob es in der Zukunft verschobene Spiele geben wird, das ist auch nicht die Art des Journalismus, die ich mache. Ich beziehe mich ausschließlich auf Fakten und nicht auf Hypothesen, aber wir könnten verschobene Spiele sehen, weil es so viele Schwachstellen im System gibt, die die Fifa nicht gelöst hat.

Philipp May: Wo sind die  Schwachstellen?

Declan Hill:Sie bezahlen die Spieler nicht.

Philipp May: Die Fifa sollte die Spieler bezahlen, aber sie werden doch von ihren Clubs bezahlt und das ziemlich gut...

Declan Hill: Ja, aber dafür, dass sie für ihre Clubs spielen und nicht dafür, dass sie bei der WM spielen. Sie, zum Beispiel, haben einen  großartigen Job. Wie gut würden Sie den Job machen, wenn Sie dafür kein Geld bekommen würden? Und die Spieler werden nicht bei der Weltmeisterschaft bezahlt. Und ich meine nicht  das Deutsche, italienische, argentinische oder englische Team. Ich spreche von Nigeria, Ghana, Kamerun, Honduras. In diesen Teams aus den Entwicklungsländern gibt es das chronische Problem, dass die Spieler ausgebeutet werden. Jeder in der Welt des Fußballs weiß über das Problem bescheid.  Aber sie sprechen lieber über Matchfixing-Präventionsprogramme. Das ist Blödsinn. Es ist so einfach das Problem zu lösen. Bezahlt einfach die Spieler, dafür dass sie bei der WM spielen.  Da sind spieler dabei aus der ersten Liga in Honduras, die verdienen, wenn sie Glück haben 1.000 Dollar im Monat. Und jetzt haben sie diese einmalige Chance in ihrem Leben bei der WM zu spielen. Natürlich müssen sie dafür bezahlt werden.

Philipp May: Also denken Sie, dass der Hauptangriffspunkt für die Wettpaten gar nicht die Schiedsrichter sind, sondern die Spieler...Oder doch sowohl als auch?

Declan Hill: Die bestechen jeden, den sie kriegen können, aber noch einmal. Mach das Problem nicht kompliziert. Es ist sehr einfach. Wenn du nicht bezahlt wirst, wirst du wahrscheinlich korrupt . Also: Stell sicher, dass alle bezahlt werden. Die FIFA gibt jedem einzelnen Verband 9 Millionen Dollar, dann noch einmal 1 Million für die Trainingslager und die Unterbringung in Brasilien und dann sind da noch einmal 8 Millionen die noch verteilt werden sollen. In vielen dieser Länder leiten die Fußball-Funktionäre dieses Geld nicht weiter. Sie zocken ihre Spieler ab. Es ist sehr leicht das zu lösen: Bezahlt die Spieler direkt! Jeder Spieler bekommt ein Minimum-Gehalt von vielleicht 50-60.000 Dollar pro Spiel. Für jedes Tor gibt es einen Bonus, Wenn man ohne Gegentor bleibt als Torwart oder Abwehrspieler, auch. Das würde Wettmanipulation bei der Weltmeisterschaft mit einem schnellen Zug ausrotten

Philipp May: Ok, Die Bezahlung der Spieler ist ein Punkt. Aber trotzdem sagt die FIFA, dass sie sich sehr wohl des Problems Matchfixing bewusst sind. Sie sagen, dass sie den Wettmarkt mit mehreren Systemen überwachen...

Declan Hill: Das Frühwarnsystem ist ein Witz. Es gibt allein über 20.000 Internetseiten auf denen man wetten kann. Doch das System überwacht gerade einmal 400 europäische Webseiten. Sie haben niemanden, der den asiatischen Wettmarkt überwacht, wo die Schieber arbeiten. Die andere Sache ist, dass während der WM, so hohe Geldmengen gesetzt werden, dass Unregelmäßigkeiten überhaupt nicht auffallen würden. In der 2. Deutschen Bundesliga fällt so etwas auf, weil da viel weniger Geld gesetzt wird. Da schauen auch nicht Milliarden von Menschen zu, anders als bei der WM, wo bei allen 64 Spielen Milliarden von Dollars oder Euros gesetzt werden. Das macht es sehr sehr schwer, den Wettmarkt zu überwachen.

Philipp May: Die Fifa sagt auch, dass Sie so genannte Fly in Teams einsetzen wollen, dass direkt  zum Stadion fliegt um Ermittlungen aufzunehmen, wenn Sie merken, dass irgendetwas faul ist. Haben Sie davon schon gehört, Hört sich ein bischen nach einem ActionFilm an.

Declan Hill: Ich mag Fifa-Sicherheitschef Ralf Mutschke. Zumindest ist er ehrlich. Zumindest sieht er das Problem. Herzlichen Glückwunsch an die FIFA, dafür dass sie meine Warnungen endlich ernst nehmen. Als mein Buch vor sieben Jahren herauskam, haben Sie noch gesagt, dass das alles unmöglich sei. Das könnte bei einer WM niemals passieren. Jetzt beginnen sie zumindest damit realistisch mit dem Problem umzugehen. Dennoch: All diese Sachen sind so gut wie nutzlos. Der beste Weg, das zu stoppen, ist es, die Spieler zu bezahlen. Ihre Zuhörer müssen einfach nur überlegen. Wie gut würden sie ihren Job machen, wenn sie nicht bezahlt werden. Wenn ihr Chef sagen würde: „Wir werden nicht bezahlen, aber wir bringen Dir bei, wie Du ein ehrlicher  Mensch wirst. Ihre Zuhörer in Deutschland würden sagen: Ok, das bringt kein Essen auf den Teller. Und mit Fußballprofis und  Schiedsrichtern. Die WM ist das größte Sportevent der Welt. Es bringt den Menschen, beziehungsweise den  Marketingchefs und den Funktionären, Milliardeneinnahmen. Ein Teil des Geldes sollte direkt zu den Spielern gehen, es sollte effektiv, ohne Umwege verteilt werden. Es ist wirklich sehr einfach.

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