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Seit 11:05 Uhr Interview der Woche
StartseiteCorsoAnleitung zu einer besseren Welt05.05.2014

Yes MenAnleitung zu einer besseren Welt

Auf der re:publica in Berlin treffen sich Blogger, Netzaktivisten und Medienschaffende, um über Trends und Probleme der digitalen Gesellschaft zu diskutieren. Als Redner werden dieses Jahr auch die YES MEN erwartet: zwei junge Männer, die mit kreativen Täuschungsaktionen dem Großkapital das Fürchten lehren wollen. Ein Porträt in Form eines Aktionsplans für eine bessere Welt.

Von Emily Thomey

Besucher mit Laptop auf der Internetkonferenz re:publica (picture alliance / dpa / Ole Spata)
Besucher mit Laptop auf der Internetkonferenz re:publica (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Haben Sie auch bemerkt, dass in unserer Welt ziemlich viel schief läuft? Die globale Klimaerwärmung beispielsweise. Oder Unternehmen, die viel Geld machen, aber leider auf Kosten anderer. Wenn wir die Zeitungen aufschlagen, das Radio oder Fernsehen anschalten, hören wir kaum Nachrichten, die uns glücklich machen. Fragen Sie sich auch, was Sie dagegen tun können?!

1. Finden Sie ein Problem.

Ein Nachrichtensprecher von BBC World:

„Sie schauen BBC World. Unsere Schlagzeilen heute: In Indien wird an die weltweit schlimmste Chemiekatastrophe erinnert. Vor über 20 Jahren entwichen 40 Tonnen Giftgas aus einem Chemiewerk in Bhopal, vergifteten die Atmosphäre und das Grundwasser. Über 7000 Menschen starben an den Folgen. Nur wenige der Opfer erhielten geringe Entschädigungszahlungen und viele zigtausende Menschen leiden bis heute an den Folgen der Tragödie."

2. Finden Sie die Lösung zu dem Problem und erzählen Sie davon.

Ein Sprecher der Firma Dow Chemicals in der gleichen Nachrichtensendung von BBC World:

„Ich bin sehr, sehr froh, heute bekannt geben zu dürfen, dass Dow Chemicals die volle Verantwortung für die Katastrophe von Bhopal übernimmt. Wir haben einen 12 Milliarden Dollar Entschädigungsplan aufgestellt, der alle Opfer angemessen versorgt und wir werden das Chemiewerk in Bhopal endlich reparieren."

Der Sprecher von Dow Chemicals, der 2004 live in der BBC World Nachrichtensendung sprach, war leider nicht echt. In Wirklichkeit handelte es sich bei dem gut gekleideten Mann im Anzug um Andy Bichlbaum, einen der beiden Yes Men. Die Yes Men kämpfen als Kommunikationsguerilla seit gut 15 Jahren für eine bessere, gerechte und menschenfreundliche Welt. Ihre Strategie: Sie geben sich als Vertreter internationaler Konzerne oder Institutionen aus und verbreiten Lügen. Lügen, die wie gute Nachrichten klingen - zu gut, um wahr zu sein. Im Fall der Chemiekatastrophe ging die Nachricht von der falschen Entschuldigung um die Welt.

3. Seien Sie sicher, dass die Menschen, denen Sie helfen wollen, sich freuen, auch wenn Sie Lügen erzählen. Denn es gibt gute und schlechte Lügen.

Die Menschen in Bhopal hatten sich gefreut:

„Das war wunderbar von Ihnen. Wenn ich die Hölle erwarte und für einen Moment im Himmel sein kann, sage ich danke."

4. Tarnen sie sich im Gewand ihrer Gegner und entlarven Sie die schlechten Lügen und den Schwachsinn, den ihre Gegner verbreiten.

Um im Informationsdschungel wahrgenommen zu werden, nutzen die Yes Men das Internet. Hier bauen sie Webseiten, die so aussehen wie die Webseiten ihrer Gegner und platzieren sie so im Netz, dass sogar professionelle Quellenchecker - wie seinerzeit die BBC World Journalisten auf der Suche nach Dow Chemical – bei ihnen landen und auf sie hereinfallen. Parker Higgins, Experte für Onlineaktivismus: "Die Yes Men nutzen für ihre gefälschten Webseiten, dass viele Menschen die technischen Details des Internet nicht kennen und achten darauf, dass alle die Codes, die oberflächlich Authentizität vermitteln, stimmen."

Zu diesen Codes gehören glaubhafte Webadressen, Logos und Texte, kluge Verknüpfungen im Internet oder glaubhafte Pressemitteilungen - und auch entsprechendes Auftreten. So schafften es die Yes Men immer wieder mit Falschmeldungen, wie diesen, in die Nachrichten: "Die US-Handelskammer ist nun doch für das Klimaschutzgesetz und nicht wie bisher dagegen ... ähm, Moment ... Die US-Handelskammer dementiert. Okay vielleicht doch nicht."

5. Hören Sie nicht auf, an eine bessere Welt zu glauben.

Mittlerweile, nach 15 Jahren erfolgreicher und sehr unterhaltsamer Informationsguerilla, sind die beiden Gründer der Yes Men, Andy Bichlbaum und Mike Bonanno, schon so bekannt, dass sie bei ihren Auftritten – trotz Businessanzug, Krawatte und gut eingeübter Business-Sprache – erkannt werden. Zahlreiche Videoclips im Internet und zwei DVDs tun ein Übriges, um die Botschaften der Yes Men zu verbreiten. Trotzdem ist die Welt noch nicht wieder in Ordnung. Es wird Zeit für das nächste Level im Kampf um die Informationshoheit, sagen die Yes Men:

"Wir bauen das Action Swiftboard, eine Plattform, mit der wir inspirierten Zuschauern die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden. Es wird Menschen geben, die euch helfen werden, eure eigenen Aktionen umzusetzen. Und mehr Aktionen ist das, was wir dringend brauchen. Es sieht schlecht aus mit der Welt. Wir alle müssen etwas tun."

6. Und nun der letzte und wichtigste Schritt: Werden Sie aktiv und machen Sie mit!

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