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StartseiteForschung aktuellZentrale Figur im Klimaspiel03.05.2007

Zentrale Figur im Klimaspiel

Klimaexperten unterstreichen Bedeutung des Energiesektors

Klimaforschung. – Allen Bemühungen zum Trotz gelangen die Teilberichte des zwischenstaatlichen Klimafolgenrates immer vor dem offiziellen Erscheinungsdatum an die Öffentlichkeit. So auch der dritte Teil, der sich einzelne Wirtschaftssektoren vorgenommen hat, die besonders viel zur CO2-Reduktion beitragen können. Besonders die Energieerzeugung gerät da ins Blickfeld.

Von Volker Mrasek

Bei der Energieerzeugung kann nach Auffassung des IPCC noch viel Kohlendioxid eingespart werden. (AP)
Bei der Energieerzeugung kann nach Auffassung des IPCC noch viel Kohlendioxid eingespart werden. (AP)

Trotz aller mahnenden Appelle: Klimaschädliche Kohle- und Gas-Kraftwerke produzieren von Jahr zu Jahr mehr Strom für die Welt. Nach dem Schlussentwurf von Teil III des neuen UN-Klimareports wächst der Bedarf an Primärenergie jährlich um 1,4 Prozent; in Asien sind es sogar 3,2. Auch wenn immer mehr Biomasse-Kraftwerke und Windkraftanlagen ans Netz gehen - die Einführung erneuerbarer Energieträger kann mit der ständig steigenden Nachfrage nicht Schritt halten. Deshalb laufen fossile Kraftwerke unverändert auf Hochtouren, und sie steigern ihren CO2-Ausstoß sogar noch. Aus Sicht des Welt-Klimarates steht und fällt erfolgreicher Klimaschutz daher mit Veränderungen in der Energiewirtschaft. Im Textentwurf, der zur Stunde in Bangkok erörtert wird, mahnen die Experten. Zitat:

"Investitionszyklen im Energiesektor [dauern] Jahrzehnte. Für die Einführung kohlenstoffarmer Technologien ist deshalb [eines] entscheidend: Wofür die 16 Billionen US-Dollar verwendet werden, die im Energiesektor als Investitionssumme bis 2030 voraussichtlich zur Verfügung stehen." "

Es gebe eine ganze Reihe von Optionen, um den CO2-Ausstoß im Kraftwerksbereich zu drosseln. Und zwar, Zitat:

"Erneuerbare Energien, den Wechsel von Kohle zu [emissionsärmerem] Erdgas, die Kernenergie sowie die Abscheidung von CO2 in Verbindung mit Kohle- oder gasbefeuerten Kraftwerksanlagen. Eine kritische Frage ist insbesondere, wie schnell neue Kohle-Kraftwerke mit einer solchen Technologie ausgestattet werden können. Denn eine Nachrüstung bestehender Anlagen ist grundsätzlich unwirtschaftlich."

Carbon Capture and Storage nennt sich das Prinzip, abgekürzt: CCS. Der Energiekonzern Vattenfall baut zurzeit ein erstes solches Pilotkraftwerk in der Lausitz. Der Welt-Klimarat geht davon aus, dass CCS-Anlagen im Jahr 2030 mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 vermeiden könnten. Eine entscheidende Frage gilt es allerdings noch zu klären: Was geschieht mit dem Treibhausgas? Wo soll man es speichern? Mit möglichen Endlagern für das CO2 haben sich die Klima-Gutachter der Vereinten Nationen bereits beschäftigt, in einem Sondergutachten. Hauptautor war der niederländische Chemie-Ingenieur Bert Metz:

"Das können alte Öl-, Gas- oder Kohlelagerstätten sein. Oder Salzstöcke. Man kann Kohlendioxid auch mit mineralischen Schlacken reagieren lassen, wie sie in der Stahlindustrie anfallen. Dann wäre es in festem, deponierfähigem Material gebunden. Alles in allem haben diese Technologien durchaus ein großes Potential, CO2 zu binden."

Im Moment ist das allerdings mehr Wunsch als Wirklichkeit. Denn der Nachweis, dass man Kohlendioxid dauerhaft unter Tage versenken kann, ist noch nicht erbracht. Das größte Klimaschutz-Potential attestiert der neue UN-Bericht der Bioenergie. Damit sind zum Beispiel Kraftwerke gemeint, die Holzabfälle verfeuern oder Strom aus Biogas gewinnen. Laut dem Textentwurf könnten solche Anlagen im Jahr 2030 dazu beitragen, über drei Milliarden Tonnen CO2 zu vermeiden - also dreimal so viel wie Kohle- und Gaskraftwerke mit CCS-Technik.

Große Potentiale sieht der Welt-Klimarat auch in der Kernenergie. Neue Atomkraftwerke könnten in den nächsten beiden Jahrzehnten knapp 2,9 Milliarden Tonnen CO2 vermeiden helfen, heißt es im Bericht der Sachverständigen. Allerdings müsse die sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle gewährleistet sein. Längst wird wieder stärker in die Kernenergie investiert. Das zeigen Zahlen der Internationalen Atomenergieorganisation in Wien. IAEO-Experte Alan McDonald
kürzlich auf einer Fachkonferenz:

"Weltweit sind heute 442 Kernkraftwerke in Betrieb und 24 weitere im Bau. Den größten Zuwachs gibt es momentan im Fernen Osten. Indien baut derzeit so viele Atomkraftwerke wie kein anderes Land: insgesamt acht Anlagen. Der Anteil der Kernenergie an der Stromproduktion in Indien soll sich mittelfristig verzehnfachen."

Das Beispiel Indien zeigt, wie sehr der weltweite Energiehunger noch wachsen wird. Und wie wichtig es ist, auch diesen Passus im neuen Welt-Klimareport zu kennen. Zitat:

"Energie sparsamer zu nutzen - das spielt eine Schlüsselrolle in allen Weltregionen."

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