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StartseiteCampus & KarriereZukunft digitaler Campus09.11.2007

Zukunft digitaler Campus

Hochschulen in "Second Life"

Der mediale Großhype um das 3D-Internet-Spiel "Second Life" ist zwar etwas abgeflaut. Doch als Medium sind die virtuellen Welten immer noch an vielen Hochschulen im Einsatz. An der Rheinischen Fachhochschule Köln beispielsweise kann man Vorlesungen der Medienwirtschaft auch als Avatar in "Second Life" besuchen.

Von Silke Schmidt

Second Campus? (secondlife.com)
Second Campus? (secondlife.com)

" Herzlich willkommen zu meiner virtuellen Vorlesung, ist auch für mich eine virtuelle Premiere. "

Kleine Tonaussetzer gleich am Anfang. Aber immerhin - man kann ihn gut verstehen: Gastdozent Daniel Doege sitzt nämlich nicht im Medienraum der Rheinischen Fachhochschule, sondern 3 Straßen entfernt an seinem Computer. Er ist über die Internetplattform Second Life zugeschaltet.

" Ich höre mich sehr doppelt, aber das lässt sich wahrscheinlich nicht vermeiden mit Eurem Lautsprecher, oder? "

Die technischen Probleme werden behoben, dann begeben sich die Studierenden auf eine Reise zwischen zwei Welten: Einerseits sitzen sie im Vortragssaal der Rheinischen Fachhochschule, andererseits im virtuellen Campus von Second Life. Auf den Treppen im schicken 3D-Hörsaal haben sich die Avatare versammelt: die digitalen Studentenstellvertreter sind eine extravagante Schar: Unter anderen lauschen ein Zebra, ein Stofftierhund und eine Frau Typ "Vamp" der Powerpoint-Präsentation des Gastdozenten. Es geht um den Auftritt einer bekannten Chipsmarke in Second Life. Ein passendes Thema für die Studenten der Medienwirtschaft.

" Virtuelle Welten ist nicht nur ein Hypethema, das sich ganz kurz mal ergeben hat. Sondern virtuelle Welten sind und werden in Zukunft die Kommunikation von Unternehmen und von Menschen mittragen. Es ist wichtig, dass Studenten im Laufe ihres Studiums auch darauf mal hingewiesen werden, dass es so etwas gibt. "

Bernd Schmitz unterrichtet das Fach "Multimedia" an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Als einer der ersten Hochschuldozenten in Deutschland hat er virtuelle Projekte auf der Plattform "Second Life" initiiert. Mittlerweile ist er längst nicht mehr alleine:

" Mir sind 15 Hochschulen bekannt, die eine Second-Life-Aktivität haben oder ganz in Second Life Forschungen betreiben. "

Die Anglisten der Uni Düsseldorf haben ein mittelalterliches Dorf in Second Life gegründet, Juristen der Uni Saarbrücken simulieren Gerichtsprozesse in der virtuellen Welt, Architekten der Bauhaus-Uni in Weimar haben eine Ausstellung visualisiert. Bernd Schmitz:

" Wenn ein Architekturstudent in Second Life ein Haus baut, dann kann er durchgehen, aber er kann auch seine Freunde mitnehmen und ihnen das Haus zeigen, mit ihnen über diese Architektur reden, es visualisieren. "

Der Möglichkeiten gibt es viele, doch nicht alle Unis nutzen das Medium. Patrick Honecker, Pressesprecher der Universität Köln.

" Second Life ist sehr stark kommerzialisiert worden, es ist teilweise missbraucht worden, auch in den Bereichen der Pädophilie, d. h. das Image, das man mit Second Life hat, am Anfang war es sehr innovativ, entspricht heutzutage nicht mehr ganz dem, was wir gerne haben. "

Es gäbe Alternativen: mittlerweile seien mindestens drei Dutzend verschiedene virtuelle Welten von unterschiedlichen Anbietern auf dem Markt - so Multimedia-Dozent Bernd Schmitz. Seiner Meinung nach ist es ein Fehler, wenn Hochschulen das Thema "virtuelle Welten" ausblenden. Zwar seien Präsenzveranstaltungen immer noch die beste Methode, um Studenten bei der Stange zu halten. Doch im Bereich des Elearnings stehen seiner Meinung nach virtuelle Welten in Zukunft ganz vorne.

" Es wird ein klarer Bestandteil der Unterrichtslehre sein und es mag vielleicht noch einen Zeitraum von ein paar Jahren geben, bis Technik, Bandbreiten, bis Internet so schnell geworden ist, dass virtuelle Welten sich auch in der Qualität verwenden lassen, wie wir es im Hochschulsektor brauchen. Es ist heute noch ein Pilotcharakter. "

Tücken mit der Technik haben auch die Studierenden der Rheinischen Fachhochschule Köln erlebt:

" Ich hatte bereits zu Hause versucht, den Second Life Client zu installieren. Hat leider nicht funktioniert. "

" Der Ton war eher grausam. Und relativ langsam. Unser Server war ein bisschen überlastet. In dem Bereich muss noch etwas getan werden. "

Trotzdem fanden die meisten ihre erste Second-Life-Vorlesung ganz spannend. Denn wenn es dann mit der Technik irgendwann mal richtig klappt, dann können sie die nächste vielleicht schon gemütlich auf dem Laptop zu Hause verfolgen - natürlich vom Sofa aus.

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