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25 Jahre Maastrichter Verträge
Wie die EU Geburtstag feiert

Vor 25 Jahren wurden in den Niederlanden die Grundlagen der Europäischen Union gelegt. Die Maastrichter Verträge haben die europäische Integration vorangetrieben. Und trotz aller EU-Skepsis glaubt die Stadt noch immer fest an die europäische Idee.

Von Kerstin Schweighöfer | 09.12.2016

Von Kerstin Schweighöfer
Der 25. Geburtstag des wichtigen Maastrichter Vertrages verweist auch auf die Geburtsstunde des Euro. (imago stock&people)
Auf dem Marktplatz der alten Römerstadt Maastricht schwirren deutsche, französische und niederländische Wortfetzen durch die Luft. Hier im Süden der Niederlande, in der sogenannten Euregio, ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Menschen längst Alltag. Aachen und Lüttich sind nur zehn Autominuten entfernt.
Trotz ihres internationalen Flairs war die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg für den Rest der Welt lange Zeit ein blinder Fleck auf der Landkarte. Das hat sich spätestens vor 25 Jahren geändert - mit dem Vertrag von Maastricht, freut sich Rentner Cor Halmans, der als Fremdenführer gerade wieder eine Gruppe von Touristen durch das Gewirr der Altstadtgassen lotst:
"Das hat die Stadt verändert. Wir haben viele internationale Institute bekommen, tausende von Studenten aus den Nachbarländern studieren bei uns. Jeder kennt uns."
Geburtsstunde der Europäischen Union
Kein Wunder also, dass die Maastrichter den 25. Geburtstag dieses wichtigen Vertrages nicht sang- und klanglos an sich vorbeiziehen lassen. Immerhin schlug damals die Geburtsstunde des Euro. Aus der EG wurde die EU. Und die sollte fortan auf drei Säulen ruhen.
Neben der Vertiefung der Gemeinschaft wurde das Fundament für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gelegt und als dritte Säule auch eine Zusammenarbeit der Justiz- und Innenminister angestrebt. Das alles geschah auf einer Halbinsel am anderen Maas Ufer, im sogenannten Gouvernements Gebäude, dem Amtssitz der Limburgischen Provinzialbehörde:
Voller Stolz führt Ellyan van Duurling durch den Plenarsaal, in dem die zwölf Regierungschefs am 9. und 10. Dezember 1991 an einem großen runden Tisch verhandelt haben - umgeben von einer Armee an Sicherheitskräften, NATO-Stacheldraht und Tauchern in der Maas. Dadurch sei die Halbinsel so sicher gewesen, dass der französische Präsident François Mitterrand in jeder Pause ungestört draußen seine Runden drehen konnte. Er sei der eifrigste Spaziergänger unter den zwölf gewesen.
An diese historischen Tage vor 25 Jahren erinnert Maastricht in den nächsten Monaten mit Debatten, Festivals und einer großen Konferenz, zu der sich heute EU-Schwergewichte treffen wie Jeroen Dijsselbloem, Jean-Claude Junker und Herman van Rompuy. Aber: "Das Wort 'feiern' vermeiden wir bewusst", betont Mitorganisator Vincent van der Stouwe:
"Wir sprechen lieber von 'gedenken'. Viele Menschen haben zu Recht Kritik an Europa - man denke nur an den Brexit, an die Finanz- und die Flüchtlingskrise. Aber es ist wichtig darüber zu reden. Über das, was damals geschehen ist. Was gut gegangen ist und was nicht. Und wie es in den nächsten 25 Jahren weiter gehen soll. Freunde und Feinde von Europa sollen die Debatte angehen, Alt und Jung."
Darüber reden, wie es mit der EU weitergehen soll
Theo Bovens, der Gouverneur der Provinz Limburg, will dem Rest Europas vor allem beweisen, wie gut die europäische Zusammenarbeit in der Grenzregion bereits verläuft und wie lebenswichtig sie für die Menschen dort ist. Um Europa-Gegnern wie Geert Wilders, der die Grenzen wieder schließen will, den Wind aus den Segeln zu nehmen:
"Wilders kommt selbst aus Limburg, aber was er will, ist nicht im Interesse der Limburger. Tausende von Belgiern arbeiten bei uns im Gesundheitssektor - ohne sie hätten wir große Probleme. Das Gleiche gilt für die unzähligen Erntehelfer aus Osteuropa, die bei uns Paprika pflücken und Spargel stechen. Wir sind auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen!"
Der freie Personen- und Güterverkehr habe das Leben in der Grenzregion wesentlich erleichtert. Aber es gebe nach wie vor große bürokratische Hürden. Doppelt zahlen für die Krankenversicherung zum Beispiel, Probleme bei der Steuererklärung. Das alles müsse dringend harmonisiert werden und sei im Vertrag von Maastricht auch vorgesehen, so Bovens. Höchste Zeit, das alles umzusetzen:
"Was ich mir wünsche, ist ein Europa, basiert auf den Erfahrungen der Grenzregionen. Wir können zeigen, was alles möglich ist. Der Rest Europas sollte auf uns hören."