Mittwoch, 08. Dezember 2021

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36 Jahre später

Afghanistan gegen Pakistan – dazu fallen einem weniger Sport-Begegnungen als Krieg und das Ringen um Diplomatie ein. Jetzt treffen beide Länder in einem historischen Match erstmals seit langem wieder aufeinander.

Von Martin Gerner | 19.08.2013

Mit Pakistan kommt der politische Erzfeind zum sportlichen Duell nach Kabul. Die meisten Menschen in der Hauptstadt machen die Regierung in Islamabad dafür verantwortlich, dass die Taliban beim Nachbarn Rückzugsgebiete finden und von dort aus immer wieder mit Anschlägen die Bevölkerung terrorisieren. Zugleich fordert die Regierung Karsai die Freilassung aller afghanischen Taliban aus pakistanischer Haft. Nächste Woche will Karsai deshalb selbst nach Pakistan reisen. Ein Freundschaftsspiel mit hoher politischer Symbolik also.

Denkwürdig auch die Platzwahl bei diesem ersten Spiel der beiden nach 36 Jahren am Hindukusch. Gespielt wird nicht mehr im Ghazi-Stadium, wo die Taliban Frauen steinigen und ihre Gegner ohne Urteil hinrichten liessen, sondern im neu errichteten Stadion des Afghanischen Fußball-Verbandes, vor 6.000 Zuschauern und auf Kunstrasen.

Zehn Jahre lang hat kein Team der FIFA-Weltrangliste mehr seinen Fuß auf afghanischen Boden gesetzt. Zuletzt Turkmenistan 2003. Danach hielt Afghanistan sich unter anderem mit Spielen gegen die ISAF-Schutztruppe fit. Nun also eine Wende zu mehr Normalität, hoffen viele Zuschauer. Für Ticket-Preise bis zu fünf US-Dollar – umgerechnet der Tageslohn eins afghanischen Bauarbeiters – erwarten sie einen deutlichen Sieg ihres Teams über das um dreißig Ränge schlechter platzierte Pakistan. Andere wünschen sich das Spiel möge die vergifteten Beziehungen der beiden für einmal ausblenden. Fast ein Wunschtraum.

Zuletzt sind sich im vergangenen Jahr ausgerechnet die Frauenteams beider Länder begegnet. Afghanistan gewann 4:0. Nächste Woche geht in Kabul dann der Spielbetrieb der acht Mannschaften zählenden Fußball-Liga in seine zweite Saison.