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StartseiteKalenderblatt6.7.1854 - Vor 150 Jahren06.07.2004

6.7.1854 - Vor 150 Jahren

Gegner der Sklaverei gründen in den USA die Republikanische Partei

George Bush und die republikanische Partei hatten in jüngster Zeit wenig zu feiern, doch heute gibt es gleich einen doppelten Anlass: Der Präsident wird 58 Jahre alt und seine Partei, die Grand Old Party, feiert ihren 150. Geburtstag. Die aufs Wahljahr getrimmte Website stellt die konservativen Republikaner stolz als die Partei des großen Abraham Lincoln vor. Zu ihren Verdiensten zählt sie unter anderem die Abschaffung der Sklaverei, den Sieg im Bürgerkrieg, die ersten Suffragetten sowie die Einführung des Rechts auf Meinungsfreiheit. Vom Erlass des Patriot Act, der die Meinungsfreiheit der Amerikaner seit "9-11" drastisch beschneidet, ist nicht die Rede.

Von Barbara Jentzsch

Präsident Lincoln wird gereinigt (AP)
Präsident Lincoln wird gereinigt (AP)

Die Geschichte der republikanischen Partei beginnt in Jackson, Michigan. Unter den schattigen Eichen an der Franklin Street versammeln sich im Sommer 1854 mehr als dreitausend, revolutionär gestimmte, christlich bewegte Gründungsmitglieder.

Aus diversen Parteien und allen Himmelsrichtungen sind sie zu ihrem ersten Parteikonvent geströmt. Auf der Tagesordnung steht nur ein Punkt: die brennende Sklavenfrage. Eine kupferne Erinnerungstafel markiert das historische Ereignis von Jackson:

Hier wurde am 6. Juli 1854 die republikanische Partei geboren. Sie war dazu bestimmt, in politisch unruhigen Zeiten die Sklaverei abzuschaffen, die Demokratie zu verteidigen und die Union zu erhalten.

Um 1850 wird die Sklaverei in Amerika nicht mehr nur als soziales und ökonomisches Problem gesehen, sondern, besonders von moralisch bewegten Protestanten im Norden, den Abolitionisten, als schwere Sünde betrachtet. Washingtons Entschluss, den 1820 verabschiedeten, so genannten "Missouri Kompromiss" umzustoßen und Sklavenhaltung damit auch in den neu erschlossenen freien Territorien, den Weststaaten Kansas und Nebraska, zu erlauben, hat die Demokratische Partei tief gespalten und beschert der unentschlossenen föderalistischen Whig Partei fast den Zusammenbruch. Hunderte von Dissidenten eilen nach Jackson und schließen sich der neuen Partei an. Am Ende der drei Tage währenden konstituierenden Sitzung protestiert der Parteitag der Republikaner in aller Schärfe gegen den kontroversen, bereits verabschiedeten Kansas Nebraska Act. Eine große Mehrheit will die Sklaverei abschaffen, die territoriale Begrenzung reicht ihr nicht mehr.

Der neu gegründeten Partei gelingt es, die zerfallenden Whigs sowie kleinere Anti-Sklavereiparteien zu integrieren. Obwohl sie weder nationale Parteistrukturen noch herausragende Gründergestalten vorweisen können, schicken die Republikaner nach den Zwischenwahlen von 1854 schon mehr als hundert Abgeordnete nach Washington. Auf Anhieb stellen sie damit die größte Fraktion und 1860 dann zum ersten Mal den Präsidenten. Der legendäre, nach heutigen Parteimaßstäben, extrem liberale Abraham Lincoln betritt die Bühne. Der Retter der Nation im Bürgerkrieg. Unter Lincoln wird die Sklaverei 1864 abgeschafft. Als er ein Jahr später im Washingtoner Ford Theater erschossen wird, trauern auch seine politischen Gegner um einen in seiner Klugheit und warmen Menschlichkeit überragenden Präsidenten.

Lincolns Vermächtnis, die Versöhnung mit dem Süden, wird von seinen Nachfolgern in den Wind geschlagen. Konservative Hardliner nominieren über Jahrzehnte vorzugsweise Militärs als Präsidenten. Die Republikaner werden zur Mehrheitspartei, zur Partei des Industrie- und Finanzkapitalismus. Als Teddy Roosevelt 1901 Präsident wird, sitzt zum ersten Mal ein Republikaner im Weißen Haus, der ein Herz für die Umwelt und Fairness gegenüber den Gewerkschaften zeigt.

Wir wollen die Geschäftswelt kontrollieren, nicht strangulieren. Unser Ziel ist die Förderung des Wohlstands und seine Verteilung – eine angemessene Verteilung.

Solche progressiven Töne hat es vonseiten der Republikaner nie wieder gegeben. Unter Eisenhower und Ronald Reagan lebten die Konservativen zwar wieder auf, doch Nixon brachte den Watergate Skandal - und über Bush Senior und Junior muss die Geschichte noch richten. An ihrem 150. Geburtstag hat die Grand Old Party viel von ihrem einstigen Glanz verloren.

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