
Das 1,5 Grad Ziel von Paris ist nur noch theoretisch zu erreichen: Nur, wenn es der Menschheit gelingt, große technische Kapazitäten zur CO2-Entnahme zu entwickeln und zu finanzieren, können ausreichend Treibhausgase aus der Atmosphäre geholt werden, um die Erde wieder abzukühlen.
Das ist allerdings extrem unwahrscheinlich. Damit das überhaupt gelingen kann, sind in den kommenden Jahren drastische Emissionsminderungen nötig. Daran führt kein Weg vorbei.
Warnungen werden weiter ignoriert
Etwas mehr als eine Stunde, nachdem diese Nachricht über die Ticker ging, erklärte Großbritannien, dass es ein neues Gasfeld in der Nordsee erschließen will. Polen prüft gerade die Erdölförderung in der Ostsee vor Usedom.
Die fossile Preiskrise durch den Irankrieg führt dazu, dass einige Länder ihre letzten eigenen Reserven auszubeuten versuchen – statt endlich den Umstieg auf fossilfrei zu machen. Damit heizen sie das Erdklima weiter an und ignorieren all die Warnungen und den dramatischen Hitze- und Dürresommer, den Europa in diesem Jahr erlebt hat.
Regierungen, die jetzt noch auf fossile Energien setzen, schaden ihrer eigenen Bevölkerung. Sie geben Territorium entlang ihrer Küstenlinie auf, das in den nächsten Jahrhunderten dem steigenden Meeresspiegel zum Opfer fallen wird. Auch Städte an den deutschen Küsten müssen um ihre Zukunft bangen.
Unausgesprochene Wahrheit: Die Inselstaaten werden untergehen
Viel dramatischer aber ist die Aussicht für viele Inselstaaten. Wenn das ganze Staatsgebiet nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, dann gibt es bei dieser Klimaprognose keine Zukunft für sie.
Auch deshalb können die Vereinten Nationen nicht Klartext sprechen – und nicht offen sagen, dass das 1,5 Grad Limit verloren ist. Das würde die internationale Gemeinschaft auseinanderreißen. Wie sehr diese unter Spannung steht, zeigt sich gerade im Weltklimarat, dessen letzte Sitzung unterbrochen wurde.
Ausgerechnet führende Fossilstaaten wie Saudi-Arabien und Russland beklagen hier zu wenig Vielfalt, Forschung aus dem globalen Süden werde zu wenig gehört. Da beide Staaten nicht als Verfechter von Diversität bekannt sind, liegt der Verdacht nahe, dass dies ein vorgeschobenes Argument ist, um den nächsten Sachstandsbericht des IPCC zu verzögern.
Denn auch der würde unterstreichen, was den Ölförderländern ein Dorn im Auge ist: Wie dringend der Ausstieg aus fossilen Energien ist. An ihm führt kein Weg vorbei, wenn dieser Planet den Menschen eine sichere Heimat bleiben soll.
Die nächste Weltklimakonferenz, die in nicht einmal mehr drei Wochen beginnt, birgt enormen Sprengstoff, aber auch Potential. Weil jedes Zehntelgrad zählt, um die Erde lebenswert zu halten, wird Engagement umso wichtiger. Und dank des technologischen Sprungs bei Erneuerbaren Energien liegen die Lösungen auf der Hand.















