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Achim Lidsba
Von der Leyen schickt Bundeswehr-Ausbilder in den Ruhestand

Der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Achim Lidsba, soll Ende August in den einstweiligen Ruhestand gehen. Nach Deutschlandfunk-Informationen will Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Lidsba entlassen. Gründe dafür werden wie üblich nicht genannt, doch die Gerüchteküche brodelt.

Von Rolf Clement | 14.07.2016

    Ursula von der Leyen und Achim Lidsba stehen lächelnd vor dem Eingang der Führungsakademie
    Da standen sie noch einmütig nebeneinander: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Achim Lidsba, im Juli 2014 vor dem Eingang der Akademie in Hamburg. (dpa / Axel Heimken)
    Völlig überraschend wird nach Informationen dieses Senders Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen den Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Achim Lidsba, zum 1. September ablösen und in den einstweiligen Ruhestand versetzen.
    Der Entlassungstermin ist völlig unüblich, die Kurzfristigkeit der Ankündigung auch. Lidsba ist 61 Jahre alt, hat also die Altersgrenze nicht erreicht. Generale können allerdings jederzeit ohne Angaben von Gründen entlassen werden. Die Gründe dürfen nicht mitgeteilt werden – denn dann wird eine Entlassung justitiabel. Deswegen wurden Lidsba auch keine Gründe mitgeteilt.
    Generalinspekteur Volker Wieker hat Lidsba am vergangenen Montag über diesen Schritt informieren lassen. Lidsba ist seit Juli 2011 Kommandeur der zentralen Ausbildungsstätte für die Generalstabsoffiziere der Bundeswehr. Somit ist er fünf Jahre Kommandeur der Führungsakademie, eigentlich eine sehr lange Zeit. Eine Versetzung mit entsprechender Ankündigung wäre also nicht überraschend gewesen.
    Spekulationen über die Gründe
    Die Gerüchteküche brodelt nun. Lidsba habe die Bundeswehr auf dem Hamburger und Berliner Pakett nicht ausreichend vertreten, wird ihm vorgehalten. Er gilt nicht als Partylöwe und hat gesellschaftliche Verpflichtungen nicht sonderlich gerne wahrgenommen. So habe die Bedeutung der eigentlich sehr herausgehobenen Akademie in Hamburg, Berlin und der Sicherheitscommunity abgenommen. Immer wieder wird eine Beschwerde erwähnt, die eine Zahnärztin der Bundeswehr an Ministerin von der Leyen geschickt haben soll, in der sie beklagt, dass Frauen in den Ausbildungsgängen der Führungsakademie nicht angemessen behandelt würden. Dies soll im Ministerium einiges Aufsehen erregt haben.
    Lidsba hat die Führungsakademie innerhalb der NATO sehr eng vernetzt, was ihm hoch angerechnet wird. Und er hat eine enge Zusammenarbeit mit der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg begründet mit dem Ziel, dass die Soldaten nach ihrer Zeit an der Führungsakademie auch einen zivil verwertbaren Abschluss mitnehmen können.
    Aber, wie gesagt, eine offizielle Begründung gibt es nicht. Ein Nachfolger ist ebenfalls noch nicht benannt. Es gibt, so ist zu hören, mehrere Kandidaten. Einer, der da im Gespräch ist, ist General Carsten Breuer, der bisher die Arbeitsgruppe geleitet hat, die das Weißbuch geschrieben hat, das Ministerin von der Leyen gestern vorstellte.