
Mitte Oktober machten Hacker zahlreiche Mails und Dokumente der AfD öffentlich. Seitdem läuft eine Debatte darüber, was die Leaks an Neuem über die Partei enthalten.
AfD-Hackerangriff: Welche E-Mail-Konten betroffen sind
Bei der Cyberattacke sind nach AfD-Angaben Daten aus ihren E-Mail-Konten erbeutet worden. "Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer – von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren – widerrechtlich kopiert wurden", teilte die AfD mit und kündigte rechtliche Schritte an.
Den Inhalt “gestohlener” Dokumente werde man nicht kommentieren. Die “Zeit" zitierte die angeblichen Hacker, man wolle durch die Enthüllungen gegen “Korruption” vorgehen.
Unbekannte veröffentlichten im Internet nach eigenen Angaben Daten, bei denen es sich um über 421.000 AfD-E-Mails handeln soll. Ob diese allesamt authentisch sind, ist unklar. Laut Medienberichten wurden offenbar zehn E-Mail-Konten gehackt, darunter auch eine alte Adresse der Bundesgeschäftsstelle sowie des Bundesschiedsgerichts und des Schiedsgerichts des AfD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen.
Zudem sollen auch Mails von AfD-Chefin Alice Weidel und des AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland Teil des Hacks sein.
AfD-Mails geleakt: Spendenaffäre und Warnungen von Alice Weidel
Im Netz kursiert ein Link zu einer Website. Auf der befindet sich dann eine gegliederte Übersicht über das vermeintliche AfD-Mailmaterial. Details gibt es unter einem Download-Link mit rund 280 Gigabyte Material. Es sind teilweise Kontoauszüge mit Spendernamen und persönliche Daten von Parteimitgliedern. Es gibt Mails vom September 2026 – andere reichen bis ins Jahr 2014 zurück.
Zahlreiche Medien sind derzeit dabei, die geleakten Mails weiter auszuwerten. Dies könnte Monate dauern. Gegenstand der Berichterstattung ist etwa die Frage, ob die AfD-Leaks für ein mögliches Verbotsverfahren relevant werden könnten. Berichtet wurde auch über Feindeslisten mit Namen von vermeintlichen Antifa-Aktivisten in den Mails.
Nach Angaben von "Fokus" und "Welt" dokumentieren die Mails einen deutlichen Kontrast zur Haltung der heutigen Parteichefin Alice Weidel gegenüber dem rechten Flügel. Demnach warnte Weidel zwischen 2015 und 2017 intern mehrfach vor einem Verlust der bürgerlichen Mitte und vor möglichen Konsequenzen durch den Verfassungsschutz.
Den Berichten zufolge kritisierte sie den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke wegen rassistischer Äußerungen sowie den früheren baden-württembergischen AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon wegen antisemitischer Aussagen. Die AfD werde sich in eine nicht mehr beherrschbare Richtung verändern, schrieb sie an ihre Kollegen im Bundesvorstand. "Wacht endlich auf", formulierte Weidel demnach wörtlich.
Laut "Spiegel" nähren die von Hackern ins Netz gestellten parteiinternen E-Mails zudem den Verdacht, dass Alice Weidel als Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf 2017 deutlich früher über den Eingang von problematischen Spenden informiert gewesen sein soll als bislang behauptet.
Der Rechercheverbund aus NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatte im November 2018 enthüllt, dass der AfD-Kreisverband Bodensee vor der Bundestagswahl 2017 mehr als 132.000 Euro von einer Schweizer Firma erhalten hatte. Parteispenden aus Nicht-EU-Staaten sind grundsätzlich illegal.
AfD-Leaks und KI: Experte warnt vor Desinformation
Der Politikwissenschaftler Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen vergleicht den Fall mit den Wikileaks-Enthüllungen, "weil wir es hier mit digital geleakten Daten zu tun haben". Auch die enorme Menge an Daten, in denen wiederum auch selbst Schadsoftware versteckt sein könnte, erinnert ihn an Wikileaks.
"Was jetzt wirklich neu ist, scheint mir der Einsatz von KI-Werkzeugen zu sein, die zusätzlich eingebaut werden, um einfach aus der Menge der Daten besser und schneller interessante Informationen herausfiltern zu können", sagt Bieber.
Was den Fall von Wikileaks unterscheide, sei das aktuelle Umfeld, "der Auswuchs von Desinformationen", sagt der Politologe. Die Vielzahl von "fragwürdigen, unsicheren Informationen", teils mit KI-Werkzeugen erzeugt, trage zur Verunsicherung bei. Man könne sich nicht darauf verlassen, dass alle Inhalte des Leaks auch wirklich authentisch seien.
Bieber beobachtet einen "Kampf der Narrative". Die Hacker behaupteten, sie wollten Missstände aufdecken. Die AfD stelle sich hingegen als "Opfer eines Angriffs auf die Demokratie" dar. Journalisten müssten Licht in das “digitale Durcheinander” bringen – und klären, was echt ist und was nicht, so Bieber.
Onlinetext: Martin Teigeler; Quellen: Deutschlandfunk, AFP, dpa










