
Der Erdrutschsieg der AfD ist vor allem vom männlichen Teil der Bevölkerung in Sachsen-Anhalt getragen worden. Laut Nachwahlbefragung stimmten 51 Prozent der Männer für die AfD. Frauen wählten die Partei zu 40 Prozent. Bei den Männern zwischen 35 und 44 Jahren wählten nach Zahlen von Infratest dimap sogar 58 Prozent die Partei (Frauen: 48), bei jenen zwischen 45 und 59 Jahren waren es 57 Prozent (Frauen: 48).
Besonders viel Zuspruch bei den 35- bis 59-Jährigen
Bei den jungen Wählerinnen und Wählern holte die AfD 42 Prozent, bei den über 70-Jährigen hingegen „nur“ 31 Prozent. In den mittleren Altersklassen bekommt sie hingegen viel Zuspruch und liegt deutlich über ihrem Gesamtergebnis.
Tendenziell wurde die Partei vor allem von Wählern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen gewählt. Bei jenen mit einem hohen Bildungsabschluss kam sie laut den infratest-Zahlen auf unterdurchschnittliche 31 Prozent.
Erfolg hat die AfD vor allem bei Arbeitern (61 Prozent laut "Exit Poll"), Angestellten (46 Prozent) und Selbständigen (52 Prozent), wenn man auf die Berufe blickt. Die Beamten ließen sich nicht von der Partei überzeugen, in ihrer Gruppe wählte nur jeder Fünfte die AfD. Von den Rentnern stimmten 38 Prozent für die Partei.
„Grundlegende Veränderungswünsche“ an die Politik
Rund zwei Drittel der AfD-Wähler sehen ihre wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht, und über vier Fünftel haben „grundlegende Veränderungswünsche“ an die Politik. 55 Prozent gaben an, die Partei aus Überzeugung zu wählen. Eine Wahl aus Enttäuschung gaben 35 Prozent an – dieser Wert ist bei den anderen Parteien allerdings oft auch hoch, beim BSW zum Beispiel mit 48 Prozent sogar noch einmal deutlich höher.
Ausschlaggebend für die Wahlentscheidung war laut der Forschungsgruppe Wahlen die Landespolitik. Dabei setzten zur Lösung von Problemen ungewöhnlich viele Befragte auf die AfD. Bei der Parteienkompetenz für die Top-Themen Wirtschaft und Schule/Bildung lag die AfD demnach erstmals vor der CDU. Beim Thema Flüchtlinge/Asyl ließ die AfD laut der Forschungsgruppe alle anderen Parteien weit hinter sich.
Jeder dritte Wähler (35 Prozent) traute der AfD laut Infratest dimap am ehesten zu, die wichtigsten Probleme in Sachsen-Anhalt zu lösen. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es noch 9 Prozent. Der CDU vertrauten 27 Prozent der Befragten, alle anderen Parteien erzielten nur einstellige Werte.
Mobilisierung der Nichtwähler
Aufschlussreich sind auch die Zahlen zur Wählerwanderung. Laut den Daten von Infratest dimap hat die AfD insgesamt fast 350.000 Wählerinnen und Wähler mehr mobilisiert als vor fünf Jahren. Besonders aus dem bisherigen Nichtwähler-Lager legte die Partei deutlich zu.
Allein von der CDU konnte die AfD über 80.000 Wähler zu sich herüberziehen. Sie bekam Zustrom von allen Parteien - nur gegenüber dem erstmals angetretenen BSW verlor sie laut den Befragungen vom Wahltag leicht, nämlich 2.000 Wähler.
Die CDU verliert in alle Richtungen
Die langjährige Regierungspartei CDU verlor hingegen in alle Richtungen. Insgesamt entschieden sich über 130.000 bisherige CDU-Wähler dieses Mal, einer anderen Partei die Stimme zu geben. Dass die CDU ihrerseits etwa 28.000 bisherige Nichtwähler mobilisieren konnte, glich ihre Verluste an anderer Stelle nicht annähernd aus.
Dass die AfD so weit vor der CDU liege, sei in dieser Größenordnung überraschend, sagte der Politologe Janek Treiber im Deutschlandfunk. "Die CDU ist ohne Zweifel die große Verliererin des Abends, sowohl hinsichtlich ihres Wahlergebnisses als auch wegen des Drucks, der jetzt auf ihr lastet von allen Seiten." Die Wählerinnen und Wähler hätten der AfD "ganz klar" den Regierungsauftrag gegeben. Keine andere Partei komme auch nur in die Nähe dessen, was die AfD an Stimmen bekommen habe.

Ob das allerdings nun in die erste AfD-Landesregierung in Deutschland mündet, werden erst die nächsten Tage zeigen. Der Politikwissenschaftler Christian Stecker verwies im Deutschlandfunk Kultur darauf, dass der Partei, sollte sie regieren, noch die Konfrontation mit der Realität bevorsteht. Die AfD sei die einzige Partei, die in einer komplizierten Welt noch nicht die Möglichkeit gehabt habe, ihre Wähler zu enttäuschen, so Stecker.
Scheitern der Brandmauerstrategie
Dennoch sieht der Politologe schon jetzt eine „Zeitenwende“. Der hermetische Ausschluss der Partei und die damit einhergehende Stigmatisierung der Wähler sei gescheitert, die Brandmauerstrategie am Ende, betonte er.
Sein Kollege Treiber beurteilt das ähnlich. "Ein Teil der AfD-Strategie besteht darin, die CDU zu spalten", sagte er. Es werde immer Teile der CDU geben, die eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnten. Doch die CDU könne in den nächsten Jahren in Sachsen-Anhalt eine Kooperation mit der Linken oder mit der AfD nicht mehr grundsätzlich ausschließen, sonst gebe es einen „politischen Deadlock“, sagte Treiber nach ersten Hochrechnungen. Möglicherweise kommt die AfD aber auch mithilfe des BSW an die Macht.
Onlinetext: Asmus Heß, Martin Teigeler
























