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Alternative Wimax

Viele, denen DSL-Anbieter heute noch aus Kostengründen einen Korb geben, warten sehnsüchtig auf DSL per Funk – auf Wimax. 70 Mal so schnell wie ein einfacher DSL-Anschluss oder bis zu 50 Kilometer Reichweite – so lauten die Verheißungen. Doch konkrete Produkte stehen erst in den Startlöchern.

Von Thomas Reintjes | 24.09.2005

    In rund fünf Millionen deutschen Haushalten ist ein schneller Internetzugang über DSL zurzeit nicht verfügbar. Wimax soll die Lücken stopfen, Branchenexperten rechnen für die neue Technik mit etwa ein bis zwei Millionen Kunden. Doch das oft als Funk-DSL bezeichnete Wimax kommt entgegen früherer Versprechen nicht an die Übertragungsleistung des kabelgebundenen DSL heran. Die Bundesnetzagentur, die ehemalige Regulierungsbehörde, plant nämlich, den einzelnen Anbietern ein kleineres Frequenzband zuzuteilen, als manche bisher angenommen haben. Dadurch wird die Geschwindigkeit von Wimax eingeschränkt.

    "Das läuft letztendlich darauf hinaus, dass das keine Massenanwendung sein kann. Und das ist eigentlich dem Wimax-Gedanken entgegengesetzt, weil der Wimax-Gedanke geht davon aus, dass ich irgendwann mal einen Wimax-Chip in meinem Laptop habe, quasi jeder Laptop zwangsläufig damit ausgerüstet ist, und dann muss natürlich auch eine Infrastruktur zur Verfügung stehen, die diese Millionen Teilnehmer versorgen kann. Und dazu brauche ich entsprechende Bandbreite. "

    Lutz Fielbrandt vom Wimax-Forum rechnet momentan mit einer Bandbreite von fünf bis zehn Megabit pro Sekunde – maximal zehn Mal so schnell wie der langsamste DSL-Anschluss. Doch im Unterschied zu DSL müssen sich bei Wimax mehrere Kunden die Bandbreite teilen. Zugesichert werden kann Kunden so nur etwa ein Megabit pro Sekunde, während kabelgebundene Technik mittlerweile bis zu 25 Megabit pro Sekunde möglich macht. Solche Geschwindigkeiten werden mit Wimax nicht möglich sein – doch Bernd Schulze von der Bundesnetzagentur hat eine Idee, wie die ausgebremste Technik doch noch in Schwung kommen könnte:

    "Wir haben den Frequenzbereich 2,6 Gigahertz, der ja Erweiterungsband für UMTS ist, aber letztendlich so nicht auf alle Zeiten festgeschrieben werden muss, sondern dass man hier auch andere Anbieter, andere Frequenznutzungen reinlassen könnte. Das muss aber erst die Auswertung bringen, die zurzeit noch läuft. "

    So könnte die Wimax-Technik davon profitieren, dass von den ursprünglich sechs Käufern der UMTS-Frequenzen nur noch vier übrig sind. Eine überhitzte Auktion wie bei den UMTS-Frequenzen will die Bundesnetzagentur bei Wimax übrigens verhindern. Nach den aktuellen Planungen sollen Anbieter stattdessen vorab mitteilen, welche Gebiete sie mit Wimax versorgen wollen. Gibt es für einen Bereich mehr Interessenten als Frequenzen, soll am Verhandlungstisch eine Lösung gefunden werden.

    Wer schließlich den Zuschlag bekommt, muss innerhalb von eineinhalb Jahren den Betrieb aufnehmen – sonst wird die Frequenz neu vergeben. Das endgültige Vergabeverfahren wird aber erst in etwa drei Monaten bekannt gegeben. Während die Frequenzvergabe noch gar nicht angelaufen ist, tauchen allmählich die ersten Wimax-Geräte auf dem Markt auf. Doch was heute Wimax genannt wird, kann noch gar kein richtiges Wimax sein, sagt Lutz Fielbrandt:

    "Vom Wimax-Forum aus gesehen ist es so, dass wir jetzt gerade aktuell mit der Zertifizierung von Wimax-Geräten beginnen, und wir erwarten, dass zum Ende des Jahres die ersten Wimax-Zertifikate dann vergeben werden. Das heißt, was Sie heute am Markt finden, sind Systeme, die schon sehr nah an dem gewählten Standard aufgebaut sind, aber eben noch nicht diese Wimax-Zertifizierung haben. "

    Und erst damit soll sichergestellt sein, dass sich die Geräte verschiedener Hersteller auch untereinander verstehen. Eine mobile Nutzung erlauben die Geräte noch nicht. Dazu sind sie zum einen zu groß, zum anderen erlaubt der aktuelle Wimax-Standard keine durchgängige Nutzung über Funkzellengrenzen hinweg. Ein Standard für mobiles Wimax soll im Oktober verabschiedet werden, mit ersten Anwendungen dafür ist dann in etwa zwei Jahren zu rechnen.