Sonntag, 04. Dezember 2022

Audi-Einstieg in der Formel 1
"Marketing der wesentliche Aspekt"

Während Max Verstappen beim Großen Preis von Belgien weiter auf dem Weg zum WM-Titel ist, plant Audi als Motoren-Hersteller für 2026 den Einstieg in die Formel 1. Audi könne so die Entwicklung von umweltfreundlichen Motoren vorantreiben, sagte Motorsport-Experte Anno Hecker. Im Wesentlichen gehe es aber um Marketing.

Anno Hecker im Gespräch mit Astrid Rawohl | 28.08.2022

Audi steigt 2026 als Motoren-Hersteller in die Formel 1 ein.
Audi steigt 2026 als Motoren-Hersteller in die Formel 1 ein. (IMAGO / eu-images / IMAGO)
Formel-1-Fahrer Max Verstappen hat am Sonntag in Spa den großen Preis von Belgien gewonnen und ist auf dem besten Wege zu seinem zweiten WM-Titel. Verstappen gewann in Belgien, obwohl er nur von Position 13 gestartet war. "Er hat dabei seinen Teamkollegen hinter sich gelassen, der auf dem zweiten Platz gestartet ist, im identischen Auto. Und er lag 17,8 Sekunden vor ihm", sagte Anno Hecker, Motorsport-Expeter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Deutschlandfunk. "Wenn man den eigenen Teamkollegen so hinter sich lässt, muss man eben auch feststellen, dass Verstappen eine ganz besondere Fähgkeit hat als Fahrer."
Die Konkurrenz Ferrari und Mercedes tappe aufgrund der Dominanz Verstappens noch im Dunkeln, sagte Hecker. "Die sind jetzt nach den Sommerferien die Formel 1 sehr kalt erwischt worden", so Hecker. "Dass die Unterschiede so groß sein würden, Verstappen hat zwischenzeitlich 2,4 Sekunden Vorsprung rausgefahren pro Runde. Das ist gewaltig in der Formel 1."

Audi steigt in Formel 1 ein

Im Jahr 2026 steigt nun auch Audi als Motoren-Hersteller in die Formel 1 ein. Laut Audi-Chef Markus Duesmann sei das der perfekte Zeitpunkt. "Ich glaube, der perfekte Zeitpunkt ist schon verpasst worden", sagte Hecker. Der Wert der Formel 1 und auch der Rennställe sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Audi wolle sich nun am Sauber-Rennstall beteiligen. "Und da wird ein fetter Preis für aufgerufen. Von angeblich 450 Millionen Euro ist die Rede. Das wäre sogar noch ein ganz guter Preis. Aber tatsächlich ist der Preis gestiegen."
Duesmann könne aber auch das angepasste Motoren-Reglement der Formel 1 gemeint haben, so Hecker. "Auch vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft sagt, wir wollen hier nicht die fetten Verbrenner haben, sondern wir wollen etwas tun für die Umwelt. Und die Automobilindustrie, zumindest dieses Sports, die sagt, die Verbrenner, die wir hier fahren, sind gekoppelt mit Hybrid, also Elektromotoren. Das sind die wichtigen Instrumente, um auch auf der ganzen Welt mit vier Milliarden Autos Umweltschutz und geringeren Verbrauch zu erzeugen. In Europa ist die Elektrifizierung durchgesetzt, aber es gibt auch noch Länder wie China, Teile Russland oder Indien, die auch sehr viele Autos haben. Und für die bräuchte man vielleicht ein System, das in der Formel 1 perfektioniert wird."
Ob das so komme, wisse Hecker nicht. "Ich bin kein Ingenieur, aber eins ist klar: Die effektivsten Antriebe werden in der Formel 1 gefahren."

Marketing-Aspekt wesentlich

Dass Audi in die Formel 1 geht und sich trotz Klimawandel und Energiekrise nicht auf die Formel E konzentriert, habe laut Hecker aber noch einen anderen Grund. "Für die Formel E interessiert sich keiner. Das ist kein Werbemarkt. Die Formel 1 hat einen Aufschwung, sie ist nach wie vor die interessantere Serie." Der Marketing-Aspekt sei "der Wesentliche an der ganzen Geschichte."
Sauber sei außerdem nicht Audis erste Wahl gewesen. "Die wollten McLaren haben, aber haben sie nicht bekommen", sagte Hecker. Deshalb liefere Audi nun Motoren aus Deutschland für ein Team in der Schweiz. "Und ich bin da skeptisch, ob man da an zwei Standorten so schnell etwas aufbauen und zur Weltmeisterschaft führen kann." Deswegen sei Duesmann Aussage "realistisch", in den ersten drei Jahren erst einmal mitfahren zu wollen. "Und dann muss man mal schauen."