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Anschlag in NizzaDrei Deutsche unter den Todesopfern

Rosen sind am 15.07.2016 vor dem Gelände der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin abgelegt worden. Bei dem Terroranschlag in Nizza wurden zwei Schülerinnen und eine Lehrerin der Einrichtung getötet. (dpa / Rainer Jensen )
An der Paula-Fürst-Schule wird mit Blumen der Opfer gedacht. (dpa / Rainer Jensen )

Bei dem Attentat in Nizza wurden auch eine Lehrerin und zwei Schülerinnen aus Berlin getötet. Das bestätigten die Behörden in der Bundeshauptstadt. Das Motiv des Attentäters ist Innenminister Cazeneuve zufolge weiter unklar. Eine Verbindung zum radikalen Islam könne gegenwärtig nicht bestätigt werden, sagt er im französischen Fernsehen.

Die Lehrerin und die zwei Schülerinnen waren Teilnehmer der Fahrt eines Abitur-Jahrgangs nach Nizza. Sie kamen von der Paula-Fürst-Schule im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Dessen Bezirksamt bestätigte nun ihren Tod. Eine weitere Schülerin wurde nach Angaben der Berliner Senatsschulverwaltung verletzt. Sie wird in einem französischen Krankenhaus behandelt. Ein Team des deutschen Generalkonsulats in Marseille reiste nach Nizza, um betroffenen Bundesbürgern Beistand zu leisten. Einige der Schüler kehrten inzwischen in die Hauptstadt zurück. Sie werden dort von Seelsorgern und Schulpsychologen betreut.

Das Bild zeigt das Schulgebäude aus rotem Backstein. (dpa)Die Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin am Tag nach dem Attentat. (dpa)

Nach Angaben des US-Außenministeriums sind auch mindestens zwei US-Amerikaner unter den Toten. Zudem kamen neben vielen Franzosen Menschen aus Russland, der Schweiz, Armenien, Tunesien und der Ukraine ums Leben.

Präsident Hollande und Premierminister Manuel Valls besuchten in einem Krankenhaus in Nizza Opfer des Anschlags. Hollande bestätigte anschließend die Zahl von 84 Toten. 50 Menschen schweben nach seinen Angaben noch in Lebensgefahr. Insgesamt gab es fast 200 Verletzte. Hollande sagte, in Nizza hätten Franzosen und Ausländer, darunter Kleinkinder, einen glücklichen Moment erleben wollen. Stattdessen seien sie von einem Terroristen oder möglicherweise sogar einer Terror-Gruppe getötet worden.

Lkw mit Polizeiauto und Krankenwagen. (dpa/picture-alliance/Fernandes)Spezialisten untersuchen den Lkw am Tatort. (dpa/picture-alliance/Fernandes)

Wie der Präsident weiter mitteilte, sind sich die französischen Behörden sicher, dass es sich um einen islamistischen Terrorangriff handelt. Details nannte Hollande aber nicht. Der Staatschef hatte bereits am frühen Morgen nach der Tat den Terror-Verdacht geäußert. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière geht von einem terroristischen Akt aus. 

Wie Innenminister Cazeneuve dann aber am Abend mitteilte, ist das Motiv des Attentäters weiter unklar. Eine Verbindung zum radikalen Islam könne gegenwärtig nicht bestätigt werden, sagt er im französischen Fernsehen. Premierministers Valls sagte, der Täter habe vermutlich auf die eine oder andere Weise mit dem radikalen Islamismus Kontakt gehabt. Belege dafür nannte aber auch er nicht. Valls wies Kritik an den Sicherheitsbehörden zurück.

Die EU änderte die Tagesordnung für das Treffen der Außenminister am kommenden Montag in Brüssel. Auf Wunsch Frankreichs solle auch über den Kampf gegen den Terrorismus gesprochen werden, hieß es aus Brüssel.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Attentäter um einen 31-Jährigen tunesischer Herkunft. Im März war der Mann wegen eines Gewaltdelikts nach einem Verkehrsunfall zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Zusammenhang mit terroristischen Verbindungen war er nicht aufgefallen. Der zuständige Staatsanwalt sagte, den Geheimdiensten sei er völlig unbekannt gewesen. Zwar habe sich keine Organisation zu der Tat bekannt, es deute aber vieles darauf hin, dass der Täter von Mordaufrufen islamistischer Terror-Gruppen inspiriert gewesen sei.

Eine Frau im weißen Overall sitzt auf dem Fahrersitz. Neben ihr sieht man Einschusslöcher im Blech. (EFE)Eine Ermittlerin inspiziert den Fahrersitz. (EFE)

Gestern am späten Abend hatte ein Mann einen Lastwagen über eine Strecke von rund zwei Kilometern in Menschenmengen gesteuert, die dort das Feuerwerk zum Abschluss des Nationalfeiertages verfolgten. Ein deutscher Journalist filmte den Lastwagen vom Balkon seines Hotels aus. Neben den 84 Toten gab es auch mehrere hundert Verletzte. Die Polizei erschoss den Fahrer. Er wurde inzwischen als ein 31-jähriger Franzose mit tunesischen Wurzeln identifiziert, der in der südfranzösischen Hafenstadt lebte. Er ist den Behörden als Kleinkrimineller bekannt gewesen, fiel aber nicht als politisch radikalisiert auf. Seine Wohnung wird derzeit untersucht.

Drei Soldaten mit roten Barretten und Maschinengewehren; zwei von ihnen tragen Sonnenbrillen. Einer spricht in ein Funkgerät.  (AFP / MATTHIEU ALEXANDRE)Französische Soldaten patroullieren in Paris. (AFP / MATTHIEU ALEXANDRE)

In den europäischen Staaten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die deutsche Polizei verstärkte ihre Kontrollen an der Grenze zu Frankreich und die Präsenz in den Flughäfen. Ähnliche Maßnahmen kündigten die Regierungen in Belgien, Spanien, Tschechien und weiteren Ländern an. In Frankreich hatte Präsident François Hollande bereits am frühen Morgen eine Verlängerung des Ausnahmezustands um weitere drei Monate angekündigt. Er war nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt worden und sollte eigentlich Ende Juli auslaufen.

Premierminister Manuel Valls rief nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Vormittag in Paris eine dreitägige Staatstrauer aus. Sie soll am Samstag beginnen und bis Montag dauern. An allen öffentlichen Gebäuden in Frankreich wehen die Fahnen auf Halbmast. Hollande und Valls landeten inzwischen in Nizza, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Auch in Deutschland wurde eine bundesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Das für heute geplante deutsch-französische Fest in Berlin wurde verlegt. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte, ein Angriff auf Frankreich sei ein Angriff auf die gesamte Welt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator, wo sie am Asem-Gipfel teilnimmt, Deutschland stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite Frankreichs. Bestürzung auch in den USA: Präsident Barack Obama betonte ebenfalls, sein Land stehe in Solidarität und Partnerschaft an der Seite seines ältesten Allierten Frankreich. Russlands Präsident Wladimir Putin mahnte, der Terrorismus könne nur mit vereinten Kräften besiegt werden. Botschaften der Trauer und des Beistandes kamen auch aus vielen anderen Staaten. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte die Hoffnung, dass mögliche Hintermänner schnell identifiziert werden könnten. Die Kirchen äußerten sich erschüttert. Papst Franziskus twitterte, er bete für die Opfer und ihre Familien.

(mg/ach)

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